Abenteuer Botswana

 

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Reisebericht aus einem Erdteil, in dem angeblich die Wiege der Menschheit stand

 

Es ist noch ziemlich frisch heute morgen "doch ganz gut das ich mir erst einmal die leichte Jacke angezogen habe" denke ich so, während ich von meinem Zelt zum Feuer gehe. Na ja, es ist ja auch erst kurz nach 6 Uhr. Das Küchenfeuer brennt auf jeden Fall schon und hier werde ich mir erst einmal die nötige Wärme holen. Den Gedanken hatten offensichlich auch schon andere, denn Gerard und Herbert stehen auch schon da mit einem Becher Kaffee oder Tee in der Hand. Letzte Nacht war es ziemlich ruhig im Camp gewesen, kein umfallender Topf oder sonstige Geräusche habe ich gehört und auch die beiden hatten nichts Ungewöhnliches bemerkte, aber das will nicht unbedingt etwas heißen!

Jetzt ist wohl die beste Zeit genauer zu erklären wo unser Camp liegt. Sicher, wer den ersten Teil meines Reiseberichtes gelesen hat weiß bereits das unser Camp bei "Third Bridge" im Moremi Nat. Park liegt, aber ich denke mal durch die nachfolgende Karte ist eine noch bessere Orientierung möglich. Nach Nordosten geht es Richtung Savuti und dann weiter in den Chobe Nat. Park. Für diese Strecke sollten aber mindestens 2 Tage reine Fahrzeit eingerechnet werden, wobei es allerdings auch vorkommen kann das die Strecke zeitweise absolut nicht zu befahren ist, denn die Piste führt durch die Magwikwe Sand Ridge, und die hat so ihre Tücken. Nach Süden Richtung Maun sollte man auch einen Tag Anreise veranschlagen. Ja und dies sind auch schon die beiden Himmelsrichtungen in die man noch von hier aus mit dem Auto fahren kann, allerdings auch nur während der Trockenzeit. Während der Regenzeit ist nichts gewiß und alles dem Zufall überlassen.

 

Inzwischen haben sich auch Ingrid, Helmut und Markus am Feuer eingefunden. Es ist anscheinend schon zu einem festen Ritual geworden, man trifft sich morgends vor dem Frühstück am Küchenfeuer um eine Tasse Kaffee oder Tee zu trinken. "Ratsch, Ratsch" das typische Geräusch der Reisverschlüsse am Zelt. Wir drehen uns um, wer kommt dann jetzt noch aus seinem Zelt hervor ? Aber, das ist ja auch eigentlich egal, die Hauptsache ist doch das nachher, wenn wir losfahren, alle vollzählig sind!

Dieser Morgen hat noch einen entscheidenden Vorteil, es muß kein Zelt abgebaut werden. Die Tage vorher war an jedem Morgen das gleiche Ritual, Zelt abbauen, frühstücken, die Marschverpflegung für den Tag fertigmachen und einpacken, Zelte aufladen und Abfahrt. Heute morgen zuerst nur Tee bzw. Kaffee und Abfahrt, aber jetzt zur Frühpirsch. Das Frühstück gibt es erst nach der Rückkehr. Die wichtigsten Sachen hat sowieso jeder in Reichweite und deshalb kann es sehr schnell losgehen. Christoph und Filemon bleiben allerdings im Lager, nicht zuletzt deshalb um es zu bewachen. Ja, sie lesen richtig, um es zu bewachen, denn vor den räuberischen Affen, die in unmittelbarer Nachbarschaft ihren Schlafbaum haben, ist nichts sicher und wären keine Wachen da könnte es durchaus passieren das wir bei unserer Rückehr ein riesengroßes Chaos vorfinden würden. Deshalb rüstet Jimmy die beiden, wie schon am morgen vorher, mit Knallpatronen aus.

