Abenteuer Botswana

 

rolandmueller@t-online.de

Reisebericht aus einem Erdteil, in dem angeblich die Wiege der Menschheit stand

 

Morgens, wenn es für den Tag noch zu früh und für die Nacht schon zu spät ist ja, ja dann ist die richtige Zeit seinen Gedanken nachzuhängen. Durch das Moskitonetz in der Zeltspitze sehe ich noch den, allerdings verblassenden, Schein der Sterne. Ich denke an gestern, an die Fahrt hier ins Camp und den ersten Abend ..................................

 


 

.......................es ist schon später Nachmittag, langsam mahlen sich die Räder unseres Unimog durch die Fahrspur, die links und rechts von einer lichten Baum- und Buschlandschaft begleitet wird. Insgesamt ist unsere heutige Tagesetappe von Maun aus in den Moremi Nat.Park nicht außergewöhnlich weit aber, sobald wir die Teerpiste hinter Shorobe verlassen haben wird die Geschwindigkeit doch rapide herabgesetzt und seit wir durchs South Gate in den Moremi eingefahren sind lassen Piste und unsere Neugier kein großes Tempo zu. Na ja wie oben schon gesagt, es geht langsam vorwärts. Jimmy unser Fahrer und Guide hatte uns vor der Abfahrt in Maun schon gesagt daß wir uns von den relativ wenigen Kilometern nicht täuschen lassen sollten und ich hatte es auch schon geahnt denn ein Teil der Strecke war ich vor einigen Jahren schon einmal gefahren, zwar zum Ende der Regenzeit, mit entsprechenden Wasserdurchfahrten, aber trotzdem.

Mein Blick durch das rückwärtige Fenster ist nicht besonders ergiebig denn ich sehe nur Holz, ja sie lesen richtig "Holz", den wir ziehen auch noch einen einachsigen geschlossenen Anhänger. Darin sind unsere Gepäckstücke und, nicht zu vergessen, die Getränke verstaut. Aber sie werden fragen, da war doch von Holz die Rede, richtig, denn tagsüber müssen wir natürlich das Holz zusammensuchen, mit dem dann Abends das Küchenfeuer und das Lagerfeuer unterhalten wird. Ja, und dieses Holz liegt, gut verzurrt, oben auf dem Angänger.

Hinter uns in der Spur kann ich gerade noch Christoph und Philemon mit dem 4x4 Ford, auf dem die Zelte und die Küchenutensilien verstaut sind, erkennen. Sie bilden auf unserer gesamten Tour die Nachhut, das aber nur während der Fahrt. In den Camps sind sie fast die wichtigsten Leute, denn sie sind für die gesamte Verpflegung zuständig. Und dann hätte ich fast einen vergessen, da gibt es nämlich noch Joseph, der in Maun zugestiegen ist und als Guide für den Moremi und die Central-Kalahari dabei ist.

"Nun ist es nicht mehr allzu weit bis ins Camp" sagt gerade Jimmy, da liegen doch tatsächlich links neben der Piste unter Sträuchern einige Löwen und dann kommt um die Strauchecke auch noch ein kleiner Löwe. Wer nun mehr erstaunt ist kann ich nicht sagen, denn die Löwen sehen ziemlich zufrieden aus, so wie unsereiner, der nach gemachter Arbeit nach Hause kommt. Welche Arbeit die Löwen allerdings vollbracht haben ist uns allen aber im Moment noch nicht ganz klar !! Sie sehen uns zwar und scheuchen die Jungen auch direkt ins Gebüsch, sodaß wir sie im Moment nicht mehr sehen können. Dadurch wird unsere Aufmerksamkeit jedoch auf dieses Gesträuch gelenkt, und mit dem Fernglas sehe ich jetzt daß in diesem Busch schon einige Junge liegen. Also sozusagen ein Nest mit Jungen, aber wie schon bei uns Menschen, so ist wahrscheinlich auch bei den Löwen eher möglich einen Sack Flöhe zu hüten wie ein ganzes Nest mit Jungen. Wie dem auch sei, schon nach kurzer Zeit können sie ihre Neugier nicht mehr bezähmen und kommen nacheinander wieder aus dem Busch heraus.

