Abenteuer Botswana

Ein Reisebericht aus dem schwarzen Herzen Afrikas

rolandmueller@t-online.de

 

Nach einem anstrengenden Tag haben wir uns bis zum Abendessen in unser Zelt zurückgezogen um die vielen neuen Eindrücke zu verarbeiten. Diese Zeit muß einfach sein, sonst ist man nach einiger Zeit einfach nicht mehr Aufnahmefähig. Aber die Ruhe ist nur von ganz kurzer Dauer, denn plötzlich ist in den Bäumen über unserem Zelt der Teufel los, es prasselt in den Ästen von denen kleinere aufs Zeltdach fallen und dabei wird ein Höllenlärm veranstaltet. Christa meint "Heute Abend machen die Affen wohl eine Fete" denn anders können wir uns den Radau nicht erklären. Ein Blick zur Uhr macht uns klar daß wir das ganze Theater auch nicht mehr länger ertragen müssen, denn der Tag geht allmählich zur Neige und es gibt für uns kaum einen schöneren Anblick als, auf der Holzveranda sitzend, zuzusehen wenn die Sonne als glühendroter Feuerball über dem Delta am Horizont langsam versinkt.

Heute Abend bin ich an der Reihe zu kontrollieren das am Zelt alle Öffnungen auch wirklich verschlossen sind, denn sonst kann es ohne weiteres passieren das ein neugieriger Affe unsere Behausung einer gründlichen Inspektion unterzieht. Bevor wir allerdings das Zelt verlassen macht jeder den obligatorischen Handgriff, sie fragen welchen, na ganz einfach, den Griff zur Taschenlampe, der ist uns inzwischen schon in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Über den Knüppeldamm gehen wir langsam zur Holzveranda. Links und rechts des Dammes ist im Moment nur Sumpf aber man kann sich gut vorstellen daß, wenn die Regenfälle in Angola ergiebig genug sind, das Wasser bis an beide Seiten des Dammes heranreicht und dann, ja und dann hat man unter Umständen die Krokodile auch in Reichweite. Wenn dann der Besucher bei Dunkelheit über den Damm zurück zu seinem Zelt geht ist die Taschenlampe auch wieder von großem Wert, denn ein falscher Schritt nach links oder rechts könnte u.U. doch etwas unangenehme Folgen haben.

Übrigens, kennen sie "Roibosh Tea", wenn nicht haben sie bisher etwas versäumt, denn der gehört zum südlichen Afrika wie, ja wie die Sonne würde ich sagen. Christa und ich haben uns hier oben in die leise knarrenden Korbstühle gesetzt nicht, ohne uns vorher noch eine Kanne Roibosh Tea zu holen und jetzt können wir den Abend langsam auf uns zukommen lassen. Noch ist es hell und wir sehen vor uns am Ufer des Boro River die Mokoros liegen mit denen wir heute den ganzen Tag unterwegs waren. Aus der Küchenhütte, links hinter uns steigen angenehme Gerüche auf und halblaute Stimmen sind vernehmbar. Ganz von Ferne hören wir das gedämpfte Brummen des Dieselgenerators, der die Voraussetzung dafür ist das im Moment noch einige Glühbirnen brennen und im Kühlschrank auch gekühlte Getränke vorhanden sind. Aber spätestens in etwa 1 Std. wird er ausgeschaltet werden und die Petroleumlampen zum Einsatzt kommen.

Voraus über dem Wasser zieht ein Fischadler seine Kreise, für heute wahrscheinlich seine letzten. Der Sonnenball hat inzwischen den Horizont fast erreicht und wir können mit bloßem Auge verfolgen wie er dort fast herunterfällt. Auf der Treppe sind Schritte zu vernehmen und mit einem "Hallo" setzten sich Christie und Björn zu uns."Das Essen kommt gleich" sagt Christie "aber erzählt, wie war es heute, was habt Ihr alles gesehen und, wie habt ihr überhaupt zu uns gefunden?". "Halt, stop" sagt Christa, "so viele Fragen auf einmal, und das alles auf hungrigen Magen" aber dann fängt sie doch an zu erzählen von Drotzkis Camp am Oberlauf des Okavango, unsere Fahrt nach Maun und unsere dortige vergebliche Quartiersuche, bis zu unserem Spontanentschluß direkt ins Delta zu fliegen.