Jetzt wird es aber allmählich Zeit zum Aufbrechen.Wieder rumpelt unser Unimog langsam und vorsichtig über Third Brigde, aber es ist schon erstaunlich wie schnell man sich an etwas gewöhnt! Bei der ersten Überfahrt erschien uns allen die Konstruktion doch etwas bedenklich und jetzt, alles ganz normal!! Deutlich sehen wir wieder die Löwenspuren, die gestern abend und heute morgen entstanden sind. Langsam geht die Fahrt über eine weite Graslandschaft, die nur hier und da von Akazien und Mopane unterbrochen wird zwischen denen Antilopen und Zebras grasen. Es liegt eine für uns merkwürdige Stille über der Landschaft. Ein flacher Wasserlauf wird durchquert und hier sind wir nicht die einzigen Besucher, denn diese Stelle eignet sich offensichtlich gut zum Fischen, im seichten Wasser und im Uferschilf stolzieren Sattelstörche bedächtig auf und ab auf der Suche nach Fischen, Krabben und Fröschen.

Von weitem können wir es schon sehen, aber es läßt sich absolut nicht stören. Ein Hippo, anscheinend alleine unterwegs, denn von seiner Verwandschaft ist weit und breit nichts zu sehen. Erst als wir langsam Näherkommen wird es aufmerksam und beobachtet uns. Nachdem es dann zu dem dem Entschluß gekommen ist dass wir seiner nicht würdig sind, wendet es uns demonstrativ sein Hinterteil zu. Aber Jimmy meint dass wir trotzdem bei Hippos immer auf der Hut sein müssten. "Wegen ihrer Unberechenbarkeit und ihres sehr stark ausgeprägten Territorialsinns gehören sie mit zu den gefährlichsten Tieren Afrikas, es ist immer besser einen grossen Bogen um sie zu machen. Die Fährleute im Okavango-Delta vermeiden daher möglichst die Gewässer in denen Hippos sich aufhalten" so sagt er. Auch Joseph gibt jetzt mit der Hand Zeichen nicht noch näher heranzufahren. Wir sind jetzt aber auch so nahe heran das ich deutlich die Narben auf seiner Haut erkennen kann.So ein ausgewachsenes Hippo kommt auf bis zu 2 to Gewicht und verbringt normalerweise die meiste Zeit des Tages im Wasser dann sieht man oft nur die Nasenlöcher und die kleinen Ohren aus dem Wasser ragen und deshalb ist es kaum zu sehen. Das ist dann für die Mokoros (Einbäume), die im Delta ein wichtiges Verkehrsmittel sind, natürlich ziemlich gefährlich weil sie einen flachen bzw. halbrunden Boden haben und deshalb schnell über so ein Hippo hinwegfahren. Taucht dann das Tier erschreckt aus dem Wasser auf kippt das Mokorro unweigerlich um und das kann dann für die Insassen doch ziemlich gefährlich werden, denn in diesen Gewässern gibt es auch noch Krokodile. Die Hippos verlassen normalerweise erst nachts das Wasser um an Land zu gehen und dort zu grasen, dies geht dann ziemlich geräuschvoll zu.

Unser Hippo hier hat sich offentsichtlich nicht an die vorgenannte Zeiteinteilung gehalten und geht friedlich grasend langsam seitlich des Weges entlang, nur ab und zu noch wendet es den Kopf wie um sich zu vergewissern dass wir nicht näher gekommen sind. Abrupt ändert es dann plötzlich seine Richtung nach links quer über den Pfad in Richtung der weiten offenen Savannenlandschaft. Vielleicht fließt dort ein Wasserlauf den wir hier vom Auto aus nicht erkennen können. Die weite Landschaft scheint sehr übersichtlich zu sein, aber das täuscht, denn unvermittelt steht der Ortsunkundige immer wieder vor Wasserläufen. Langsam schlägt Jimmy wieder die Richtung zu unserem Camp ein. denn inzwischen ist die Sonne doch schon etwas höher gestiegen und die günstigste Zeit für die Morgenpirsch geht zu Ende und außerdem, das will ich nicht verschweigen, haben alle nun doch Hunger bekommen und mit leeren Magen ist alles nur halb so interessant.

Unser Auto rumpelt wieder über Third Brigde, inzwischen absolut normal, aus dem Camp steigt Qualm auf, der uns sagt dass das Küchenfeuer voll angeheizt ist. Markus sagt "Jetzt muß ich ich erst einmal bei den Daumen sehen", wer den ersten Teil meines Berichtes gelesen hat weiß, daß Markus als ausgebildeter Sanitäter schon auf der Hinfahrt seine Fähigkeiten beweisen mußte. Normalerweise sagt man ja "Der letzte macht das Licht aus" bei uns heißt es, "Der letzte macht die Autotür zu" nur sollte man vorher natürlich den Daumen zwischen Tür und Rahmen entfernen. Nun ja, einer von uns hatte dies nicht gemacht und die Tür so kräftig zugeschlagen das der Daumen nicht nur eingeklemmt wurde sondern auch noch aufgeplatzt war. Eine Wunde, die in Deutschland sofort genäht worden wäre aber hier, nun ja Markus verstand seine Sache sehr gut und muß jetzt natürlich jeden Morgen bei die Wunde sehen und neu verbinden.

