Abenteuer Botswana

Reisebericht aus einem Erdteil, in dem angeblich die Wiege der Menschheit stand !

 

rolandmueller@t-online.de

Unsere Welt ist schoen, man muss sie nur erleben abseits der ausgetretenen Pfade, zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Solche und aehnliche Gedanken gehen mir durch den Kopf. Vor vier Stunden sassen wir noch in Gaborone hinter dem Haus auf der Terrasse, bei einer Tasse Kaffee. Wir, das sind Christa und Ich.

Ja, und wo liegt eigentlich Gaborone werden sie vielleicht fragen. Eine gute Frage, Gaborone ist die Hauptstadt von Botswana im suedlichen Afrika. Auf aelteren Landkarten findet man es noch unter der Bezeichnung "Betschuanaland", damals noch eine britische Kolonie, und Gaborone ist vielleicht auf ihrer Karte noch gar nicht eingezeicnet. Denn damals war es nur ein kleiner Eisenbahnhaltepunkt an der Grenze zu Suedafrika. Erst nach der Unabhaengigkeit wurde hier die neue Hauptstadt aus dem Boden gestampft. Fast noch im Stadtgebiet liegt der Border zu Suedafrika, Tlokweng. Seit der Unabhaengigkeit 1966 hat sich die Bevoelkerung von Gaborone verfuenfundzwanzigfacht. und betraegt heute ca. 150.000 Menschen. Botswana unterhaelt enge wirtschaftliche Beziehungen zu Suedafrika, die auch schon waehrend der Apartheid bestanden. Die meisten Minen, ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor, stehen unter Suedafrikanischer Kontrolle, und hier ist an erster Stelle wohl De Beers zu nennen.

Und jetzt sind wir unterwegs Richtung Nata etwa 650 km noerdlich von Gaborone. Auf etwa halber Strecke liegt Francistown, eine schon etwas groessere Stadt. Hier haben wir unseren Pajero noch einmal richtig vollgetankt und auch die drei Ersatzkanister nicht vergessen.

Ich glaube hier ist es an der Zeit sich bei allen zu bedanken, die durch manigfaltige Hilfe diese Reise erst moeglich gemacht haben. Da ist meine Schwester Karola, die als Ausgangsbasis ihr damaliges Haus zur Verfuegung gestellt hat, ausserdem sind wir mit ihrem Wagen unterwegs, einem Allrad getriebenen Mitsubishi Pajero. Durch ihre Hilfe lernten wir andere Leute kennen, die uns in anderer Weise behilflich waren. Da waeren Heide und Dragotin zu nennen, die uns mit Benzinkanistern, einem Zelt, Gaskocher und Campinggeschirr behilflich waren. In einem touristisch noch ziemlich unerschlossenen Land wie Botswana sind solche Sachen u.U. lebenswichtig.

Die Strasse zieht sich fast schnurgerade Richtung Norden. Sie ist asphaltiert und etwa 6 mtr. breit. Groesste Aufmerksamkeit ist immer notwendig, denn zu nahe an den ausgefransten Strassen- rand darf man nicht kommen, sonst haut das Auto unweigerlich in eines der unzaehligen Schlagloecher was u.U. fatale Folgen fuer die Radaufhaengung, die Stossdaempfer oder die Achsen haben koennte. Ein solcher Schaden hier, und die Tour waere zu Ende bevor sie ueberhaupt richtig angefangen hat. Ausserdem sind staendig Tiere auf der Fahrbahn unterwegs. Keine Wildtiere, wie z.B. Antilopen oder Gnus, nein ich rede von Ziegen, Eseln und Kuehen usw.. Die Tiere haben die Ruhe weg, bei Eseln kann man noch die Hoffnung haben dass sie gaaaanz langsam die Strasse verlassen, bei Ziegen und Kuehen dagegen muessen wir meistens aussenherum fahren. die lassen sich absolut nicht beirren.Irgendwo im Strassengraben oder unter einem Baum hockt mit Sicherheit ein Hirte, und der wuerde nicht tatenlos zusehen wenn ein Tier seiner Herde zu Schaden kaeme. Also gibt es nur eines, vorsichtig fahren. Aber das ist ja auch in unserem Interesse, so sehen wir einfach mehr von einem wunderbaren Land.