Inzwischen haben wir gegessen und Christa ist immer noch am erzaehlen, denn es gibt viel zu sagen. Björn hat inzwischen die Petroleumlampen angezündet die, wie am Abend vorher, auch wieder vor sich hin blaken, bis sich einer erbarmt und den Doch etwas herunterdreht. "Ja, so war es bisher, und jetzt sitzen wir hier" sagt Christa gerade. "Da habt ihr ja schon eine ganze Menge erlebt, und wenn ihr Glück habt bzw. Pech könnt ihr auch noch sehen wie das ist, wenn eine Gruppe Paviane unsere Küche überfällt" meint Christie, "denn heute sind sie wieder von unserem Küchenboy gesichtet worden".

Wir sehen uns an, daß Paviane manchmal ganz schön gefährlich sein können hatten wir zwar schon gehört, aber einen Küchenüberfall, nein davon noch nicht. Jetzt sind wir natürlich neugierig geworden und wollen es aber genau wissen.

"Ja das ist so als ob die Tiere genau wissen wann für sie keine Gefahr besteht" fängt Björn mit seiner Erzählung an, und er fährt fort "Wir im Camp dürfen selbst nicht schießen, dazu müssen wir die Ranger aus Maun anfordern. Es läuft im Prinzip immer nach dem gleichen Muster ab, d.h. zuerst sichten wir nur einen einzigen, das ist wahrscheinlich der Kundschafter. Der schleicht dann immer 1-2 Tage ums Camp herum um die Lage zu peilen, und dann sind sie eines Tages plötzlich da und räumen und verwüsten die Küche. Und so plötzlich wie sie Auftauchen sind sie auch wieder verschwunden. Wir haben schon manchmal, als wir den Kundschafter sahen, die Ranger in Maun verständigt, die dann auch am nächsten Tag kamen, nur dann ließ sich die Herde nicht sehen. Der Ranger blieb einige Tage im Camp aber alles bleib ruhig. Wenn der dann wieder abgeflogen war kamen auch die Paviane. Dieses Spielchen haben wir nun schon einige Male durchgespielt, sie sind einfach nicht zu fassen". Ja was sollen wir dazu noch sagen, das eben gehörte erinnert uns doch sehr an menschliches Verhalten.

Was ich jetzt im Moment noch nicht weiß ist, daß ich durch einen Zufall Monate später in Deutschland die Fortsetzung bzw. das Ende der eben gehörten Geschichte erfahre und das kam so:

Durch ein Plakat wurde ich darauf aufmerksam das in der Nähe ein Diavortrag über Namibia und Botswana stattfand. Natürlich habe ich mir denselben angesehen und dabei stellte sich heraus daß der Veranstalter neben anderen Zielen auch in Gunns Camp war, einige Wochen nach unserem Besuch. Er konnte Dias der ziemlich demolierten Küche vorführen, ja und dann berichtete er daß offensichtlich der von mir erwähnte Kundschafter einmal versagt hatte.

Jedenfalls hatten die Paviane das Camp zu einem Zeitpunkt heimgesucht wo die Ranger aus Maun noch nicht wieder abgereist waren und sind alle ................. Was soll ich sagen, sie werden auf jeden Fall kein Camp mehr verwüsten.

Bei diesen ganzen Geschichten ist es doch ziemlich spät geworden und ich habe schon mehrmals ein Gähnen unterdrückt. Aber anscheinend geht es allen so, aber bevor wir uns zurückziehen muss erst noch ein schwerwiegendes Problem geklärt werden nämlich, was wir morgen unternehmen wollen. "Kein Problem" meint Christa, "Heute waren wir den ganzen Tag mit dem Boot unterwegs, dann sind wir Morgen ganz einfach zu Fuß unterwegs", eine gute Idee, eine Fußpirsch, natürlich wieder mit Führer, über Chiefs Island, die mit ca. 1000 qkm die größte Trockensavanne im Delta ist.