Angenehme Gerüche ziehen mir in die Nase, so nach gebratenem Schinken, Kaffee usw.. "Also da kann einer sagen was er will, das Frühstück schmeckt immer am besten nach so einer Morgenpirsch" meint Alfred, und wo er recht hat hat er recht!! In einem meiner anderen Reiseberichte habe ich schon davon erzählt dass es traditionell morgens natürlich auch Mieliepap gibt. Auch von den verschiedenen Varianten habe ich schon berichtet, heute morgen entscheide ich mich für die Version mit Marmelade. Es gibt natürlich wieder viel zu erzählen, und außerdem wird hier morgens auch der Tagesplan besprochen."Leute was meint Ihr, wollen wir vor Mittag noch eine Pirschfahrt unternehmen, oder erst wieder am Nachmittag, so gegen 16 Uhr ?" fragt Jimmy.

Nach kurzer Beratung meint Gerard daß wir die letzten Tage doch ständig unterwegs waren und immer wieder Neues gesehen haben, sodaß jetzt mal ein paar Stunden Pause sicher ganz gut wären. Dem kann ich und auch die anderen nur beistimmen ,und so fällt die Vormittagspirsch aus. Fast ein jeder hat etwas zu machen, für mich ist es an der Zeit wieder einmal mein Tagebuch auf Vordermann zu bringen, so abends im Zelt mit Taschenlampe oder am Feuer bei noch schlechterem Licht habe ich nun auch nicht das allermeiste geschrieben, von leserlich schreiben ganz zu Schweigen. Jimmy meint noch dass wir das Lager nicht verlassen sollen auch wenn die Steppe leer aussieht, "hinter jeden Busch oder Strauch kann ein Tier liegen, wir sind hier nicht im Zoo". Wie Recht er hat erleben wir einige Tage später in der Central-Kalahari !!

Sich jetzt einfach so ins Zelt zu legen dafür ist die Zeit eigentlich zu schade, also ziehe ich mir meinen Rucksack heraus der, entsprechend ausgepolstert, eine hervorragende Sitzgelegenheit bietet. Die meisten sind erst einmal in die Zelte verschwunden und so bietet das Lager fast ein Bild der Verlassenheit aber eben nur fast, denn vom Küchenfeuer höre ich Christoph und Filemon die noch beim Spülen sind. Aber auch diese Geräusche verstummen irgendwann und langsam, ganz langsam werden ich wieder sensibilisiert für die vielfältigen Stimmen und Geräusche der Steppe. Und das Erstaunliche ist das, wenn mein Blick über die weite Ebene geht, es sind nur noch wenige Tiere auszumachen. Mit dem Fernglas kann ich einige Kudus sowie eine Herde Schwarzfersenantilopen ausmachen und im nahegelegenen Mopane-Dickicht sind noch ein paar Affen unterwegs. Aber wie hatte Jimmy noch beim Frühstück gesagt "Hinter jedem Busch kann eine Tier liegen......", vielleicht sogar ein Löwe, sage ich zu mir. Hinter unseren Zelten beginnt eine weite, von Schilf und Papyrus bewachsene, Wasser und Sumpflandschaft. Wenn ich jetzt genau hinhöre kann ich den wenigen Wind im Schilf und Papyrus rauschen hören. Vor der Kulisse der Papyrusstauden gleitet ein Schwarm Scherenschnäbel auf leichten Schwingen vorbei. Die Scherenschnäbel jagen auch bei Mondschein ihre Beute indem sie im Flug den offenen unteren Schnabel durchs Wasser ziehen. Je weiter die Zeit jetzt gegen Mittag schreitet, desto ruhiger wird es draußen in der Steppe und um die Mittagszeit haben sich auch die letzten Tiere und Menschen vor der Sonne verkrochen.

