Abenteuer Botswana

Ein Reisebericht aus dem schwarzen Herzen Afrikas

rolandmueller@t-online.de

 

Kennen Sie Etsha six, keine Angst dies ist keine Bildungslücke denn wir kannten es bis vor kurzem auch noch nicht. Aber wir mussten dorthin, ja genau, wir mussten !!!

Sie fragen wieso, ganz einfach, dort war für uns die erste Gelegenheit unseren doch sehr knapp gewordenen Benzinvorrat wieder aufzustocken. Aber ich will von vorne beginnen.


Heute morgen liegen noch Nebelschwaden über dem Fluß als wir von Drotzkis Camp, am Oberlauf des Okavango im Ngami Land, aufbrechen. Als wir hier ankamen war unser Bezinvorrat schon sehr knapp weil die Tankstellen, die an unserer Strecke lagen, alle "out of Order" waren. Aber zum Glück konnten wir im Camp genug Benzin bekommen um wenigstens die tollen Buschmann-Malereien bei den Tsodilo Hills zu sehen aber dies ist wieder eine andere Geschichte.

Wir sind noch nicht lange auf der Piste als erwartungsgemäss die rote Tanklampe aufleuchtet, nun ja, dies ist keine Überraschung und so schütten wir irgendwo am Rande der Strecke unseren letzten Ersatzkanister in den Tank.

Auf jeden Fall wird jetzt unser Benzinvorrat noch für max. 150 km. reichen, d.h. wir können auf keinen Fall noch bis nach Maun kommen. Aber halt bis Etsha six, das etwa 100 km entfernt an unserem Wege liegt. Ausserdem sagt man uns im Camp noch dass die Strecke z.Zt. asphaltiert wird, aber wie weit die Arbeiten fortgeschritten sind kann uns niemand sagen.

So fahren wir denn los, so arg verfahren können wir uns hier nicht, denn links begleitet uns jetzt schon das Okavango-Delta. Irgendwann erreichen wir die Stelle an der die Teerstraße anfängt, ein ganz neues Fahrgefühl, denn wir haben uns so richtig an die Sand- und Busch- und Wellblechpisten gewöhnt.

Ich habe es fast übersehen, ein kleines, an einen Baum genageltes Schild "Etsha Next left". "Nun ja, dann fahren wir diesem Schild einmal nach" meint Christa., die heute fährt. Es dauert nicht lange und wir sind im Ort, linker Hand der Bottle Store und rechts diverse Geschäfte und dann liegt sie vor uns "die Tankstelle". Mehrere dienstbare Geister eilen herbei und wischen die Scheiben und Scheinwerfer und wir lassen den Tank und die diversen Ersatzkanister mit Benzin füllen. Danach fühlen wir uns wesentlich wohler. Bis Maun sind es jetzt noch etwa 200 km Teerstraße auf der wir nur noch auf herumlungernde Ziegen, Kühe, Esel usw. achten müssen. Wir liegen gut in der Zeit und freuen uns schon auf eine vernünftige, funkionierende Dusche in Rileys Hotel. Seit meinem ersten Besuch hier ist erst ein Jahr vergangen aber schon bei der Einfahrt in den Ort fallen mir die Veränderungen auf. Mehrere Werkstätten sind nun da wo vor einem Jahr noch Steppe war, und dies ist nur ein Punkt von vielen. Maun mit seinem Flugplatz hat sich zu einem wichtigen Ausgangspunkt für die Touren ins nördliche Botswana entwickelt. Bis vor wenigen Jahren war dieser Ort nur über Sandpisten zu erreichen, die in der Regenzeit stellenweise unbefahrbar waren, erst nach dem Bau der Teerstraße von Nata nach Maun hat sich der Ort so entwickelt. Dies ist aber kein Wunder wenn man bedenkt daß man jetzt in einigen Stunden von Nata nach Maun kommt wozu man früher 2 Tage brauchte oder gar nicht durchkam.