Die Taschenlampe in der rechten Hand gehen wir langsam über den Knüppeldamm zu unserem Zelt zurück. Diese afrikanischen Nächte sind einfach unbeschreiblich, eine warme, weiche Luft durch die man geht, und diese Ruuuuhe ................... gedacht, denn mit der Ruhe ist es nicht weit her,wie schon am vorigen Abend veranstalten die Ochsenfrösche am Ufer des Boro River einen infernalischen Lärm. Manchmal glauben wir das der Lärm nachläßt, bis dann plötzlich so ein liebes Tier wieder anfängt und alle, als hätten sie nur darauf gewartet, stimmen wieder ein.

 

Unser Boot gleitet wieder lautlos durch enge Kanäle, die auf beiden Seiten von dichten Schilf und Papyruswäldern gesäumt sind, und die von kleinen gestreiften oder marmorierten Riedfröschen bewohnt werden. Um diese frühe Stunde hören wir kaum ein Geräusch, die Ochsenfrösche haben ihr Konzert irgendwann beendet und sich in den warmen Schlamm zurücgezogen. Und die Hippos liegen sicher noch irgendwo in den Fluten und dösen vor sich hin. Wir müssen halt nur aufpassen das wir nicht versehentlich über eines drüberfahren. Aber diese Morgenstunden nutzen auch viele Tiere um sich in aller Ruhe den Bauch vollzuschlagen. Jetzt ist die beste Zeit für die Pirsch. Josef ist wieder bei uns und hat offensichtlich auch wieder an Essen und Trinken gedacht denn die Behältnisse, die gestern schon bei uns im Boot mit Verpflegung voll waren, stehen wieder da. Als ich an Josef eine diesbezügliche Bemerkung mache kann er grinsend nur zustimmend nicken.

Wir gleiten langsam an einer dahindümmpelnden Hippoherde vorbei. "Hippos zu jagen ist gefährlich" sagt Josef "sie sind schreckhaft, sehr schnell und greifen sofort an. In Afrika sterben mehr Menschen durch Hippos als durch Krokodile und Büffel", so sagt er und er sollte es normalerweise wissen. Durch unsere fast lautlose Art der Fortbewegung, das Boot wird natürlich wieder nur mit langen Stangen geschoben, kommen wir an Tiere heran, die so scheu sind daß sie beim geringsten Geräusch flüchten. Und wieder gleiten wir um eine Kurve herum, und da stehen sie wieder kaum 10 m vor uns, Litschi-Moorantilopen, sie erinnern mich an europäische Rehe, nur ist ihr Körperbau viel zartgliedriger. Wir hatten zwar gestern auch welche gesehen aber die Entfernung war doch größer gewesen sodaß die Feinheiten doch nicht so ganz klar herausgekommen waren. Irgend ein unbedachtes Geräusch, schon reckt ein Tier seinen Kopf, uns sehen und in weitausholenden Sprüngen flüchten ist Sache von wenigen Augenblicken. Ja so ist das hier, man muß manchmal auch sehr schnell Sehen.

Unser Boot zerteilt ein Meer von Wasserlilien. Ihre langen schmalen Stiele verraten die Flussrichtung des Wassers, die sonst so ohne weiteres nicht festzustellen wäre. An der Oberseite sind die Blätter der Wasserlilien grün und an der Unterseite rot. Ihre Kelche öffnen die Pflanzen bei aufsteigender Sonne während sie die Kelche bei untergehender Sonne wieder verschließen. Neben mir höre ich Christa sagen:"Was ist das denn?". Wo, frage ich, denn im Moment kann ich außergewöhnliches weder sehen noch hören. Sie zeigt zwischen die Papyrusstauden am Ufer, ja jetzt sehe ich es auch, ein Hals und ein Kopf ragt zwischen den Stauden aus dem Wasser empor. Das habe ich allerdings auch noch nicht gesehen, es ist ganz offensichtlich eine Antilope die da im Wasser steckt. Josef sagt leise"Sitatunga", schnell schlage ich jetzt in meinem schlauen Buch nach und da steht es auch. Sitatunga die Sumpfantilope, optimal angepaßt an ein Leben im Sumpf, damit sie im Schlamm nicht einsinkt besitzt sie an den Füßen ungewöhnlich lange Schalen, sie durcheilt Sumpfgebiete in denen ein Mensch unweigerlich versinken würde. Ja, sie kann sogar tauchen und schnorcheln wobei dann nur ihre Nüstern noch aus dem Wasser hervorragen.