Irgendwelche Geräusche im Lager wecken mich auf, da bin ich doch wirklich nach dem Mittagessen im Zelt eingeschlafen.......! Aber der Schlaf hat mich doch erfrischt und als ich die Zeltklappe zurückschlage sehe ich, daß ich anscheindend nicht der einzige war. Gerard kommt gerade an meinem Zelt vorbei und er sieht auch nicht gerade so aus als ob er die ganze Zeit wach gewesen wäre. Aber was solls, auf dem Feuer steht sicher eine große Kanne Kaffee und Tee um die Lebensgeister wieder zu wecken. Also irgendwie ist das Campfeuer der Mittelpunkt des Lagers, hier trifft man sich immer. Auch jetzt stehen schon Ingrid und Helmut sowie Herbert und Gerard am Feuer. Mit einem "Sind alle da, dann geht es los" kommt Jimmy um die hintere Ecke des Unimogs. "Nun mal langsam, wir sind hier im Urlaub und nicht am Fließband" müssen wir seinen Tatendrang leicht bremsen, denn schließlich wollen alle erst einmal richtig wach werden. Aber Jimmy ist am Drängeln, und schließlich und endlich hat er auch recht, wir sind hier nicht zum Ausschlafen !! "Halt Stop" ein Ausruf von den hinteren Sitzen läßt Jimmy in die Bremsen steigen, es ist Gerard der gerufen hat. Etwas besonderes gesehen kann er an für sich noch nicht haben, denn wir sind noch innerhalb des Camps. Aber klar, das ist natürlich ein wichtiger Grund anzuhalten, sein Hut, Gerard hat seinen Hut vergessen und ohne den geht er nicht aus! Die Besonderheit dieser Kopfbedeckung habe ich in Teil I meines Reiseberichtes schon geschildert und jeder wird deshalb verstehen dass Gerard "oben ohne" nicht ausgeht!

Joseph, unser Guide, sitzt auf einer Quertraverse im geöffneten Dach des Unimogs. Ich kann deutlich erkennen wie aufmerksam er die Landschaft mustert. Jimmy lenkt das Auto langsam und vorsichtig über einen Pfad, der sich entlang von einem der vielen Kanäle und Wasserläufe, durch einen weitläufigen Akazienwald schlängelt. Das Ufer das Wasserlaufs säumen hohe Fächerpalmen und im Wald zwischen den Akazien wächst stellenweise dichtes Mopane-Dickicht. Irgendetwas ist offensichtlich im Busch, und das sind sicherlich nicht die Wasserböcke die ich auf der gegenüberliegenden Seite des Wasserlaufes sehe. Ich bemerke wie Joseph Zeichen gibt anzuhalten und den Motor auszumachen. Er neigt seinen Kopf angestrengt nach vorne um mit den Augen und vielleicht auch mit Nase und Ohren etwas wahrzunehmen. Jeder von uns verhält sich ruhig und versucht mit seinen Blicken den Akazienwald und das Unterholz zu durchdringen. Es ist kein Laut zu hören.

Gerade jetzt hat Joseph etwas gesehen er zeigt mit seinem Arm weit nach rechts, ja aber wo soll denn da etwas sein, in diese Richtung habe ich doch auch schon die ganze Zeit gesehen, denke ich so bei mir. Aber erst jetzt fällt mir eine weiße Staubfahne auf, die noch weit entfernt zwischen den Bäumen hängt. "Buffalo" sagt Joseph leise, "und sie kommen anscheinend geradewegs auf uns zu". Es dauert noch eine kurze Zeit, während der die Staubwolke unaufhaltsam langsam näherkommt, jetzt kann auch ich eine dunkle wogende Masse erkennen, die anscheinend aus einigen hundert Tieren besteht. Es herrscht immer noch eine unwirkliche Stille und mir erscheint es kaum vorstellbar das diese große Herde sozusagen lautlos durch den Wald zieht, absolut beeindruckend. Vor uns im Gelände liegt eine Senke, die dann zum Wasser hinunterführt. Durch diese Senke zieht die Herde und während die ersten schon vorne am Wasser sind ist hinten immer noch kein Ende abzusehen. Alles geht unheimliche lautlos und geordnet zu, kein Tier drängelt und will als erstes zum Wasser. Jeder kommt sozusagen der Reihe nach dran, als wüßten die Büffel genau das für jeden genug Wasser da ist. Hier fällt mir das Beispiel von mehreren Menschen an einer Bushaltestelle ein, jeder weiß zwar das genug Platz da ist und auch jeder mitgenommen wird und trotzdem will jeder der erste im Bus sein. Anscheinend sind die Tiere doch schon einen Schritt weiter als wir!