Mit etwas Respekt begegnen wir immer wieder den vierraedrigen Buschtaxis. Das sind Minibusse (Mitsubishi oder Toyota), die meist mit 15 oder 16 Passagieren hoffnungslos ueberladen sind. In Kurven neigen sie sich bedrohlich zur Seite und wir meinen dass sie jeden Moment umkippen muessten. Deshalb unsere Devise "immer reichlich Abstand halten", denn ausserdem verlieren sie ab und zu auch mal Teile der Ladung vom Dach. Mit diesen Minibussen wird einfach alles transportiert.

Ja, und dann gibt es noch die zweiraedrigen Buschtaxis. Das sind Holzkarren mit zwei Raedern, die entweder von einem dreier Eselsgespann oder einem vierer Eselsgespann gezogen werden. Diese Eselsgespanne sind wohl mehr fuer den Nahverkehr, waehrend die Minibusse wohl fuer den Fernverkehr gedacht sind.

Bevor ich es vergesse, da gibt es dann noch die Gelegenheits Taxen, das sind meist kleine Transporter mit Ladeflaeche. Das System funktioniert dann folgendermassen: Die Leute stehen irgendwo an der Strasse, so ein Minitransporter haelt an, der Fahrer fragt wohin, der Preis wird ausgehandelt (irgendwie gibt es Tarife fuer die Entfernungen), der neue Fahrgast schwingt sich auf die Ladeflaeche und los gehts. Auf diese Art und Weise werden hunderte von Kilometern zurueckgelegt.

Am Wochenende, wenn alle aus der Stadt in ihre Doerfer wollen, stehen die Leute mit Sack und Pack an den Ausfallstrassen um mit Minibus oder mit Minitransporter eine guenstige Mitfahrgelegenheit zu bekommen.

Das erste Mal werden wir mit diesem System konfrontiert als meine Schwester sagt, dass Veronika, ihre Maid, am Wochenende einen Lift in ihr Heimatdorf bekommen haette. Einen Lift fragen wir erstaunt, ja und dann bekommen wir das System erklaert. Allerdings wie es nun genau funktionert wissen wahrscheinlich nur die Einheimischen.

Da waere ich doch nun bald am Steuer eingenickt, haette Christa mir nicht einen Puff in die Seite verpasst. Also erst einmal beim naechsten Rastbaum von der Strecke etwas getrunken und die lahmen Gelenke wieder in Bewegung versetzt. Das Wort Rastbaum ist woertlich zu nehmen. Wir finden das ist eine gute Einrichtung. Meist ist es ein weit ausladender Baum, der einen gehoerigen Schatten spendet. Darunter aus Holz oder Beton ein Tisch, zwei Baenke und eine grosse Tonne fuer den Muell.

Wir sehen auf die Karte, weit kann es bis Nata, unserem heutigen Tagesziel, nicht mehr sein. Der Ort Nata besitz einige Bedeutung weil sich hier zwei asphaltierte Strassen kreuzen und es eine Tankstelle gibt. Kurz vor dem Ort werden wir durch ein gut verstecktes Holzschild auf die Lodge aufmerksam gemacht. Ich steuere also den Pajero nach rechts von der Strasse auf eine staubige Sandpiste, die sich zwischen Bueschen hindurch windet. Vor uns ragen einige hohe Palmen in die Hoehe. Und richtig unter diesen Palmen liegt die Lodge. Auf den ersten Blick sieht das Office ziemlich verwaist aus. Aber dann sehen wir, dass die Empfangsdame bei der herrschenden Hitze einfach ihr Buero nach draussen verlegt hat, d.h. sie hat einen Tisch unter das Buerofenster nach draussen gestellt, das Telefon nach draussen gezogen, ihre Akten mitgenommen und ihr Arbeitstempo den Temperaturen angepasst.

Schnell haben wir eingescheckt und den Schluessel in Empfang genommen. Wir bekommen bedeutet hinter der Maid herzufahren, die uns zu unserer Huette bringen soll.

Sie fuehrt uns zu einem Zelt, auf die Frage was wir denn nun mit dem Schluessel machen sollen gibt sie uns zu verstehen, dass dieser Schluessel irgendwie in den Zeltreisverschluss gesteckt werden muss. Nach dieser, etwas merkwuerdigen, Erklaerung verschwindet sie zwischen den Bueschen. Wir sehen uns erstaunt an, das kann es ja wohl nicht gewesen sein.