Ich habe Zuhause gelesen das Delta sei auch ein Paradies für die Vogelwelt, und wenn ich hier das alles so sehe, kann ich das nur bestätigen. Und hier möchte ich einen kleinen Tip geben, Tip bedeutet ja auch Trinkgeld, aber das ist jetzt nicht gemeint, also zurück zum Tip, wer als Besucher hierhin kommt sollte doch am besten schon ein paar Tage in der Savanne unterweg gewesen sein um sein Auge zu schulen bzw. anzupassen sonst nimmt man einfach die vielen Feinheiten gar nicht war. Die Tiere in der Savanne und auch hier in der Sumpflandschaft des Okavango-Deltas haben sich farblich voll ihrer Umgebung angepasst und unser Auge, das im normalen Alltag ganz andere Wahrnehmungen verarbeiten muß, sollte erst wieder den hiesigen Verhältnissen angepasst werden. Uns ist es die ersten Tage in der Steppe immer wieder passiert dass sich Termitenhügel, Steine oder umliegende Baumstämme beim Näherkommen als Tiere entpuppten. Nach einigen Tagen machten wir dann die Feststellung an uns selbst, daß diese Fehleinschätzung abnimmt d.h. wir konnten schon aus der Entfernung klar ein Tier erkennen.

Diese Problematik tritt hier im Delta verstärkt auf ganz einfach aus dem Grund weil das Uferdickicht aus Schilf und Papyrus sehr dicht ist und im Gegensatz dazu die Bewohner dieses Dickichtes z.T. sehr klein sind.

Josef steuert unsere Boot jetzt auf geradewegs auf die Schilfwand zu, die Halme biegen sich elastisch zur Seite als wir hindurchfahren. Vor uns öffnet sich eine kleine Bucht, schon schleift es unten am Bootsboden und dann sind wir schon an Land d.h. jetzt nach dem Aussteigen muß das Boot natürlich noch aufs Ufer gezogen werden, denn es wäre doch schon sehr peinlich wenn wir nachher zurückkommen und das Boot würde irgendwo auf dem Wasser schwimmen. Gut, durch den eben durchfahrenen Schilfgürtel könnte es wahrscheinlich so ohne weiteres nicht durchkommen, aber wer möchte hier schon so einfach durch Wasser waten ?

Josef geht voraus, sein Schritt ist lautlos, kein Ast oder ähnliches knackt unter seinen Füßen. Dagegen veranstalten Christa und ich doch schon einen gehörigen Lärm, zumindest hört es sich für uns so an. Wir sind einfach noch nicht dieses geräuschlose Gehen gewöhnt. Nach einiger Zeit haben wir uns allerdings schon sehr gebessert, und dies ist auch notwendig da wir auch zu Fuß unbemerkt möglichst nahe an Tiere herkommen wollen ohne dieselben allerdings zu verschrecken. Wir haben im Moment beide das Gefühl doch ziemlich schutzlos zu sein, so als kleiner Mensch in der Wildnis. Es ist halt doch ein gehöriger Unterschied sich in einem Fahrzeug oder zu Fuß durch die Wildnis zu bewegen.

Wir wollen gerade aus einem kleinen Wäldchen auf die Steppe hinaus treten als Josef die Hand hochhält und Ruhe bedeutet. Vorsichtig kommen wir neben ihn und sehen nicht weit vor uns eine Zebraherde, genauer gesagt Steppenzebras, die langsam vorbeiziehen, und so schön dieses Bild auch ist wir wissen dass auch Zebras durchaus gefährlich werden können und deshalb ist auch hier Vorsicht angebracht. Nach einiger Zeit ist die Herde verschwunden und wir können jetzt auf die offene Steppe hinaustreten.