Ja, und jetzt stehen wir hier in Rileys Hotel und schauen uns an. Was hat gerade der nette Herr hinter dem Tresen gesagt, "Sorry we´r fully booked" und das noch nicht einmal in der Hauptsaison, das gibt es doch nicht. Es ist aber so denn, so bekommen wir erklärt, die British Army führt z.Zt. ein Training im Delta durch und sämtliche Übernachtungsmöglichkeiten in Maun sind belegt.

"Fahren wir halt raus zum Crocodil Camp" sage ich etwas sauer, während Christa meint, daß da wahrscheinlich auch alles belegt ist. Aber ich will es nun genau wissen und so fahren wir hin. Das Camp kenne ich noch von meinem ersten Besuch her und habe es in guter Erinnerung, denn dort rettete ich mit einem Turnschuh einem Chamäleon das Leben. Das Tier war in den Pool gefallen und kam aus eigener Kraft nicht mehr heraus.

Das Camp liegt außerhalb von Maun an der Straße nach Shorobe am Ufer des Thamalakane River der damals allerdings nicht sehr viel Wasser hatte. Ich habe gerne am hohen Ufer gesessen und den Eingeborenen beim Grasnabenstechen zugesehen.

Ja, uns was bekommen wir hier zur Antwort, dreimal dürfen Sie raten. Richtig "Sorry, we´r fully booked". Jetzt müssen wir umdisponieren, aber wir sind ja flexibel und ich weiß von meinem ersten Besuch, daß in Maun auf der Mall verschiedene Safariveranstalter ihre Office´s haben. Also fahren wir hin, denn irgend etwas müssen wir jetzt noch in die Wege leiten denn es ist nun bereits fast 16 Uhr und nach Sonnenuntergang fliegt kein Pilot mehr ins Delta. Das erste Office das wir anlaufen erweist sich offensichtlich direkt als Volltreffer. Nachdem wir unseren Wunsch vorgetragen haben jetzt noch, am späten Nachmittag, ins Delta geflogen zu werden, nimmt die nette Lady sofort Funkverbindung mit verschiedenen Camps auf. Nach einigem Hin und Her erklärt sie uns, daß in "Gunns Camp" noch Platz ist, na klar fliegen wir halt nach Gunns Camp. Anhand einer Karte bekommen wir gezeigt wo das Camp liegt und das die Flugzeit etwa eine halbe Stunde beträgt.

"Und wer fliegt uns" sage ich! Ja, das muss jetzt erst noch geklärt werden, meint die Lady, wobei bei uns erschwerend hinzukommt, daß wir an einem Sontagmorgen wieder ausgeflogen werden müssen, und am Sonntag normalerweise kein Flugverkehr ist. Jetzt wird das Telefon in Betrieb genommen und mit dem Airport in Maun telefoniert. Irgendwie treibt sie dann auch noch einen Piloten auf, der uns einfliegt und bei dieser Tour auch noch die Getränkelieferung für unser Camp mitnimmt, die normalerweise erst am naechsten Tag faellig ist.

Ob wir am Flughafen das "Duck Inn" kennen, ist ihre nächste Frage, kennen ist zuviel gesagt meine ich, aber ich weiss wo es liegt. O.K. dort trefft ihr euch mit eurem Piloten Pete, und das Auto könnt Ihr dort in einem abgesperren Bereich abstellen, damit dürfte alles geregelt sein, ach ja , natürlich nur Handgepäck so etwa 10 kg.

Jetzt geht alles sehr schnell, raus zum Airport, Auto abgetellt, und das Handgepäck ist auch kein Thema denn zum Glück Reisen wir immer nur mit kleinem Gepäck, und in Afrika muß man immer flexibel sein.