An dem Schluessel haengt ein Anhaenger mit der Nr.6, also machen wir uns auf die Suche nach der Huette Nr.6 die wir auch schnell finden. Nachdem auch noch der Schluessel passt, ziehen wir, ohne weiteres Fragen vom Zelt zur Huette um. Die ist ein kleines rundes Steinhaus mit einem Strohdach. Vom Fussboden bis ins Dachgebaelk ist alles offen, und beim Eintreten werden wir gleich von einem staendigen Bewohner in Augenschein genommen. Ja, sie lesen ganz richtig, von einem staendigen Bewohner! Zu jeder guten Huette gehoert in Afrika ein Gekko. Unser Gekko sitzt auf einem Dachbalken und schielt mit einem Auge, wer denn nun schon wieder seine Ruhe stoert. Diese niedlichen Tiere sehen nicht nur gut aus, sondern sie erfuellen auch einen Zweck. Sie sind staendig auf der Jagd nach Muecken und Fliegen und sorgen so fuer einen ruhigen Schlaf. Denn nichts ist laestiger als Nachts vom andauernden Gesumm der Fliegen und evtl. Moskitos um den Schlaf zu kommen. Auf unserer weiteren Reise haben wir einmal nachts stundenlang Jagd auf summende Moskitos gemacht, eine nervige Angelegenheit, aber davon in einem spaeteren Bericht.

In der Huette stehen zwei Betten, ein Tisch und zwei Stuehle. Durch eine weitere Tuer geht es zur Dusche bzw. Toilette. Die Eingangstuer hat ein Ober- und ein Unterteil, ungefaehr so wie frueher bei uns die Stalltueren waren. Beim Eintreten merken wir sofort einen angenehmen Temperaturunterschied. Nach der grossen Hitze draussen empfinden wir die Temperatur in der Huette als wohltuend. Das liegt wohl an der traditionellen Bauweise und weil tagsueber alle Fenster und Tueren geschlossen bleiben.

Jetzt wird erst einmal das notwendige aus dem Auto geladen und dann geht es unter die Dusche. Aber da in Botswana, wie in vielen anderen afrikanischen Laendern, dass Wasser knapp ist bleibt es bei einer Katzendusche. Aber trotzdem, danach fuehlt man sich richtig erfrischt. Christa trabt inzwischen zum Office um in Erfahrung zu bringen wann, und wo es zum Dinner geht, und wo die naechste Tankstelle ist.

Dinner gibt es um 19 Uhr, und die Tankstelle ist im Ort, da wo sich zwei asphaltierte Strassen kreuzen. Nach dieser, beileibe nicht landestypischen, genauen Auskunft haben wir noch etwas Zeit uns im Camp umzusehen. Aber es gibt nicht allzuviel zu sehen. Unter hochaufragenden Palmen und zwischen halbhohen Straeuchern vesteckt stehen etwa 8 strohgedeckte Huetten und 6 Zelte. Der Parkplatz fuers Auto ist direkt neben der Huette. Dann gibt es noch einen Pool an den sich die Kueche und das Office anschliessen. Das ist die Nata Lodge.

Fasziniert sehen wir der Sonne zu wie sie fast am Horizont herabfaellt, so schnell geht das hier. Jetzt ist es auch gleich richtig Dunkel, eine lang anhaltende Daemmerung wie bei uns gibt es hier nicht. Ein Gong wird geschlagen, Zeit zum Dinner. Neben uns sind noch vier andere Touristen in der Lodge, die auch zum Essen erscheinen. Jeder hat die obligatorische Taschenlampe dabei, die fuer den Rueckweg zur Huette mit Sicherheit gebraucht wird. Auf den Tischen stehen brennende Kerzen, die die Dunkelheit etwas erhellen. Aus der Kueche hoeren wir Topfgeklapper und Stimmengemurmel. Es ist schon eine eigenartige Stimmung, die einen waehrend des Essens umgibt.

Aber, das hab ich ja noch gar nicht erzaehlt, da ist ja noch ein Hund. So irgendeine Promenadenmischung. Ja also dieser Hund hat sich auch zum Dinner eingefunden. Wem, und wohin er gehoert ist uns nicht so ganz klar aber das ist auch nicht weiter wichtig. Ab und zu steht er auf, verschwindet, um kurz danach wieder zu erscheinen und sich hinzulegen. Hinzulegen, da hab ich mich wohl etwas ungenau ausgedrueckt. Er bleibt stehen um dann ganz ploetzlich senkrecht auf den Bauch zu fallen, wir haben den Eindruch ihm wuerden von einem Moment auf den anderen alle vier Beine wegklappen.