Jetzt kann ich auch endlich das Ende des Büffelzuges erkennen, aber aus dem seitlich liegenden dichten Unterholz quellen auch immer wieder neue Gruppen hervor. Mich beschleicht eine Ahnung was passiert wenn so eine Herde in Panik gerät und einfach wild drauflos rennt. Alles was sich ihr dann in den Weg stellt wird einfach niedergewalzt. Leise erklärt uns Jimmy dass so eine Herde von mehreren alten erfahrenen Bullen geleitet wird, die auch jetzt die Herde nach außen hin abschirmen. Immer noch kommt von hinten Nachschub und die Tiere breiten sich jetzt langsam am Ufer der Wasserlaufes aus, zu unserem Glück aber nach der anderen Seite hin denn sonst hätten wir wahrscheinlich doch noch einiges zurückfahren müssen. Jimmy und Joseph beraten sich anscheinend gerade und kommen zu dem Ergebnis vorsichtig noch etwas vorzufahren. Die Herde hat sich fast bis an unseren Pfad vorgeschoben und der Abstand liegt gerade noch im sicheren Bereich, Loseph meint das es noch ginge daran vorbeizufahren. Langsam und ganz vorsichtig steuert Jimmy das Auto näher, der Pfad knickt jetzt rechts vom Wasserlauf ab und das ist der Punkt wo wir der Herde am nächsten sind, nur noch einen kurzen Steinwurf entfernt. Und hier steht auch so ein altes erfahrenes Tier, schwarz, schwernackig und mit schimmernden Hörnern, um die Herde abzuschirmen. Mißtrauisch äugt es zu uns herüber, sieht aber noch keinen Grund irgend etwas zu unternehmen. Joseph behält es scharf im Auge um bei der geringsten Beunruhigung sofort reagieren zu können. Jetzt so aus der Nähe kann ich die ungeheuere Kraft so eines Büffel direkt fühlen und ein etwas merkwürdiges Gefühl der menschlichen Winzigkeit beschleicht mich nun doch.

Langsam rumpelt unser Auto an der Herde entlang, die sich links von uns ausgebreitet hat. Aber nachdem wir diese ersten kritischen Momente überstanden haben nehmen die Tiere anscheinend kaum noch Notiz von uns. Aber ich denke wir können sicher sein das wir ständig im Auge behalten werden. In diesem unübersichtlichen Gelände ist es uns unmöglich zu schätzen wie groß die Herde ist. "He Joseph, wie groß wird die Herde sein" fragt gerade Fredi, eine ähnlich Frage liegt mir auch gerade auf der Zung, "Na, so etwa 1000 Tiere schätze ich" meint unser Guide, und er sollte es noch am besten abschätzen können. Und immer noch kommen aus den Mopane Sträuchern neue Büffel, es scheint kein Ende zu nehmen und das ganze immer noch fast lautlos! In der Luft hängt ein ständiger Staubschleier der so allmählich alles mit einer feinen weißen Schicht überzieht.

Langsam lassen jetzt die Herde und den Akazienwald hinter uns und und kommen über eine kurzgrasige Steppe. Hier geht mein Blick bis zu einem noch ziemlich weit entfernten Waldstreifen. Die Landschaft wird von Termitenhügeln, einzelnen Sträuchern und Bäumen immer wieder unterbrochen. "Ein Gebiet in dem sich Löwen sicher wohlfühlen, aber heute haben wir damit wohl kein Glück" meint Jimmy, den fragenden Blick von Alfred wohl richtig deutend ergänzt er noch "denn sonst würde wohl die Zebraherde da vorne rechts wohl nicht so ruhig sein".