Im Duck Inn haben wir Pete schnell gefunden, er ist nämlich z.Zt. der einzige Gast und außerdem schaut er ständig auf die Uhr. Ja, die Getränke und diverse andere Lebensmittel hat er schon gebunkert und gibt erst Ruhe als wir gestartet sind. Diese Ruhe ist dann aber vollkommen, denn er hat anscheindend beschlossen für heute nicht mehr viel zu reden. Nun ja, man ist halt nicht immer gleich gut drauf. Aber vielleicht will er auch nur den Ausblick nicht stören, den wir nun auf das Delta haben. Denn außerdem hat er beschlossen nur eine Flughöhe von vielleicht 400 mtr. einzuhalten "Dies ist vielleicht etwas unruhiger, aber man sieht so am meisten" das ist denn noch der einzige Kommentar den er bis zur Landung von sich gibt.

Das Land unter uns ist von tausenden hellen Linen durchzogen, den Trampelpfaden der Tiere. Wenn die Farbe zu blaugrün wechselt wissen wir dort ist Sumpfland. Und dann manchmal soweit das Auge reicht Papyruswälder, Palmeninseln und sich windende Flußläufe die irgendwo verschwinden. Christa neben mir sagt kein Wort, und auch ich brauche keinen Ton zu sagen, dies ist also das Okavango Delta das "Schwarze Herz Afrikas", die größte noch zusammenhängende Urlandschaft wie es sie auf unserer Erde kein zweites Mal gibt. Das Motorengeräusch unserer Maschine bringt stellenweise Bewegung in die Landschaft d.h. so ohne weiteres nicht auszumachende Wasserböcke springen durchs Wasser.

Ich versuche mich zu erinnern was ich weiß bzw. in der Vorbereitungsphase gelesen habe. Die Größe des Deltas beträgt ca. 16.000 qkm also etwa so groß wie Schleswig-Holstein. Es wird gespeist vom Cubango der im Hochland von Angola entspringt mehrmals die Richtung und den Namen ändert und erst in Botswana zum Okavango wird.

Die Einheimischen hier sagen der Okavango sei "ein unvernünftiger Fluß" denn, ein vernünftiger Fluß mündet irgendwann und irgendwo ins Meer, und was macht der Okavango ? Erst bildet er ein phantastisches Delta um dann irgendwo in der Kalahari zu versanden. Sei das etwa vernünftig ??

Ich werde aus meinen Gedanken gerissen, das bisher gleichmäßig Motorgeräusch hat sich irgendwie verändert denn Pete leitet eine sanfte Kurve ein, wobei er noch die Bemerkung fallen läßt, daß wir gleich landen werden. Nur wo wird das sein ? Denn wenn ich jetzt so aus dem Fenster schaue kann ich beim besten Willen keine Landebahn endecken, nun ja der Pilot wird wohl wissen was er tut.

Und jetzt noch eine scharfe Kurve, zwischen zwei Baum- und Buschreihen wird eingeschwenkt, die Maschine fällt förmlich nach unten, und da, ja tatsächlich direkt vor uns die Landebahn oder besser gesagt eine kurze Lehm- bzw. Sandpiste. Dem holpern bei der Landung nach zu urteilen muß es wohl eine Lehmpiste sein. Nachdem die Maschine gewendet hat und zum Stehen gekommen ist, können wir vom Camp immer noch weit und breit nichts zu sehen. Dann kommen aus den Büschen zu unserer Rechten 3 Einheimische, die sich unser Gepäck aneignen und soweit noch möglich auch die mitgebrachten Getränke aufladen, und uns dann freundlich auffordern ihnen zu folgen.

Über einen schmalen gewundenen Pfad zwischen den Büschen hindurch folgen wir Ihnen. Ja und dann sind wir unvermittelt im Camp. Christa sagt: "Kein Wunder daß wir von oben nichts gesehen haben"!!