Nach dem Essen bleiben wir noch etwas sitzen um Stimmung aufzunehmen, ja so kann man es ausdruecken. Alles ringsum ist vollkommen lautlos, nur in der Kueche klappert Geschirr und ab und zu dringen Gespraechsfetzen zu uns herueber. Leise rauscht der Wind in den Palmen. Irgendwann gleich werden auch wir unsere Taschenlampen greifen und zur Huette gehen. Denn hier geht es frueh in die Federn bzw. in den Schlafsack.

Die erste Nacht wieder im Busch, erschreckt fahre ich hoch. Was ist das? Taschenlampe an. Ach so, unser kleiner Hausgekko fluechtet erschreckt.

Ganz vorsichtig blinzele ich zwischen den Augenlidern hindurch, so gegen 6 Uhr muss es sein. Vorsichtig taste ich nach der Armbanduhr, irgendwo auf dem Stuhl muss sie doch liegen. Es ist schon ueber 7 Uhr, jetzt sollten wir aber aufstehen, denn wir wollen nicht zu spaet losfahren, und ausserdem noch gemuetlich fruehstuecken. Beim Fruehstueck sind wir anscheinend die ersten, denken wir, doch der noch nicht im Dienst befindliche Barmann, der heute morgen fuer das bewaessern der Pflanzen zustaendig ist, klaert uns auf, dass wir die letzten sind. Aber was solls sagen wir uns pragmatisch, wir haben Urlaub.

Das Fruehstueck ist typisch englisch, so mit Orangensaft, Cornflakes in allen moeglichen Variationen, dann natuerlich Eier gekocht, als Spiegelei oder als Omlett. Wer Bedarf hat kann auch gebratene Wuerste mit Bratkartoffeln bekommen. Nach dem Fruehstueck packen wir rasch unsere sieben Sachen ins Auto, ich sehe noch schnell nach Wasser und Oel und dann kanns losgehen. Heute faehrt Christa, die die ersten Meter noch etwas vorsichtig angeht, an den Linksverkehr muss man sich eben gewoehnen. Ja der Linksverkehr ist auch etwas das die Englaender dem Land hinterlassen haben. Ach ja, wir wollten ja auch noch tanken, wie hatten sie uns gestern erklaert, da wo sich die zwei asphaltierten Strassen kreuzen, da ist die Tankstelle! Da vorne ist sie ja schon.

Und dann erleben wir etwas,wovon man in der "Service-Wueste" Deutschland nur noch traeumen kann!! Wir halten noch nicht richtig, schon stuerzen sich zwei dienstbare Geister auf unser Auto. Einer davon mit Eimer und Lappen bewaffnet, und einer der uns freundlich fragt ob wir volltanken wollen. Christa nickt, und gibt ihm den Schluessel zum Tankschloss, wir bleiben unterdessen einfach im Auto sitzen. Der dienstbare Geist mit Eimer und Lappen hat unterdessen die Scheinwerfer gereinigt und bearbeitet inzwischen hingebungsvoll die Scheiben. Von hinten hoeren wir inzwischen das beruhigende Gurgeln des Benzins in den Tank. Jetzt steigen wir aber doch einmal aus um uns etwas umzuschauen. Die Strasse, die wir weiterfahren wollen geht Richtung Norden nach Kasane zur Grenze nach Simbabwe. Die zweite asphaltierte Strasse die hier muendet kommt aus Richtung Maun bzw. aus dem Okavango-Delta, wobei zu sagen waere, dass diese Strecke erst die letzten Jahre asphaltiert wurde. Vorher war hier eine reine Sandpiste, die in der Regenzeit kaum befahrbar war. Kurz hinter Maun, bei Shakawe hoert der Asphalt allerdings auf und es beginnt die alte z.T. ziemlich zerfahrene Piste, die Richtung Delta immer schlimmer wird.