Ich denke so bei mir, daß Löwen für manchen Reisenden den Höhepunkt so einer Tour bedeuten und wir haben sie gleich zu Anfang schon, ist das denn überhaupt noch steigerungsfähig? Und steigerungsfähig ist genau das Wort durch das viele Afrika Reisende enttäuscht wieder nach Hause fahren. Man kommt hierhin und will Tiere sehen, in erster Linie natürlich die "Big Five", und das natürlich möglichst mundgerecht. Aber hier ist kein Zoo und Tiere lassen sich auch nicht bestellen sondern sie sind einfach da, oder auch nicht! Und außerdem gibt es hier so unendlich viel mehr zu sehen. Die gesamte Landschaft mit ihren vielfältigen Gesichtern, die je nach Jahreszeit sich wandeln. In den Sommermonaten, wenn die Sonne den ganzen Tag heiß brennt, ist die ganze Landschaft braun verbrannt, und die Bäume und Sräucher recken ihre anscheinend verdorrten Äste gegen den Himmel. Nur der informierte Gast und der Einheimische weiß, daß da noch überall Leben schlummert, in den Bäumen wie auch in der verbrannten Erde. Sobald dann die ersten Regentropfen fallen wird, manchmal innerhalb von Stunden, dieses Leben neu erweckt und überall grünt es dann. Ja es ist wirklich so, wo die Erde heute noch braun verbrannt ist bedeckt morgen schon ein grüner Schleier die Savanne.

Jetzt ist es Anfang November und die Regenzeit hat noch nicht richtig eingesetzt, d.h. offensichlich sind schon einige Schauer niedergegangen denn die Sträucher sind schon grün ausgeschlagen und die Bäume haben auch schon Blätter. Auch das Gras ist am wachsen, jedoch noch nicht so hoch dass die Tiere darin komplett verschwinden. Außerdem bringt hochstehendes Gras auch Probleme für die Autos, den die Halme und Grassamen setzen sich dann gerne in die Kühlluftschlitzte bzw. den Kühler was dann evtl. sehr unangenehm werden kann.

"Seht mal alle nach hinten!" mit Ihrem Ruf bringt Marianne mich wieder in den Augenblick zurück, wir alle wenden unseren Blick nach hinten und dann sehen wir auch was die Löwen anscheinend so zufrieden aussehen läßt! Ein toter Leopard liegt keine 15 mtr. von uns entfernt. Joseph, unser Führer, meint daß der Leopard noch ein junges unerfahrenes Tier war, das wahrscheinlich durch Zufall auf dieses Löwenrudel mit seinen jungen gestoßen ist, wieder einmal wird uns das Gesetz der Savanne "Fressen und gefressen werden" vor Augen geführt. Obwohl, in diesem Fall stimmt es nicht so ganz denn, wie Joseph erklärt und wir auch sehen können ist der Leopard zwar getötet aber nicht gefressen worden.

Wie oben schon gesagt ist der Weg zwar nicht ungewöhnlich weit aber doch sehr zeitraubend und wenn dann noch solche Erlebnisse geboten werden muss man sich schon mit Gewalt losreißen. Irgendwann sagte dann Jimmy "Wenn wir heute noch das Camp erreichen, und die Zelte bei Tageslicht aufstellen wollen, sollten wir uns beeilen". Nun ja, diese Absicht haben wir schon denn es macht nun keinen besonderen Spaß die Zelte bein Dunkelheit bzw. im Licht der Taschenlampen aufzustellen. Also beugen wir uns den Sachzwängen und fahren langsam weiter. Jeder von uns ist jetzt natürlich besonders aufmerksam. Die Fahrt geht jetzt durch durch eine Busch- und Strauchsavanne, die hin und wieder von lichten Mopane-Baumbeständen unterbrochen wird, mir fällt ein Satz ein, den ich in einem Film über den Moremi gesagt habe "So,oder so ähnlich muß es im Paradies ausgesehen haben"!!

Und wieder geht es um eine unübersichtliche Strauchecke und dann sehen wir sie vor uns liegen, unser heutiges Tagesziel Third Bridge, und ganz in der Nähe muß dann ja auch der Campground liegen.

Nun ja, sehr vertrauenerweckend sieht die Brücke ja nicht aus, aber vor uns sind ja mit Sicherheit auch schon Fahrzeuge darübergefahren und uns wird sie ja dann auch noch aushalten, denke ich mal. Gaaa....nz langsam, begleitet vom Gepolter der Stämme und leichtem Schwanken der senkrechten Stützpfosten fahren wir hinüber und sozusagen fast direkt mitten ins Camp hinein. "Lasst euch nur nicht vom Schwanken der Brücke täuschen" sagt Jimmy "sie ruht auf aufgeschichteten stabilen Holzstämmen die am Grunde des Wasserlaufes sicher aufliegen. Und sollte wirkliche mal einer oder zwei der querliegenden Stämme der Brückenoberfläche durchbrechen, auch nicht weiter tragisch wozu haben wir Allrad und sollte das alles nicht helfen haben wir immer noch die Seilwinde und den Ford" so meint er !!