Denn die fünf großen, in einem Halbkreis angeordneten, Zelte stehen gut versteckt unter den Bäumen und Sträuchern am Ufer des Boro River. Dies ist also Gunns Camp. Unsere Begleiter führen uns zu einem dieser Zelte wo sie auch unser Gepäck abladen. Hier treffen wir dann auch auf Christie und Bjoern die das Camp managen. "Macht euch erst einmal etwas frisch und dann kommt rüber zur Veranda dort können wir dann alles weitere bereden und bringt am besten direkt die Taschenlampen mit. Ihr seid übrigens z.Zt. die einzigen Gäste hier, ach ja, und wenn ihr heißes Wasser zum Duschen haben wollt sagt einfach Josef Bescheid" einer von unseren Begleitern von der Flugpiste wird dann als Josef vorgestellt. Dies ist die erfrischend einfache und trotzdem ungeheuer herzliche Bergrüßung im Camp. Im Moment können wir nur staunen, duschen, heißes Wasser, Christa sieht sich um, "was suchst Du" frage ich, "na ganz einfach, den Baum in dem die Gieskanne zum Duschen hängt".

Wir beziehen erst einmal unser Zelt, d.h. wir laden unser Minigepäck auf dem Bett ab. Zu beiden Seiten der Betten stehen kleine Holztische auf denen für jeden ein sehr großer Krug mit Wasser steht und an der gegenüberliegenden Zeltwand ist auch noch ein Holzregal. In diesem Regal liegen noch einige Wolldecken. SSSSSSSS, verdammt da haben wir doch glatt vergesssen am Zelteingang das Fliegennetz zu schließen und schon hat sich ein Eindringling angepirscht und sucht zielstrebig ein Opfer. Wir scheinen aber noch einmal Glück zu haben, denn so schnell er erschienen ist so schnell ist er auch wieder verschwunden vielleicht hat er aber auch die Dose mit "Piecfull Sleep" gesehen, die ebenfalls in dem Regal steht. Für den Unkundigen, Piecfull Sleep ist ein absolut sicheres Mittel sich die Steckmücken wie z.B. Moskitos vom Leib zu halten. Allerdings muß ich dazu sagen daß es nicht gerade berauschende Düfte verbreitet und bei ständigem Gebrauch die Haut im Laufe der Zeit wie Leder wird. Also am besten nur dann einsetzen wenn es wirklich notwendig ist.

Außerdem steht auf dem Regal auch noch eine Lampe die von einer Batterie gespeist wird. Wir sind also nachts nicht ganz auf unsere Taschenlampen angewiesen. Damit waere auch schon die Inneneinrichtung des Zeltes ausgiebig beschrieben. Aber wo ist denn nun die angekuendigte Dusche bzw. die Toilette. Neben dem Zelt entdecken wir dann dreieinhalb Lehmwaende in denen sich die beiden verstecken. Die Dusche ist nun wirklich eine besondere Konstruktion die man sich etwa folgendermasen vorstellen muss:

Man nehme eine leere ausgediente Gasflasche von ca. 2 mtr. Hoehe, stelle diese Flasche erhoeht auf zwei links und rechts liegende Steine. Dann nehme man ein Ofenrohr und stecke dieses Rohr senkrecht durch die Flasche wobei in dieselbe natuerlich unten und auch oben je ein passendes Loch gebohrt werden muss. Dieses Ofenrohr dient nun als Rauchabzug fuer das unter der Flasche brennende Feuer und kann zusaetzlich auch noch das Wasser erhitzen. Dann bohrt man in die Flache noch ein Loch fuer die Wasserleitung die zur Dusche fuehrt. Jetzt muss nur noch die Flasche mit Wasser gefuellt werden und schon hat man eine funktionierende Heisswasserdusche. Und ueber einem in den Baeumen sitzen die Affen und ueber den Affen ist nur der Himmel.

 

Ja, und wenn ich dann noch daran denke dass die Affen doch so gelehrige Tiere sein sollen, dann ist es wohl nur eine Frage der Zeit dass, wenn man eines Morgens unter die Dusche will, schon ein Affe daruntersteht. Denn, ob sie es nun glauben oder nicht eines guten Morgens hatte es immerhin einer schon bis unter die Dusche geschafft und konnte nur mit viel gutem Zureden zum Gehen bewegt werden. Irgendwie hatte er die Technik der Wasserhähne noch nicht so ganz begriffen, aber wir sind sicher dass er die naechsten Tage voll Interesse ueber uns im Baum sitzen wird um auch hinter dieses Geheimnis zu kommen.