Aber zurueck zur Tankstelle, ploetzlich hoeren wir einen lauten Ruf, etwas verwirrt drehen wir uns um denn die Moeglichkeit hier jemand Bekannten zu treffen ist doch sehr gering. Und doch, da vorne steht Susanne! Sie ist die Frau eines Entwicklungshelfers, die wir in Gaborone kurz kennengelernt haben. Irgendwie war sie auch an der Zusammenstellung unserer Ausruestung beteiligt. Erstaunte Fragen nach dem woher und wohin! Es stellt sich heraus, dass sie mit einer Bekannten aus Deutschland unterwegs ist. Die beiden kommen gerade aus dem Okavango-Delta und haben die letzte Nacht auf einem Campingplatz verbracht. Fuer uns die Gelegenheit nach dem Pistenzustand im Delta zu fragen, denn in drei Wochen sind auch wir dort unterwegs. Susanne meint dass im Moment alles einigermassen in Ordnung sei. Aber das kann sich von heute auf morgen aendern, es brauch nur ein kraeftiger Regenschauer niederzugehen, und schon ist alles verschlammt bzw. ueberschwemmt. Trotzdem fuer uns ein beruhigendes Gefuehl.

Inzwischen ist der Tankvorgang beendet, und von aussen sieht unser Auto wie neu aus (was es ja auch ist, immerhin erst 9000 km gelaufen) der Tankboy kommt mit dem Kassenzettel zu uns. Wir geben ihm das Geld und er geht zurueck zum Kassierer, laesst quittieren und bringt uns das Wechselgeld sowie die Quittung wieder ans Auto. Alle beide bekommen jetzt ihr Tip (Trinkgeld) und wir koennen wieder starten. Wir verabreden uns noch schnell mit Susanne im naechsten Dorf, etwa 130 km weiter noerdlich auf einen Kaffee und schon geht es weiter.

Unser Ziel fuer heute ist Kasane. Der Ort liegt in der nordoestlichen Ecke von Botswana, etwa 930 km von Gaborone entfernt, im Vierlaendereck Botswana, Zimbabwe, Zambia und Namibia. Er ist sozusagen der Haupteingang in den Chobe Nationalpark. Von hier aus ist es nur ein Katzensprung ueber die Grenze nach Zimbabwe zu den Viktoriafaellen, den groessten Wasserfaellen der Erde.

Aber alles der Reihe nach, soweit sind wir noch nicht! Christa ist heute Driver, und so nutze ich die Gelegenheit anhand von Info-Material zu sichten welche Uebernachtungsmoeglichkeiten in Kasane bestehen. also da ist die Chobe Game Lodge, die Chobe Safari Lodge sowie die Mowana Lodge. Wir hatten uns natuerlich bei der Tour Planung schon mit diesem Thema befasst, und wollen als erstes zur Safari Lodge fahren.

Die Strasse geht schnurgeradeaus. Links und rechts der Strasse ist mehr oder weniger hohes Gebuesch und Straeucher. Es ist schon faszinierend, da hat man die letzten 50 km kein Dorf und keine Huette erblickt, und dann taucht da ploetzlich aus dem Gebuesch ein Mensch auf und hebt den bekannten Daumen um einen Lift zu bekommen. Wir fragen uns immer wieder erstaunt, wo kommt dieser Mensch her.

Genauso ist es wenn auf freier Strecke einer von diesen ueberladenen Mini-Bussen anhaelt, mehrere Leute steigen aus um dann, evtl mit Huehnern, Kindern im Tragebeutel und auch noch Gepaeck neben der Strasse, im Gebuesch, zu verschwinden, waehrend der Bus weiterfaehrt. Wohin gehen diese Leute ?

Unversehens haben wir den naechsten Ort erreicht. Wir biegen von der Strasse ab, holpern ueber einen, mit Schlagloechern gut bestueckten, Parkplatz und stehen vor dem Dorfladen, wo man auch gleichzeitig Kaffee trinken kann. Wir gehen hinein und sehen, dass ausserdem noch so eine Art Kneipe dem Laden angeschlossen ist. Ach, da holpert ja auch gerade Susanne ueber den Parkplatz. Der Kaffee, den wir bekommen, ist heiss, schwarz und stark. Also gerade das richtige um die Lebensgeister wieder zu befluegeln. Christa und ich wollen natuerlich moeglichst viel ueber das Delta wissen und loechern Susanne dementsprechend mit Fragen. Ich sehe auf die Uhr, so allmaehlich sollten wir ans weiterfahren denken, denn, wie schon erwaehnt muessen wir noch eine Uebernachtungsmoeglichkeit suchen, und wer weiss schon was uns auf den letzten 100 km erwartet.