Das Camp liegt am äußersten Rand des Moremi Game Reserve auf Mboma Island das eigentlich eine Insel ist, nur durch mehrere Brücken mit des Festland verbunden. Allerdings, während der Trockenzeit bzw. wenn durch ungenügenden Niederschlag der Okavango nicht genug Wasser hat, fließt unter den Brücken 1 + 2 kein Wasser. Dies haben wir heute selbst gesehen, lediglich die 3.Brücke ist zur Zeit von einem Wasserlauf unterquert. Auf der anderen Seite von Mboma Island nur durch einen, je nach Jahreszeit, ca.10 km breiten Wasserstreifen getrennt liegt schon die gewaltige Sumpf- und Wasserlandschaft des Okavango-Deltas, mit ca. 15.000 qkm eines der größten natürlichen Feuchtgebiete unserer Erde.

Der Campground hat sieben Campsites d.h. sieben Plätze wo Zelte aufgestellt werden können. So auf den ersten Blick sind wir im Moment anscheinend die einzigen, aber das wird sich die nächsten Tage sicherlich noch ändern. Wie wir heute am ersten Abend noch feststellen werden hat Jimmy mit Campsite 2 einen guten Platz ausgesucht denn z.B. Camp 4 und 5 liegen sozusagen direkt unter Schlafbäumen einer Affenherde. Was das bedeutet können wir schon bald Live und in Farbe erleben. Aber was hat das Camp sonst noch zu bieten. Wir sind richtig gut dran denn es gibt einen auf Stelzen stehenden Wassertank der sein Wasser mit Hilfe eines Solarmotors in ein etwas 50 mtr. entferntes gemauertes Gebäude pumpt. In diesem Gebäude befinden sich die Toiletten und die Duschen !!!! Zu den Duschen wäre zu sagen, daß man möglichst immer bei den ersten sein sollte um noch Wasser zu bekommen.

Im Moment sind wir alle froh am Ziel zu sein, und mit vereinten Kräften werden erst einmal die Küchenutensilien vom Ford und dem Anhänger geladen. Filemon und Christoph haben hier das sagen und geben genaue Anweisungen was wohin kommnt damit später unnötiges Umräumen nicht notwendig ist. Inzwischen hat jeder schon einen Platz ausgeguckt wo er sein Zelt aufschlagen will. Mit vereinten Kräften laden wir jetzt noch das ganze Zeltmaterial vom Ford und jeder beginnt jetzt mit dem Zeltaufbau. Und dabei kommt es immer zur Nagelprobe den wer morgens ordentlich eingepackt hat hat mit dem Auspacken bzw. Aufstellen keine Probleme. Außerdem sollte man nur die Zeltstangen nehmen, die mit Schnüren miteinander verbunden sind. Wer schon einmal versucht hat so ein Zelt mit losen Zeltstangen aufzustellen weiß wovon ich rede. Mir geht inzwischen der Zeltaufbau auch schon wieder leicht von der Hand und es vergeht keine Viertelstunde und alles steht und ist eingeräumt, na ja ein etwas blauer Nagel ist schon noch als Andenken dabei. Aber das gehört mit dazu, und für den Ernstfall bleibt immer noch Markus übrig, der als ausgebildeter Sanitäter schon bei einem von uns seine Fähigkeiten beweisen konnte.

Herbert, Gerard und auch Helmut haben sich schon am Küchenfeuer eingefunden um in die Töpfe zu schauen. Ich gehe nun auch langsam hinüber um zu sehen was dort gezaubert wird. Einstimmig sind wir der Meinung das jetzt die beste Zeit ist um die erste Dose Bier des Tages zu trinken. Wir meinen nach soviel Anstrengung haben wir das redlich verdient. Während ich so da stehe fällt mir plötzlich siedend heiß ein "Wo habe ich den meine Taschenlampe, heute morgen habe ich sie doch in die Tasche gesteckt, denke ich mal. Aber dort war sie eben nicht". Eilig gehe ich zum Zelt zurück um zu suchen, denn was das bedeutet "keine Taschenlampe" kann eben nur der erahnen der so eine Tour schon einmal gemacht hat. Leise fluchend also noch einmal die Tasche auf und noch einmal gesucht, aber nichts. Verdammt, so ein großes Dinge kann doch nicht einfach verschwinden, und es war bisher immer in der Tasche, und soviel Möglichkeiten gibt es doch nun wirklich nicht. Also noch einmal den Rucksack durchsucht und da liegt sie dann, schwarz und ahnungslos dass ich wegen ihr eben doch etwas ins Schwitzen geraten bin. Denn die wirklich wichtigen Sachen an Technik sind für uns alle im Moment ein funktionierendes Auto und eine betriebsbereite Taschenlampe.