 

Inzwischen ist der Tag doch schon sehr fortgeschritten und die Sonne naehert sich nun schon dem Horizont. Wir bewaffnen uns mit Fernglas und Taschenlampe und gehen ueber einen Knueppeldamm rueber zum Hauptgebäude. Dieser Damm ist etwa 2 mtr. breit, und wenn ein entsprechend hoher Wasserstand im Delta ist wird er links und rechts von Wasser begrenzt. Im Moment ist auf beiden Seiten nur sehr niedriges Wasser und stellenweise auch nur Sumpf.

Das Hauptgebäude liegt auch wieder auf einer Insel die nur über den vorstehend erwaehnten Damm zu erreichen ist. Es ist eine auf Holzpfosten erhoeht stehende Aussichtsveranda mit Strohdach, die auf der Vorderseite in den Wasserlauf bzw. den Sumpf des Boro River gebaut ist. Etwas versetzt nach hinten steht ein hoelzerner Wasserturm unter dem sich das Kuechenzelt befindet. Dieses Kuechenzelt wird, so erzaehlt uns Christie später, immer wieder von einer Herde Paviane heimgesucht, aber davon will ich spaeter noch ausfuehrlicher berichten.

Ueber eine Holztreppe steigen wir empor, und von dieser erhoehten Position aus haben wir nun einen phantastischen Ausblick. Hier oben ist auch schon alles mit Tisch und Sitzgelegenheiten zum Abendessen vorbereitet. Hinten in der Ecke ist noch eine kleine Bar für einen Schlummertrunk. Auf dem Tisch liegt natuerlich ein Buch ueber die Fauna und Flora des Deltas, und ich muss sagen es macht uns auf dieser Tour einen ungeheuren Spass Tiere und Pflanzen, die man nicht kennt, anhand von Buechern zu identifizieren.

Direkt vor der Veranda liegen Einbäume im Wasser, die hier Mokoro heißen, mit diesen Booten wollen wir in den nächsten Tagen, natürlich mit Führer, Fahrten im Delta unternehmen.

Wer schon in den Tropen war weiß wie kurz die Dämmerung hier ist, und während wir noch so da stehen hat sich die Sonne für heute verabschiedet. Aus der Küche hören wir leises Topfgeklapper und Stimmengemurmel und ein angenehmer Duft weht auch noch herüber. Über die Treppe kommen Christie und Bjoern zu uns. " Hi, habt ihr euch schon etwas umgesehen" Na ja, dazu war die Zeit für heute etwas zu kurz, aber morgen ist ja auch noch ein Tag, und für heute wollen wir einfach nur wieder einen dieser unvergesslichen afrikanischen Abende erleben, die man einfach nicht Beschreiben, sondern nur Erleben kann.

Bjoern sagt "Wir waren eigentlich für die nächsten Tage gar nicht auf Gäste eingerichtet, aber so habt Ihr das ganze Camp für euch alleine, und an Lebensmittel und Getränken ist genügend vorhanden, aus dem Kühlschrank hinter der Bar, da könnt Ihr euch selbst die Getränke holen, soviel Ihr wollt, den ganzen Tag über. Auf dem Tisch da liegt ein Zettel, da schreibt dann bitte die Getränke auf die Ihr so geholt habt. So einfach ist das.

Ganz entfernt hören wir das leise Brummen des Dieselgenerators der, wie in den Camps üblich, bei Dunkelheit gestartet wird um für Licht und sonstige Energie in der Küche zu sorgen. So irgendwann gegen neun Uhr wird er wieder abschaltet, und dann treten halt die Taschenlampen in Aktion, d.h. bei uns auf dem Tisch stehen auch noch Petroleumlampen, die dann wahrscheinlich hier auf der Veranda angezündet werden.

Ja, und jetzt hören wir ihn wieder, sie fragen wen, na ganz klar, den allabendlichen Lärm der Ochsenfrösche. Einer fängt an und alle anderen, als hätten sie nur darauf gewartet, stimmen ein. Jetzt ist die Stimmung komplett.