Im Moment trifft auf die Piste wohl der Spruch zu "Loch an Loch und hält doch", jeder ist im Moment damit beschäftigt sich im Auto festzuhalten denn die Strecke ist nun wirklich erbärmlich. Ein leiser Ausruf von Joseph läßt Jimmy in die Bremse steigen. Was hat er gesagt, klang das nicht nach Leopard, doch wo soll der sein? Wir halten fast den Atem an denn offensichtlich hat Joseph ihn auch noch nicht entdeckt, aber seine Beute, und wo die ist muß auch der Leopard sein. Tatsächlich, so etwas habe ich auch noch nicht gesehen, da hängt doch wirklich die Beute des Leopards, eine tote Antilope, am Ast eines Baumes etwa 3 mtr. über der Erde. Aber wo ist er, durchaus möglich das er irgendwo über uns auf einem Ast liegt, und jetzt zeigt sich wieder wie gut die Tiere sich tarnen können. Da, Joseph hat ihn entdeckt, nicht weit von dem Baum, nur ca 8 mtr. von unserem Auto entfernt liegt er auf der Erde. Jetzt, wo er sich entdeckt sieht steht er ganz langsam auf, ohne jede Hektik, und geht Richtung des dichten Unterholzes. Aber immer wieder bleibt er stehen und sieht sich nach uns um, offentsichtlich traut er uns nicht ganz oder vielleicht kann er sich auch nur schwer, wenn auch nur vorübergehend, von seiner Beute trennen. Während er so geht sehe ich deutlich die Muskelpakete unter seinem Fell, die seinen Pranken die Kraft und seinem Körper die Geschmeidigkeit verleihen. So einen Leopard bei Tageslicht in freier Natur habe ich noch nicht gesehen, allerdings bei einer Nachtsafari vor 2 Jahre von der Tsaro Lodge aus haben wir auch unvermittelt vor einem Leopard gestanden, aber da war es Nacht gewesen und im ungewissen Licht der Scheinwerfer war damals doch nicht jede Einzelheit so gut zu erkennen gewesen.

Joseph zeigt auf die Sonne, die sich nun doch schon ziemlich weit dem Horizont zuneigt. Ich habe es nun schon so oft erlebt aber es ist immer das gleiche, bei diesen Erlebnissen in der Natur vergißt man einfach Zeit und Raum und heute hatten wir eine absolut erfolgreiche Pirschfahrt aber ich weiß das es auch Tage gibt wo sich anscheinend alles verkrochen hat. Aber ob nun so oder so, ich kann durchaus verstehen wenn man von der sehr schnell eintretenden afrikanischen Nacht überrachst wird, und auf jeden Fall ist es immer gut jemanden dabei zu haben der auch hin und wieder einen Blick auf die Uhr wirft.

Alles ist wie bei der Abfahrt heute nachmittag, die Stämme der Third Bridge rumpeln wieder unter dem Auto und wie zur allgemeinen Beruhigung steigt vom Feuer auch schon wieder der Rauch auf, wir sind wieder zu Hause. Ja sie lesen richtig, wieder zu Hause, denn so ein Lager wird nach einigen Tagen zum Zuhause, hier spielt sich das Leben auf einem relativ kleinen Raum ab, obwohl die Weite der Steppe eine Unendlichkeit suggeriert. Aber diese Unendlichkeit ist trügerisch, denn außerhalb der Lagergrenzen gelten andere Gesetzte, dort herrscht immer noch das Gesetz der Natur, auch wenn wir manchmal glauben es außer Kraft setzen zu können. Und Nachts gilt selbst im Lager das Gesetz der Natur, denn ohne Taschenlampe und nach einem gründlichen Ableuchten der Umgebung sollte man sein Zelt nicht verlassen. Gerade kommt Gerard, mit dem Handtuch als Turban auf dem Kopf, vom Duschen zurück. "Weißt du schon, daß wir heute nachmittag noch Besuch hatten" fragt er mich, "Nein, ich habe nichts gehört", "doch, die Affen wollten uns einen Besuch machen aber Christoph und Philemon haben sie erfolgreich vertrieben, mit den Knallpatronen".