Um einige Pfunde leichter gehe ich wieder zu den anderen hinüber, die inzwischen vollzählig sind, jeder mit einem Getränk in der Hand. Die Sonne hat inzwischen fast den Horizont erreicht und wären wir jetzt in einer Filmszene müßte jeder ein Glas Sekt oder Gin Tonic in der Hand halten, wir haben aber "nur" einen Becher Kaffee oder eine Dose Bier in der Hand sind dafür aber auch Live und in Farbe dabei und sitzen außerdem auch noch in der ersten Reihe.

Mir wird jetzt noch einmal so richtig deutlich "ich bin wieder da", dort wo ich vor 4 Jahren fast schon einmal war. Damals in der Tsaro Lodge am Khwai River hatte ich mir vorgenommen einmal mit dem Zelt im Moremi unterwegs zu sein. Diesen einen Traum habe ich mir jetzt erfüllt, und der andere Traum mit dem Auto vom Moremi durch den Savuti in den Chobe Nat. Park zu zu fahren, ja diesen Traum werde ich mir auch noch erfüllen, denn

Träume gehen nicht verloren, sie werden nur manchmal vergessen !!

Inzwischen ist die Sonne fast ganz am Horizont verschwunden und die kurze Dämmerung hat schon eingesetzt, ich gehe zurück zum Zelt um, ja um was zu holen ? Natürlich die Taschenlampe, den dies gehört hier zum allabendlichen Ritual, ab Einbruch der Dämmerung bzw. zum Abendessen erscheint jeder mit der Taschenlampe in der Hand. Das Essen ist zwar noch nicht fertig, aber vom Küchenfeuer höre ich Topfgeklapper und ein paar vielversprechende Düfte ziehen doch schon durchs Camp. Helmut, Ingrid und Gerard haben sich schon am Tisch eingefunden und in halblautem Ton werden die Tagesereignisse noch einmal vorbeiziehen lassen. Die Dunkelheit hat sich nun ausgebreitet und Jimmy und Helmut zünden die, auf dem Tisch stehenden, Lampen an. In das Geäst des nahestehenden alten Baumes hat Jimmy eine Glühbirne aufgehängt, die an die Autobatterie des Unimog angeschlossen ist. Damit ist die Küche ausreichend erleuchtet denn den Rest besorgt das Küchenfeuer. Und von dort hören wir nun auch den leisen Ruf von Philemon, der sich zu jeder Mahlzeit wiederholt "Essen fassen". Nun dann will ich mal sehen was es heute Abend gutes gibt! Christoph und Philemon stehen hinter dem Tisch und jeder bekommt von ihnen einen ordentlichen Schlag aus jedem Topf, und wem das nicht reicht kann gerne nocheinmal wiederkommen, also auch hier gibt es keinen Grund zu meckern.

Während ich so vor mich hinkaue schnappe ein paar Gesprächsfetzen vom anderen Ende des Tisches auf, an dem Jimmy und Gerard sitzen. Gerade höre ich Jimmy sagen "die Löwen, die können durchaus heute abend hier vorbeikommen denn bevor die durchs Wasser gehen benutzten die lieber auch die Brücke ".Das sind ja tolle Aussichten, aber etwas merkwürdig ist mir schon zumute. Ein leises Grummeln, fast wie ein Donnern ist zu hören das ich im Moment noch gar nicht richtig einorden kann. aber gerade eben bemerke ich wie Joseph, unser Führer, den Kopf hebt und aufmerksam lauscht, gleichzeitig hebt er die Hand was uns veranlasst die, in halblautem Ton geführten, Gespräche einzustellen. Aufmerksam lauscht er in Richtung Weg, dann steht er auf um zum Unimog zu gehen, wahrscheinlich weil er von dort oben einfach einen besseren Überblick hat. Jimmy folgt ihm, die Stille die jetzt herrscht ist wirklich mit den Händen zu greifen. Aber allzu lange halten wir es jetzt auch nicht mehr aus und leise gehen wir alle vorsichtig ebenfalls zum Fahrzeug um von dort, auf dem Dach sitzend der Dinge zu harren. Miutenlang geschieht nun gar nichts, zumindest habe ich das Gefühl. Aber ich kann sicher sein das Joseph mit seinem geschulten Blick und Gehör wesentlich mehr bemerkt. Als ich mich jetzt umsehe bemerke ich das Philemon gerade die Glühbirne im Baum bei der Küche, und die zwei Tischlampen ausgemacht hat.