Über die Holzstiege kommt der Koch mit zwei Begleitern mit dem Abendessen. Christa und ich sind, wie schon gesagt z.Zt. die einzigen Gäste im Camp und so sind wir bei Tisch nur eine kleine Runde d.h. wir zwei und Christie sowie Bjoern. Christie stammt aus Mozambique und Ihre Eltern waren nach der Unabhängikeit nach Botswana umgesiedelt. Bjoern stammt aus Südafrika.

Das Essen ist, wie ueberall in den Camps, sehr gut und an solchen Abenden hat man sich viel zu erzählen und jeder weiß irgendwelche Geschichten die zum Besten gegeben werden. Die Luft ist warm und weich, die Ochsenfrösche veranstalten immer noch eine Konzert und die inzwischen angezündete Petroleumlampe blakt zwar ziemlich aber das stört zuerst niemanden bis sich schließlich Bjoern erbarmt und den Docht ein wenig herunterdreht.

"Und was habt ihr morgen so vor" fragt schließlich Christie, "morgen würden wir ganz gerne eine Tagestour mit dem Mokorro unternehem" sagt Christa. "O.K. dann sag ich Josef Bescheid, der ist dann morgen euer Guide und damit Ihr nicht vom Fleisch fallt kann er morgen früh auch noch etwas zu Essen einpacken".

Inzwischen ist es stockdunkel geworden und so gehen wir, Taschenlampe voraus , ueber den Knueppeldamm zurueck zu unserem Zelt.

Durch irgend etwas, was nicht vorhanden ist, werde ich am naechsten Morgen wach. 5 Uhr, normalerweise dreht man sich um diese Zeit noch einmal um, aber hier ist das anders vor allen Dingen dann wenn ich etwas sehen will. Aber trotzdem, irgendwas fehlt! Genau, die Ochsenfroesche haben ihr ohrenbetaeubendes Konzert vom Abend vorher eingestellt.

Vorsichtig schlaegt Christa die Zeltklappe auf, noch liegen die Nebelschwaden ueber dem Boro River, und Chiefs Island laesst sich nur irgendwo dort im Nebel erahnen. Die Morgenluft ist noch frisch, aber jetzt ist Prime-Time fuer die Pirsch.

Josef, erwartet uns schon an der Anlegestelle des Mokoro mit der Teekanne in der Hand, sie fragen wieso Teekanne, na ganz einfach, ohne eine Tasse Tee bewegt sich morgens gar nichts, soviel Zeit muss einfach sein. Ja, und dann hat er auch noch etwas zum Essen fuer den Tag so eingepackt. Aber er will sicher auch noch eine Wildfütterung veranstalten, oder er rechnet damit da draussen in den unzaehligen verwirrenden Wasserlaeufen einen verirrten Touristen aufzugabeln den er dann mit Essen wieder aufpaeppeln muss, auf jeden Fall hat er jede Menge eingepackt.

So ein Mokoro ist ein Einbaum, also ein ausgehoelter Mokutshumo-Baumstamm, der vorn und hinten spitz zulaeuft. Waehrend die Fahrgaeste vorne sitzen, steht der Fahrer und Fuehrer hinten um mit einer langen Stange das Boot durchs Wasser zu staken. Zuerst ist dies ein bischen ungewohnt da es doch eine etwas wakelige Angelegenheit ist bei der man sich zuerst doch sehr aufs Gleichgewicht konzentrieren muss, aber nach einer gewissen Zeit haben wir uns daran gewoehnt.