Christa faehrt im Moment wieder, und so habe ich etwas Zeit nachzudenken. Botswana, ein Land mit ca. 1,3 Mill. Einwohnern, die hauptsaechlich 4 verschiedenen Staemmen angehoeren. Ihr hervorstechendstes Merkmal ist ihre betonte Zurueckhaltung, die von vielen Weissen auch als Unfreundlichkeit interpretiert wird. Beim Stamm der Tswana ist diese Zurueckhaltung besonders ausgepraegt, was unlaengst auch von einem aelteren afrikanischen Staatsmann bemerkt wurde. Bei einem Essen in Gaborone, im ersten Hotel am Platz, dem Gaborone Sun Hotel, bemerkte er mit Blick auf die Bedienung "Ein Laecheln wuerde keinen Schaden anrichten, koennte aber sehr viel helfen".

Und wohin jetzt? Diese ploetzliche Frage reisst mich aus meinen Traeumen. Aber, eine sehr berechtigte Frage. Geradeaus, nach links oder nach rechts, alle Moeglichkeiten stehen offen. Zuerst einmal nach rechts, denn dort tut sich eine Tankstelle auf, und das ist immer wichtig. Dann ein Blick auf die Strassenkarte und schon ist fast alles klar. Geradeaus geht es zur Faehre ueber den Sambesi Richtung Sambia, nach rechts geht es zum Grenzuebergang Kazungula Richtung Zimbabwe, und nach links, ja da steht gar nichts aber laut Karte muss das die richtige Richtung sein. Also fahren wir erst einmal nach links, denn bis Kasane und den Lodges kann es nicht mehr allzuweit sein.

Da vorne kommt jetzt ein groesseres Schild, vielleicht steht da etwas brauchbares darauf meint Christa voll Optimismus, und sie hat Recht. Das Schild zeigt den Weg zur Mowana Lodge, die erst vor etwa einem Jahr eroeffnet wurde. Nun ja wenn ein Schild zur Mowana Lodge zeigt wird es auch sicher eines zur Safari Lodge geben.

Und wieder ein Schild, diesmal weist es darauf hin dass es nur noch 600 mtr bis zum Entrance (Eingang) in den Chobe Nationalpark sind. Haben wir uns etwa verfahren?

Alles klar, vorne rechts ist die Einfahrt zur Safari Lodge, hier endet auch gleichzeitig die Teerpiste. Jetzt werden wir gleich erfahren ob noch etwas frei ist, denn viel Lust noch weiter zu suchen haben wir beide nicht. Eine freundliche Empfangsdame gibt uns zu verstehen dass noch frei ist und fragt gleichzeitig wie wir zu zahlen gedenken, Cash or Card? Nachdem die Formalitaeten abgewickelt sind erst einmal aus den verschwitzten Klamotten raus und ein kurzer Sprung unter die Dusche. Jetzt koennen wir diese Moeglichkeit noch nutzen, auf der weiteren Tour wird es mit Sicherheit nicht mehr so komfortabel.

Es ist inzwischen spaeter Nachmittag geworden. Wir wollten ja heute noch eine Bootsfahrt auf dem Chobe-Fluss unternehmen, aber Christa meint, nach einem Blick zum Himmel, dass wir die Bootsfahrt wohl besser ausfallen lassen. Es sind dunkle Wolken aufgezogen und es sieht nach Regen aus. So ein richtiger Regenschauer in den Tropen hat mit unseren Regenschauern nur eines gemeinsam, man wird nass. Aber sonst, innerhalb kuerzester Zeit prasselt eine solche Menge Wasser vom Himmel wie in unseren Breiten in einem Monat. Allerdings scheint nach solch einem Wolkenbruch meist wieder die Sonne, was man bei uns nicht unbedingt behaupten kann.

Also dann keine Bootsfahrt und stattdessen in einen der Korbstuehle gesetzt, die am hohen Ufer des Chober River stehen. Ich nehme mir mein Buch zur Hand, das ich schon in Gaborone angefangen habe zu lesen, und das mich immer mehr interessiert. Der Titel des Buches lautet "Verheissene Erde" und die Handlung spielt in grossen Teilen in dem Gebiet welches wir bereissen. Sie handelt von der Besiedlung Suedafrikas durch die Buren, von deren Erkundungszuegen Richtung Norden ueber den Oranjefluss also dem heutigen Zimbabwe bzw. Botswana, den Kaempfen mit den Eingeborenenstaemmen, in erster Linie den Zulus und deren grossen Koenig Shaka und seinen Nachfolgern. Ausserdem werden viele Streitigkeiten mit den Englaendern anschaulich dargestellt. Hier sie nur Cecil John Rhodes erwaehnt, dessen Grab im Matopos Nationalpark in Zimbabwe wir noch besuchen werden. Dieses Buch haelt mich richtig gefangen, es passt so richtig zur Atmosphaere, Stimmung und Landschaft.