Es ist noch etwas Zeit bis zum Abendessen, und ich bin gerade die wenigen Meter bis zur Brücke unterwegs, vor mir sind Herbert und Alfred, die anscheinend den gleichen Gedanken hatten. Jetzt kann ich mir einmal in Ruhe die Konstrunktion der Brücke ansehen, die Jimmy in Teil I meines Reiseberichtes schon erklärt hat, so habe ich es mir auf jeden Fall gedacht. Aber soweit soll es nicht kommen, denn vor mir am Brückenanfang sind Herbert und Alfred stehengeblieben, sie winken mir zu, was haben sie dann gesehen? Jetzt, bei den beiden angekommen bleibe ich auch stehen und sehe nun auf den ersten Blick das wir anscheinend Gegenverkehr haben. Ja, auch das gibt es hier im Busch "Gegenverkehr", und der besteht aus unserer nächsten Nachbarschaft und Verwandschaft. Das Rätsel ist schnell gelöst, unsere nächste Nachbarschaft hier im Camp sind die Affen, die in unmittelbarer Nähe Ihren Schlafbaum haben, dies alles habe ich auch schon in Teil I meines Reiseberichtes erklärt, nun ja, und jetzt sind diese Affen auf dem Rückweg über die Brücke zu eben diesem Schlafbaum unterwegs. Nachdem der Anführer des Trupps uns gesichtet hat bleibt die Gruppe erst einmal stehen bzw. verzieht sich in das seitlich des Pfades wachsende Gebüsch. Sie schicken 2 Späher voraus um die Lage zu erkunden. Aber auch diese Späher trauen sich nur bis knapp zu Brückenmitte und kehren dann wieder um.

Wir drei gehen nun etwa 10 mtr. zurück, und die Affenherde rückt 10 mtr., gehen wir nun wieder vor, zieht sich die Herde wieder zurück. Aber die Brücke ist ihnen im Moment nicht ganz geheuer, denn während wir nun wieder Richtung Lager zurückgehen muß ich mich doch noch einmal umdrehen. Obwohl wir nun schon gut 50 mtr. entfernt sind erkenne ich das wiederum 2 Späher vorausgeschickt werden, die aber jetzt die Brücke komplett überqueren, sich drüben regelrecht umsehen und einer dann wieder über die Brücke zurück zur Herde geht. Erst jetzt kommt die Herde geschlossen und ziemlich zügig die Brücke. Die Affen haben hier ein Verhalten an den Tag gelegt, das typisch menschlich ist, oder soll ich sagen wir Menschen legen manchmal ein Verhalten an den Tag das typisch tierisch ist ?

Abendstimmung im Lager, die Sonne hat sich nun endgültig für heute verabschiedet und durchs Camp zieht ein leichter Rauch vom Küchenfeuer und Düfte vom Abendessen. Ich habe mir einen Feldstuhl organisiert und mich vors Zelt gesetzt. Gerard, Fredi und Helmut sind in der nächsten Umgebung beim Holz sammeln damit wir heute Abend beim Lagerfeuer noch etwas zum Zulegen haben.

Der Tag war heute so ereignisreich das ich nun unbedingt mein Tagebuch auf Vordermann bringen muß, weil morgen, übermorgen usw. sind wahrscheinlich wieder ganz neue Eindrücke zu verarbeiten und es wäre schade die heutigen Erlebnisse dann erst einmal zu vergessen, irgendwann tauchen sie dann zwar wieder aus der Tiefe der Erinnerung auf, nur dann halt schon mit zeitlichem Abstand und deshalb ist es besser sie aus dem Augenblick heraus zu Papier zu bringen. Und außerdem hätte ich dann auch nicht so einen interessanten Zuschauer, am Ufer des Sumpfgebietes hinter den Zelten sitzt auf einem iLala-Palmwedel ein Kapkauz. Obwohl er an für sich zu einer nachtaktiven Familie gehört begibt er sich auch tagsüber in der Ufervegetation auf Nahrungssuche.

Fredi, Helmut und Gerard kommen jetzt gerade erfolgreich vom Holzsammeln zurück, über die Schilf- und Ppyrusstauden gleiten einige Gelbschnabeltokos, deren tiefes Krächzen so typisch ist und ......., ja und vom Küchenfeuer höre ich den leisen, vertrauten Ruf " Essen fassen ", diesen Ruf werden wir die nächste Zeit noch oft hören, denn in ein paar Tagen geht die Fahrt weiter in ein weiteres, aber ganz anderes Paradies, die Central Kalahari !

 

Auch hier findet man noch die fast unberührte Wildnis, ein Königreich voller Geheimnis und voller Zauber, das in manchen Menschen die uralten Instinkte weckt !!

 

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Roland Müller