Die Hand von Joseph zeigt vorwärts, da sind sie !! Wir wenden alle den Blick in die angegebene Richtung aber ich denke mal so wie mir geht es uns allen, auf den ersten Blick sieht keiner etwas. Dafür ist unser Auge so schnell noch nicht eingestellt und vor allen Dingen sehen wir alle zu weit in den Hintergrund, sie sind näher als wir denken! "Wo sind sie?" fragt irgend jemand. Jimmy gibt Hilfestellung "Rechts am Duschgebäude vorbei die niedrigen Büsche, ihr wißt doch, dahinter verläuft der Pfad"! Ja, jetzt sehe ich sie auch d.h. vor allen Dingen sehe ich die Augen und ich bemerke außerdem das die Entfernung nur vielleicht 25 mtr. beträgt. Nachdem ich mich einmal auf ein Ziel eingesehen habe bemerke ich auch die grauen schemenhaften Gestalten. Das ist ja eine ganze Herde die dort vorbeizieht, ein Tier bleibt zwischen zwei Büschen stehen und äugt aufmerksam zu uns herüber. Herbert, Helmut und ich richten unsere starken Taschenlampen in Richtung der Löwen und wer sie bis jetzt noch nicht gesehen hat kann sie jetzt im Lichtkegel der Lampen ziemlich deutlich erkennen. Ein Löwe bleibt stehen bis alle vorbeigezogen sind. Das ganze geschieht fast vollkommen geräuschlos aber Joseph meint daß wir noch eine kurze Zeit auf dem Auto bleiben sollten. Er lauscht aufmerksam weiter in die dunkle Nacht bis er meint nun seien sie über die Brücke, wir haben nichts weiter gehört, aber wahrscheinlich hat ihm das leise Geräusch der Holzstämme das verraten.

So allmählich haben wir uns wieder am allabendlichen Lagerfeuer getroffen. Das tagsüber gesammelte Bruchholz erfüllt jetzt seinen Zweck, und die Flammen werfen Licht und Schatten auf unsere Gesichtern. Natürlich, jetzt ist an Gespächsstoff kein Mangel, das eben gesehene, und vor allen Dingen das hautnah Erlebte hat seine Wirkung nicht verfehlt. Jetz muß ich schon zum wiederholten Mal mir einen anderen Platz am Feuer suchen, irgendwie hat es der Rauch heute abend auf mich abgesehen. Mit schöner Regelmäßigkeit zieht er vor allen Dingen zielstrebig in die Richtung wo ich gerade am Feuer sitze."Morgen früh 6 Uhr Abfahrt, was haltet Ihr davon" Jimmy will uns also mal wieder vor Kaffee auf die Pirsch locken, aber meckern gilt nicht, dafür sind wir ja hier. Außerdem kommen wir so früher zum Frühstück und zu einer besonderen Spezialität von Philemon. Herbert schiebt noch einmal mit dem Fuß einen Ast etwas weiter ins Feuer. Inzwischen haben sich die meisten von uns schon in ihre Zelte verzogen, von außen sehe ich die Lichtblitzer der Taschenlampen im Zelt über die Fenster huschen ..................................


.................... ja, so war es gestern Abend gewesen, irgendwann in der Nacht bin ich noch einmal wach geworden, weil im Lager ofensichtlich ein Topf umgefallen ist aber, das ist nun mal so hier in Afrika, daß nachts Schakale und evtl. Hyänen durchs Lager pirschen und vielleicht ist auch hin und wieder ein etwas größeres Tier dabei. Inzwischen sind die Sterne vollkommen verschwunden und ein Blick durchs Moskitonetz in der Zeltspitze sagt mir daß es schon langsam dämmrig zu werden beginnt. Ich weiß, etwas Anlaufzeit benötige ich morgens immer und deshalb wäre es gut etwas früher aufzustehen. Noch habe ich von keinem Zelt das typische "Ratsch, Ratsch" gehört wenn der Reißverschluß der anderen Zelte aufgezogen wird. Ich werde also heute morgen der erste sein.