Lautlos gleitet das Mokoro durchs Wasser, nur das leise Eintauchen der Schiebenstange ins Wasser ist zu hoeren. Afrikanische Zwerggaense paddeln mit uns durch Wasserlilien, die jetzt, so kurz vor Sonnenaufgang ihre Blueten noch geschlossen halten. Der Wasserlauf windet sich entlang an langen Schilf- und Papyruswaeldern in denen im Moment noch weitgehend Ruhe herrscht. Aber nicht mehr lange dann, wenn die Sonne ihre ersten Strahlen ueber den Horizont schickt, werden wir hier das Erwachen der Natur live miterleben, nur ein Blatthuhn mit seinen langen Beinen pickt sich sein Fruehstueck schon von den Seerosenblaettern. Winzig kleine Inseln tauchen auf, oftmals steht in der Mitte nur eine einzelne Palme oder ein grosser Termitenhuegel erhebt sich darauf.

Um einen Eindruck von der Groeße des Okavango-Deltas zu bekommen muss man sich vorstellen dass es etwa die Groesse von Schleswig-Holstein hat, und es gibt hier nur Sumpflandschaft, Palmeninseln, Papyruswaelder und Lagunen voller Wasserlilien. Nicht zu vergessen die sich windenden Wasserlaeufe, die oftmals irgendwo im Nirgendwo verschwinden.

Von hinten hoeren wir Josef leise sagen "Hippos", wo, fragen wir, "direkt vor uns", tatsaechlich, da ragen doch wirklich nur die Ohrspitzen ueber die Wasseroberflaeche und erst als wir langsam naeherkommen taucht auch ein Teil Ihres Kopfes aus dem Wasser auf. Josef kennt das Verhalten der Hippos ganz genau und treibt das Mokoro ganz langsam und vorsichtig um die Tiere herum. Nicht auszudenken wenn man versehentlich einem getauchten Hippo ueber der Ruecken fahren und das erschreckte Tier auftauchen wuerde. Das ganze Boot mit Mann und Maus wird unweigerlich kentern und es soll hier neben den Hippos ja auch reichlich Krokodile geben, na ja weiter will ich jetzt nicht denken. "Hippos zu jagen ist sehr gefaehrlich", sagt Josef, "die Tiere sind sehr schreckhaft und greifen sofort an, und wenn du einem an Land begegnest schneide ihm nie den Weg zum Wasser ab.

Am fahren um eine Biegung des Wasserlaufs, und kaum 20 mtr. entfernt, am Ufer einer Insel grast eine Gruppe von Litschi-Moorantilopen. Kaum haben die scheuen Tiere uns bemerkt fluechten sie mit weitausholenden Sprüngen. Jede Biegung wartet mit einer neuen Aussicht, wir gleiten an Warzenschweinen und Antilopen vorbei die diese friedlichen Morgenstunden nutzen um sich den Bauch vollzuschlagen.

Ja, es stimmt schon was ich kurz vor meiner Abreise gelesen habe "Man betritt eine andere Welt", in den Suempfen des Okavango bleibt man nahezu alleine, keine mit Touristen ueberfuellten Landrover bzw. Boote, keine Tiere die sich laengst schon an den Menschen gewoehnt haben. Es gibt nur wenige Camps und die sind klein. Selten kommen mehr als 40 Gaeste dort unter und Linzensen fuer neue Camps werden von der Regierung nicht ausgegeben. Alles in den Camps muss wieder abzubauen sein, wie z.B. bei uns im Camp sind die einzigen "festen" Gebaeude die Toilette bzw. Dusche, die aus Lehm gemauert ist und die Veranda fuer die Mahlzeiten, die aus Holz gezimmert ist.

Die Sonne steigt immer hoeher und so allmaehlich macht sich Hunger bemerkbar, Josef meint dass wir in kurzer Zeit Chiefs Island erreichen werden, dort sind gute Stellen zum Anlanden und zum Rasten. Chiefs Island hat etwa 1000 qkm Ausdehnung und ist die groesste Insel und Trockensavanne im Delta. Wir gleiten durch dichten Schilf der direkt am Bootsrand 3-4 mtr. neben uns aufsteigt, dann ein leichter Ruck und wir sind am Ufer. Waehrend Josef hinten das Gleichgewicht haelt steigen Christa und ich ueber die Bootsspitze aus. Jetzt ziehen wir gemeinsam noch das Boot aufs Ufer und laden die Kisten und Kuehlbehaelter mit Lebensmitteln aus, die Josef heute morgen eingepackt hat.