Jetzt auf der offenen Fläche wo man alles schon von weitem sehen kann wird auch Josef gesprächiger, ja hier auf Chiefs Island (d.h. auf deutsch "Insel der Häuptlinge ") sei er früher schon sehr mit seinem Vater unterwegs gewesen. Bis dann, ja bis dann sein Vater den Unfall hatte. "Er war in einem Mocoro unterwegs und ist dabei einem Hippo über den Rücken gefahren. Das erschreckte Tier hat sich im Wasser aufgerichtet und dadurch das Mokoro umgeworfen". Sein Vater war ins Wasser gefallen und hatte dann durch das Hippo noch ein Bein verloren. "Nur weil er von Freunden schnell ins nächste Camp und von dort aus nach Maun zum Arzt geflogen wurde ist er am Leben geblieben" so erzählt Josef.

Wir sind während der Erzählung weitergegangen und haben nicht so ganz genau auf unsere Umgebung geachtet. Unvermittelt hebt Josef die Hand und bleibt stehen, da stehen nicht allzuweit vor uns doch tatsächlich Büffel in der Steppe. Eigentlich sind wir schon viel zu nahe heran aber das Gelände ist im Moment etwas unübersichtlich. Die Tiere haben uns offensichtlich noch nicht gewittert und so gehen wir langsam Schritt für Schritt zurück bis wieder genügend Abstand vorhanden ist. Aber was heißt das schon, ich weiß daß der Büffel sehr aggresiv sein kann und außerdem ist er auch noch listig. Josef sagt uns daß der Büffel, wenn er verfolgt wird, z.B. einen Haken schlägt um seinem Verfolger in den Rücken zu kommen. Also auf solche Spielchen legen wir heute keinen großen Wert und so umgehen wir die Herde weiträumig.

Irgendwann dann unterwegs sagt Christa unvermittelt "die gibt es aber auch überall", "wen" frage ich, sie zeigt auf einen Termitenbau, recht hat sie, die gibt es wirklich überall. Wir können uns immer nur wundern wie so kleine Tierchen, die im Normalfall nicht größer als 20 mm werden (es gibt allerdings auch größere) aus Erde, Holz und zerkautem pflanzlichen Material ihre Bauten herstellen. Wir haben unterwegs entlang der Pisten schon welche von 2-3 m Basisdurchmesser und 4 m Höhe gesehen, und wie unserer Führer erzählt soll es noch größere geben.

Bei so einer Fußtour und solchen immerwährenden neuen Eindrücken geht das Gefühl für Zeit verloren. Josef deutet zum Himmel auf die Sonne und will uns damit bedeuten uns so langsam auf den Rückweg zu machen. Ja recht hat er, wir sind nun schon einige Stunden unterwegs und wollen ja noch vor Dunkelheit wieder im Camp sein. Ohne das wir es gemerkt haben sind wir in einem leichten Halbkreis gegangen und haben es deshalb bis zum Mocoro gar nicht mehr so riesig weit, d.h. 1,5 Stunden müssen wir immer noch gehen. Ob das Boot wohl immer noch da liegt wo wir es verlassen haben, denn immerhin könnte ja ein Tier es ins Wasser geschoben haben. Aber nein, da vorne liegt es ja und da wir inzwischen alle doch ziemlichen Hunger und Durst haben, die auf die Fußpirsch mitgenommenen Getränke sind schon lange weg, machen wir uns jetzt über den Proviant her.

Ich setze mich ins Gras, während Christa und Josef sich auf den Bootsrand setzen und alle heftig zulangen geht mein Blick zum anderen Ufer des Wasserlaufes. Dort steht ein alter, anscheinend abgestorbener, Baum, der seine kahlen Äste in den Himmel reckt. Aber ich weis inzwischen, daß diese Bäume meist nicht tot sind sondern nur so aussehen.