Noch ist die Luft etwas kühl, aber dies wird sich schnell ändern. Der Sonnenmotor der Wasserpumpe hat gestern wieder kräftig gelaufen und so ist der Wassertank randvoll, außerdem habe ich heute morgen reichlich Zeit und deshalb denke ich mir, so eine ausgiebige kühle Dusche weckt mit Sicherheit die noch nicht ganz vorhandenen Lebensgeister. Das hat ja genau gepaßt, gerade komme vom Duschen da haben Christoph und Philemon das Küchenfeuer schon in Gang gesetzt und als Krönung steht die Kaffeekanne und die Teekanne auch schon auf dem Rost. Jimmy ist gerade dabei sich im Außenspiegel des Unimog zu rasieren und Alfred streckt seinen Kopf aus dem Zelt. Ich gieße mir jetzt erst einmal einen Kaffee ein bevor ich zum Zelt zurückgehe. Wo liegt das Fernglas und der Fotoapparat ? Ach ja, die hatte ich ja schon gestern Abend wieder in den Rucksack gesteckt. Genügend Filme sind auch da, nun dann ist ja alles wichtige schon gepackt und ich kann jetzt gemütlich frühstücken. Ich weiß nicht wie das Frühstück anderswo ist hier kann man auf jeden Fall schon beim Frühstück kreativ sein. Jetzt werden Sie fragen "wieso kreativ". Ganz einfach, neben dem üblichem gibt es hier Mielipapp und daran kann man sich dann austoben, d.h. Miellipapp ohne alles, mit Zucker, mit Orangenmarmelade, mit Erdbeermarmelade, vielleicht auch noch mit Erdnußbutter usw. dem eigenen Geschmack sind keine Grenzen gesetzt.

6 Uhr los gehts, ein Tag voller Überraschungen wartet auf uns. Vorher hat Jimmy an Philemon und Christop, die im Lager bleiben um es gegen aufdringliche Affen zu verteidigen, Knallpatronen übergeben. "Wenn niemand hierbleibt könnte es sonst sein daß heute Nachmittag, wenn wir zurückkommen, das halbe Lager ausgeräumt ist" sagt Jimmy.

Langsam rumpelt unser Unimog wieder über Third Brigde, im Moment ist es noch etwas kühl und es ist doch gut dass ich mir eine leichte Jacke mitgenommen habe, die ich später einfach ausziehen kann. Vor uns laufen einige Impala Antilopen quer über die Piste. Auch hier im Moremi ist die Landschaft schon von unzähligen Wasserläufen oder kleinen Lagunen durchzogen. Gerade fahren wir vorsichtig durch eine lichte Baumlandschaft und jetzt liegt gerade der Airstrip für die Camps Moremi und Okuti vor uns. Die Hütte am Rande des Airstrip ist mit 2 Rangern besetzt die von Jimmy direkt befragt werden. Die Ranger wissen in der Regel am besten welche Tiere sich gerade wo aufhalten. "Ja, die Lage ist so, daß sich hier irgendwo in der Nähe eine größere Herde Büffel aufhält, wahrscheinlich mehrere hundert Tiere" verkündet Jimmy, als er ins Auto zurückkommt. Dann wollen wir also die Augen einmal aufhalten, daß wir nicht unter die Hufe kommen !!!

Inzwischen habe ich meine Jacke ausgezogen, denn wir sind nun doch schon einige Zeit unterwegs und die Sonne scheint ziemlich heiß vom Himmel. Gerard und Herbert haben nun auch endlich Ihre Hüte aufgesetzt, wobei speziell der Hut von Gerard etwas aus dem Rahmen fällt. Es handelt sich hierbei um einen dunkelbraunen fast schwarzen Strohhut, der an der Krempe rundum doch schon ziemlich ausgefranst ist, d.h. rundum hängen die Fransen bis zu einige Zentimeter an der Hutkrempe nach unten. Im stillen nehme ich mir vor bei nächster Gelegenheit Gerard zu fragen ob dies nun gewollt oder sich einfach nur im Laufe der Zeit so entwickelt hat, im letzteren Falle werde ich Ihm gerne meine Schere zur Verfügung stellen. Allerdings wenn ich mir das so recht überlege, diese herunterhängenden Fransen sind noch nicht einmal so schlecht weil, bei jeder Kopfbewegung schwingen sie natürlich mit und schlagen so sämtliche Insekten in die Flucht !!!