Ein am Boden liegender Baumstamm dient als Sitzgelegenheit und so lassen wir es uns schmecken. Aber so irgendwie ist unsere Landung nicht unbemerkt geblieben. In einer Entfernung von vielleicht 150 mtr. hat sich eine Herde Affen niedergelassen aber gleichzeitig einen Spaeher vorgeschickt, der immer 10-15 mtr. vor der Herde ist. Wenn der Spaeher vorrueckt folgt im gleichen Abstand die Herde, es ist schon faszinierend zu beobachten welches Verhalten die Tiere hier an den Tag legen.

Und so kommt die Herde uns immer naeher. Dann meint Josef nun sei es aber genug und an der Zeit die Herde wieder auf Abstand zu bringen was er umgehend in die Tat umsetzt. Aber, weiter als auf die Anfangsentfernung lassen die Tieren sich nicht verjagen, und so beginnt das gleiche Spiel von vorne. Ich vermute das ganze liesse sich bis zum Abend fortsetzen, aber wir wollen ja weiter. Eine unbedingtes Muss ist aber, bevor man einen Rastplatz verlaesst wird alles, aber wirklich alles was man mitgebracht hat, eingepackt und wieder mitgenommen, es darf nichts liegenbleiben was an einen Menschenbesuch erinnert !!!!!!

Wieder gleiten wir lautlos durchs Wasser, linker Hand, keine 5 mtr. entfernt doest ein Krokodil auf einer Sandbank in der Hitze. Fuer so ein Tier waere es ein leichtes unser Boot umzuwerfen oder ihm mit seinem kraeftigen Schwanz einige derbe Schläge zu versetzen. Waehrend wir noch vorbeigleiten hat es sich auch besonnen, schiebt sich schwerfaellig von der Sandbank ins Wasser, taucht unter unserem Boot hinweg und verschwindet. Spaetestens jetzt wissen wir entgueltig weshalb man keine Hand ueber den Bootsrand ins Wasser halten soll.

Josef zeigt voraus auf einen kahlen Baum, seine erfahrenen Augen haben laengst den Fischadler endeckt, der dort auf einem Ast hockt, unsere unerfahrenen Augen brauchen etwas laenger dazu.Ploetzlich ein unerwartetes Rauschen in der Luft, erschreckt drehen wir uns um, das gibts doch nicht ein weiterer Adler hat direkt Kurs auf uns genommen, d.h. es scheint so. Kurz vor dem Boot schwingt er sich majestaetisch in eine Kurve, fliegt seitwaerts ca.5 mtr. an uns vorbei, dicht ueber der Wasseroberfläche und ehe wir es noch ganz begriffen haben was geschieht hat er mit seinen Faengen einen Fisch aus dem Wasser geholt und strebt auf einen nahegelegenen Baum zu.

Winzige Augenblicke entscheiden ueber Leben und Sterben in der Natur und genauso ist es im menschlichen Leben, das haben wir hier gerade eben noch einmal deutlich vor Augen gefuehrt bekommen.

Solche Erlebnisse sind einfach faszinierend und deshalb hat wohl jeder auf der Rueckfahrt ins Camp nicht viel zu sagen, der Tag heute war so uebervoll mit neuen Eindruecken sodass wohl Christa und auch ich diese erst einmal selbst verarbeiten muessen. Aber heute Abend beim Essen auf der Holzveranda, beim Licht der Petroleumlampen, dann wird sicher wieder viel zu erzaehlen sein, und was ich noch nicht weiss, hier erfahre ich auch dann den Beginn einer Geschichte, deren Ende ich spaeter in Deutschland durch Zufall erfahre!

Wenn sie diese Geschichte interessiert, oder wenn sie von den Erlebnissen auf einer Fusspirsch ueber Chiefs Island mehr erfahren moechten, blaettern sie einfach eine Seite weiter !!!

 

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