Pitsch, Pitsch!!! Was ist das? Also doch Recht gehabt, die ersten Regentropfen fallen, rasch greifen wir unsere sieben Sachen und ziehen uns in die ueberdachte Bar zurueck. Hier haben sich inzwischen noch mehr Gaeste eingefunden, die alle Schutz vor dem kommenden Regen suchen. Es dauert nur ein paar Minuten dann oeffnet der Himmel seine Schleusen, und die muessen heute besonders voll gewesen sein. Es prasselt auf Dach, dass wir unser eigenes Wort nicht mehr verstehen, der Regenvorhang ist so dicht dass wir kaum 100 m weit sehen koennen. Der Blick reicht gerade bis zum Bootsanlegesteg und dort legt gerade ein Boot an. Die Insassen, die jetzt aussteigen sind so nass, dass sie auch gleich noch einmal in den Fluss springen koennten, es wuerde nicht schlimmer werden, es sei denn es kaeme noch ein Krokodil hinzu. Bei diesen Passagieren waeren wir auch um ein Haar gewesen.

Wieviel bequemer haben wir es jetzt, so mit einem Drink an der Bar, mit Blick nach draussen in den prasselnden Regen.

Allmaehlich kommt der Abend, die Sonnenkugel ist jetzt schon sehr nahe am Horizont. Ich bin ans hohe Ufer des Chobe River gegangen und sitze dort auf einem Baumstamm. Ueber den glaenzenden Fluss, der hier etwas 300 m breit ist, geht der Blick ans andere Ufer. Der Uferbewuchs des Chobe besteht hier aus Baeumen und Straeuchern, die aber so weit auseinanderstehen, dass der Blick immer wieder auf die dahinterliegende Steppe fallen kann, die z.Zt. mit halbhohem Gras bewachsen ist. Eine friedliche Abenstimmung, die nur vom leisen Rauschen des Flusses und den immer weniger werdenden Vogelstimmen unterbrochen wird. Mit etwas Phantasie sehe ich dort am anderen Ufer, durch das Gras der Steppe, eine Expeditionskarawane ziehen. Die Eingeborenen Traeger haben die Lasten auf dem Kopf, fast glaube ich, leisen eintoenigen Singsang ueber den Fluss schallen zu hoeren.

Ach was, dies ist nur ein Traum und passt so absolut nicht in die Gegenwart. Aber hier kann man leicht auf solche Gedanken kommen. Und ausserdem, vielleicht war es so, damals 1855, als der Afrika-Reisende und Forscher Sir David Livingstone nach den Quellen des Sambesi suchte und die "Donnernden Wassser" (Victoria-Wasserfaelle) fand. Die Faelle liegen nur ca. 80 km von hier in der Richtung in die Livingstone damals zog. Vielleicht ist er wirklich am anderen Ufer voruebergezogen.

Die Sonne ist inzwischen untergegangen. Die Vogelstimmen sind ebenfalls verstummt nur noch das leise plaetschern der Wellen ans Ufer ist zu hoeren, die Natur bereitet sich auf die Nacht vor. Auch fuer mich wird es nun Zeit zurueckzugehen. Aber noch im Weggehen werfe ich ueber die Schulter einen Blick zurueck auf den Fluss, ueber den sich jetzt ein sanftes rotes Licht ausgebreitet hat. Das ist Afrika Live. Ja, und das ist Hunger Live, denn so allmaehlich macht mein Magen durch ein leichtes Knurren auf sich aufmerksam, und diesem Wink mit dem Zaunpfahl werde ich nun schleunigst folgen. Morgen wollen wir in aller Fruehe in den Chobe-Nationalpark fahren, um vielleicht die bekannten Elefanten des Chobe bei der Traenke zu beobachten.

 

 

 

Und das kommt in einem der nächsten Berichte:

 

Die Donnernden Wasser

Bei einem Anblick der so schoen ist, werden selbst die Engel in ihrem Flug hingesehen haben. (Sir David Livingstone 1855)

 

 

 

Fortsetzung folgt ......

 

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