Wo will er denn jetzt hin !! Jimmy hat die Buschpiste verlassen und fährt etwas seitwärts über einen kaum sichtbaren Pfad. Ja und jetzt liegt da so eine Art Kral vor uns, drei niedrige Laub- bzw.Asthütten die von einem dichten Dornengestrüpp umgeben sind. "Hier hat im Moment ein profesioneller Tierfilmer sein Lager aufgeschlagen, vielleicht weiß der etwas genaueres" sagt Jimmy. Aber heute haben wir hier kein Glück, der Chef selbst ist nicht da, und sein Gehilfe, der nicht einer der redseligsten ist, ja der Gehilfe weiß auch nichts. "Nun ja, wir können nicht immer Glück haben" sagt Freddy und das stimmt ja auch, außerdem, hier ist ja sowieso der Weg ist das Ziel und wer weiß was uns auf diesem Weg alles noch begegnet !

Vorsichtig fahren wir auf dem gewundenen Buschpfad zwischen den weit auseinanderstehenden Mopane Bäumen entlang. Das Dach des Unimog ist natürlich längst offen und wir alle stehen stehen im offenen Dach bzw. sitzen auf den Querspanten der Dachverstrebung. Von hier oben haben wir einen noch besseren Ausblick auf die Umgebung. Mit der Hand gibt Joseph, unser einheimischer Führer, Jimmy ein Zeichen anzuhalten, irgend etwas hat er gesehen aber was ? Seine Hand deutet leicht nach links in Richtung eines Sausage Tree, "Wild Dog" flüstert er. Ich hätte nichts bemerkt, ja wir alle hätten wahrscheinlich nichts gesehen und in solchen Fällen merken wir immer wieder wie wichtig ein erfahrener Führer ist. Langsam fährt Jimmy näher bis der Sausage Tree direkt links von uns in einem Abstand von vielleicht 30 mtr. liegt. Ja, es ist ein ganzes Rudel das dort lagert. Einige Tiere haben inzwischen etwas bemerkt und lassen uns nicht mehr aus den Augen.

Aber Joseph ist immer noch nicht zufrieden, irgendwie merken wir ihm an dass er noch etwas sucht. Genau das ist es, die Herde ist ihm einfach zu klein. Leise im Flüsterton erklärt er uns "Wild Dogs leben und jagen immer in größeren Rudeln. sie sind zwar verhältnismäßig klein, können aber ein Zebra oder ein Wildebeest ohne weiteres erlegen. Sie jagen sehr schlau indem sie ihr Opfer einfach bis zur Erschöpfung jagen. Jeder einzelne Wild Dog jagt das Opfer eine gewissen Strecke und wird dann von einem anderen Dog abgelöst. So wechseln sie sich ständig ab während das Opfer bis zum endgültigen Aus gejagt wird. Die Herde, die dort liegt ist aber für eine solche Art der Jagd noch zu klein, irgendwo müssen hier also noch mehr sein. Das Gelände ist hier an dieser Stelle etwas unübersichlich, links von uns stehen mehrere Sausage Tree die im weiteren Verlauf nach hinten von Mopane Bäumen abgelöst werden. Auf unserer rechten Seite wächst halbhohes Gras sowie unübersichliches Strauch und Buschwerk. Holla, da sind sie ja, wer sie nun als erstes gesehen hat kann ich im Moment nicht sagen. Aber wir haben sie gefunden !!

Im dichten Gras haben sie sich fast unbemerkt rechts vorbeigeschlichen um dann hinter unserem Rücken den Buschpfad zu überqueren um dann auf der anderen Seite zu ihrem Rudel zu stoßen. "So sehen sie ganz harmlos aus, aber sie sind sehr schlau und geschickt" meint Jimmy.