Aber dies ist es nicht was meine Aufmerksamkeit auf sich zieht, sondern auf einem der kahlen Äste hockt ein Fish Eagle (Schreiseeadler), der anscheinend angestrengt zum uns herüber äugt. Vielleicht hat er für heute noch nicht genug Beute gemacht und überlegt sich gerade ob er unserer Proviantkiste einen Besuch abstatten soll. Fast bin ich vesucht ihm abzuwinken und ihm zu sagen daß sich ein Besuch bei uns für ihn nicht lohnt. Er ernährt sich vorwiegend von Fischen und Wasservögeln, und dabei greift er nicht nur kranke Tiere an sondern auch gesunde, und auch Kleinsäugetiere stehen auf seinem Speiseplan. Er erbeutet die Tiere durch schnelle Vorstöße ins Wasser. Der Ruf des Schreiseeadlers gehört zu den auffallendsten Vogelstimmen Afrikas.

Und wieder sind wir dabei unseren Rastplatz zu säubern, denn wie ich schon am ersten Tag erwähnte darf nichts liegenbleiben was an einen Besuch eines Homo Sapiens erinnert, d.h. alles wird in mitgebrachte Tüten verstaut, später im Camp abgegeben und dann mit dem nächsten Flugzeug nach Maun geschickt. Dort wird es dann den Weg allen Abfalles gehen, hoffe ich jedenfalls.

Wieder gleitet unser Boot durch einsame Lagunen und vorbei an urwaldbestandenen Inseln. Wie sind diese Inseln entstanden, Josef erklärt uns dass oftmals ein kleines Tier, von dem ich oben schon berichtet habe, sozusagen den Grundstein für diese Inseln gelegt hat, nämlich die Termite. "Der Ursprung ist oft ein Termitenhügel gewesen an den dann immer mehr Erdreich und Pflanzenreste angeschwemmt wurden und werden, ja und so wird die Insel immer größer und größer und hört an für sich nie auf zu wachsen allerdings werden auch andere Teile immer wieder unterspült und brechen dann ab sodaß auch hier ständige Bewegung ist" so erklärt es uns Josef. Er hat uns jetzt auch die Erklärung geliefert warum schnelle Motorboot Fahrten, soweit überhaupt möglich, hier verboten sind. Die starken Bugwellen der Boote, die irgendwann ans Ufer klatschen haben in den z.T. engen Kanälen eine solche Kraft, daß sie die empfindliche Ufervegetation zerstören würden, und mit ihr auch die im Schilf lebenden Vögel und anderen Kleintiere vertrieben würden.

Außerdem wozu brauchen wir hier Motorboote, ich finde in einem ursprünglichen Boot dieser Landschaft, dem Mocoro, kann man diese Urlandschaft erst richtig genießen. Während der ganzen Erzählungen sind wir gut vorangekommen und voraus sehe ich nun schon den typischen Baum mit dem Wasserturm, der unser Camp so markant kennzeichnet.

Als die Sonne dann endgültig für heute am Horizont herunterfällt, in einem Schauspiel wie man es nur hier erleben kann, sitzen wir längst im Camp am Ufer des Boro River mit der obligatorischen Kanne Roibusch Tea neben uns. Mein Blick wandert hinüber wo ich am Horizont als schmalen Strich noch die Ausläufer von Chiefs Island sehen kann. Es sieht so nah aus, mit dem Mocoro ist es aber eine ganz schöne Strecke. Diese Abende, wenn kein Tag mehr ist, aber die Nacht läßt noch auf sich warten, kann man nur sehr schwer beschreiben, man muß sie erleben. Von den vielen Büchern über Afrika, die ich gelesen habe, ist diese Atmosphäre wohl am besten in Hemingways "Die grünen Hügel Arikas " eingefangen, obwohl diese Geschichte sich ja in Ostafrika abspielte.

Damit diese Natur auch für nachfolgende Generationen so erhalten und intakt bleibt betreibt die Botswanische Regierung eine Hochpreispolitik um den Besucherstrom von vorneherein zu bremsen. Dies mag zwar ungerecht sein, ist aber wahrscheinlich die einzige Möglichkeit.

 

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