Im Moment wissen sie anscheinend nicht was zu machen ist, einer wird offensichtlich vorgeschickt um die Lage zu sondieren aber auch der traut sich nur bis an den Buschpfad, ihn zu überqueren da fehlt im Moment noch der Mut. So geht es nun schon eine ganze Zeitlang hin und her. Plötzlich höre ich von der anderen Seite, vom Sausage Tree, so eine Art Bellen oder ist es nur jaulen, im Moment schwer zu beurteilen. Auf jeden Fall hat dieser Ton eindeutig nun die Wirkung dass alle Wild Dogs nun die Buschpiste hinter uns überqueren um dann zu ihrer Herde stoßen, aber dies geschieht nun nicht in wilder Jagd, nein ganz gemächlich gehts über den Pfad. "Dies war der Sammelruf für die Herde" sagt Joseph. Jetzt beim genaueren Hinsehen erkennen wir das der Sausage Tree eine ziemlich zerklüftete Wurzel hat in der noch mehr Tiere jetzt auftauchen.

Von so etwas kann man sich nur sehr schwer losreißen aber es hilft nichts, auch unser Tagesablauf wird von der Sonne bestimmt und die hat sich nun doch schon bedenklich dem Horizont zugeneigt. "Schade" meint Ingrid und ich muß Ihr zustimmen, irgendwie hatten wir uns heute schon fest auf Büffel eingerichtet, aber wie schon so oft gesagt, hier ist kein Zoo, und außerdem ist morgen auch noch ein Tag, denke ich mal.

Während wir nun langsam Richtung Camp fahren mache ich für mich persönlich noch eine interessante Feststellung. Denn, obwohl ich erst ein paar Tage unterwegs bin ist man doch schon wesentlich ruhiger und ausgeglichener geworden als man Zuhause schon ist. Man wird großzügiger zu sich selbst und seiner Umgebung. Die Ruhe, die die Landschaft bzw. das gesamte Umfeld ausstrahlt wirkt positiv auf einen ein.

Aber schlagartig ist es plötzlich mit der Ruhe vorbei, wo sind wir überhaupt im Moment, ach ja kurz vor der Brücke nahe beim Camp. Links und rechts des Pfades lungert eine Affenherde herum die einen Höllenspektakel veranstaltet. "Das ist die Herde, die jeden Abend über die Brücke kommt, an unserem Camp vorbeizieht um die Schlafbäume bei den Camps 4 und 5 zu erreichen" werden wir von Joseph informiert. Während wir über die Brücke holpern, die sich wieder bedenklich nach links und rechts neigt kann ich zwischen den Bäumen und Sträuchern hindurch schon das Küchenfeuer brennen sehen. Außerdem haben wir Nachbarschaft bekommen, ein Toyota Pickup und ein Zelt haben Camp 1 mit Beschlag belegt. Dies veranlasst Doris zu der Bemerkung "Wenn wir jetzt heute Nacht wieder Besuch bekommen, werden wir diesen freundlichst zu Camp 1 weiterleiten". Nun ja, schön wärs ja, nur wie das dann so richtig funktionieren soll, das weiß noch keiner!

Wir sind nun doch alle ziemlich durchgeschwitzt und verstaubt, aber wozu gibt es Duschen, nein, ich meine jetzt nicht Duschen im Waschgebäude! Wir haben heute abend so eine Art Naturdusche denn der Sonnenmotor hat heute anscheinend wieder kräftig gelaufen und den Wassertank zum Überlaufen gebracht, d.h. er läuft z.Zt. immer noch und deshalb sprudelt ein kräftiger Wasserstrahl über die obere Tankkante in ca. 4 mtr. Höhe. Das hat jetzt sogar aus dieser Höhe eine massierende Wirkung speziell für evtl. verspannte Rücken. Und das schönste, das ganze ist kostenlos und man braucht noch nicht einmal einen Überweisungsschein. Nur muß man jetzt schnell sein denn wenn die Sonne weg ist und der Sonnenmotor steht, ja dann kommt auch kein Wasser mehr. Und noch etwas ist bei dieser Freiluftdusche zu beachten, in dem direkt nebenan stehenden hohen Schilf könnte sich auch ein Hippo aufhalten!

Ich habe mich kurz einmal im Zelt auf den Schlafsack gelegt um vor dem Abendessen ein paar Gedanken zu sammeln. So viel habe ich heute gesehen und so wenig Zeit war alles zu verarbeiten. Was wird der heutige Abend bzw. die Nacht noch an Überraschungen bringen? Und der morgige Tag, ja dann werden wir wieder unterwegs sein in den von Wasserläufen durchquerten Savannen, und in den weitläufigen Mopane Wädern des Moremi Nat. Park.

Nun ja, viel Zeit ist mir heute Abend nun wirklich nicht vergönnt meine Gedanken zu fassen, denn was höre ich eben durch die geöffnete Zeltklappe "Essen fassen" !!

 

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