Abenteuer Botswana

Reisebericht aus einem Erdteil, in dem angeblich die Wiege der Menschheit stand !

Noch etwas verschlafen sehe ich auf die Uhr, 5 Uhr, eine innere Stimme sagt mir zwar das wir noch etwas liegenbleiben sollten, aber wir sind nicht zum Schlafen nach Afrika gekommen. Trotzdem, etwas schlaftrunken bin ich nun doch, denn irgendwie muss ich mir mit Gewalt in Gedaechnis rufen wo wir uns im Moment ueberhaupt befinden. In der Nordoestlichsten Ecke von Botswana, im Vierlaendereck Namibia, Botswana, Sambia und Zimbabwe. Unser Quartier ist die Chobe Safari Lodge in Kasane und von hier sind wir in 10 Minuten im Chobe Nationalpark. Aber von hier aus waeren wir auch in etwa 15 Min. ueber den Border(Grenzuebergang) Kazungula in Zimbabwe und dann Richtung Victoria Falls unterwegs. Oder ueber den Border Ngoma Bridge in Namibia. Fast genauso schnell ist auch Sambia mit der ersten groesseren Stadt Livingston zu erreichen. Kurz gesagt, von hier aus stehen uns alle Wege offen. Nur bei den Grenzformalitaeten muss man halt genuegend Geduld und manchmal auch ziemliche Ueberzeugungskraft aufbringen. Die dortigen Beamten halten naemlich immer wieder Ueberraschungen bereit. Im Laufe unserer Weiterfahrt werde ich noch von manch merkwuerdigen Erlebnissen bei den Zollformalitaeten berichten koennen.

Aber, jetzt wird es doch allmaehlich Zeit fuer uns, also rasch raus aus den Federn, anziehen, waschen, ja und in Afrika sollte man bei jeder moeglichen Gelegenheit einmal aus dem Fenster sehen, denn immer wieder sind Ueberraschungen moeglich.Ich bin gerade dabei so "die wichtigsten Dinge" zu ueberpruefen, wie z.B. Fotoapparat, Filmkamera usw. als mich Christa in einen Nebenraum ruft. Sie steht am Fenster und kann es noch gar nicht richtig fassen, ich sehe ebenfalls hinaus und glaube es auch nicht so ganz. Da steht doch tatsaechlich direkt vor unserem Fenster ein ausgewachsenes Hippo (Flusspferd) und ist in aller Ruhe Gras am fressen. Wir verhalten uns ganz ruhig, denn so nahe ca. 4 mtr. kommen wir in freier Natur niemals an die Tiere heran. Wir koennen jede einzelne Hautfalte sehen, und fuehlen foermlich die ungeheure Kraft, die in so einem Koloss steckt. Gut eine halbe Stunde bleiben wir am Fenster stehen und beobachten, dann hat sich das Hippo so weit entfernt dass wir ungefaehrdet unseren Rondavels verlassen koennen. Christa meint, dass mit leerem Magen eine Safari nicht erfolgreich sein kann und so einem schlagenden Argument kann ich nur zustimmen. Also gehen wir erst einmal zur Kueche und versuchen eine, oder auch mehrere Tassen Tee zu schnorren. Wir haben Glueck, der Koch ist willig.

Trotz des unvorhergesehenen Aufenthaltes ist es immer noch frueh am Morgen und fast kein Mensch ist unterwegs in der Lodge. Sie besteht aus einem Haupthaus mit der Rezeption und einem Restaurant in dem zu den Mahlzeiten ein reichhaltiges Bueffet angeboten wird. Die Gaeste sind allesamt in kleinen landestypischen Rondevels untergebracht, die verstreut am Ufer des Chobe liegen. Hier auf diesem Bild kann man deutlich sehen wo sich das Hippo am Gruenzeug guetlich getan hat. Es ist das linke Rondavell mit dem Gruenstreifen unter dem Fenster. Direkt daneben beginnt der angeschlossene Campingplatz und es bedarf keiner grossen Phantasie sich vorzustellen was geschehen koennte wenn so ein Koloss ueber den Campingplatz traben wuerde.

Wir beeilen uns jetzt etwas denn ab 6 Uhr ist das Gate in den Chobe Nationalpark geoeffnet und wir wollen bei den ersten sein die Einfahren. Ich meine dass heute morgen der Ranger am Schlagbaum und im Office noch etwas verschlafen aussieht, was Christa allerdings nicht bestaetigt. Aber dies ist auch nicht besonders wichtig und ich bin morgens sowieso nicht fuer grosse Grundsatzdiskussionen zu haben. Auf jeden Fall eines steht fest, in diesen fruehen Morgenstunden ist die Change Tiere zu sehen in der Naehe des Chobe River am groessten und deshalb schlagen wir erst einmal diese Richtung ein.

Jetzt koennen wir auch zum erstenmal unseren Allrad sinnvoll einsetzen, denn die Piste besteht z.T. aus tiefen ausgefahrenen Sandspuren. Wir koennen auch Stellen befahren, die fuer einen normalen PKW nicht erreichbar sind. Weiter bemerken wir mit Erleichterung dass hier absolut nichts von Touristen ueberlaufen ist. Bis jetzt ist uns noch kein weiteres Fahrzeug begegnet.

Und wonach halten wir Ausschau, na klar, nach den Elefanten. Der Chobe ist bekannt durch seine grossen Elefantenherden. Waehrend der Trockenzeit sind schon bis zu 35.000 Tiere hier gezaehlt worden (Botswana Sales Guide 1993). Hier ist die groesste Elefanten Population, an einem Ort, in Afrika. Die Tiere wandern entlang des Chobe River, der immer wasserfuehrend ist. Wir fahren jetzt ganz langsam weiter. Weiter voraus kommt der Chobe River in Sicht und falls, ja falls Elefanten da sind sollen sie nicht durch unnoetigen Laerm aufgeschreckt werden. Doch fuer heute morgen haben die Dickhaeuter anscheinend ihre Morgentoilette schon beendet oder, vielleicht auch noch garnicht angefangen. Auf jeden Fall ist kein Elefant in Sicht! So etwas, hatten wir doch bestimmt damit gerechnet Elefanten zu sehen und sind jetzt etwas enttaeuscht. Aber wie so oft im Leben, erstens kommt es anders, zweitens als man denkt, und hier muss man sowieso staendig mit irgendwelchen Ueberraschungen rechnen!

Abrupt trete ich auf die Bremse, da ist doch etwas seitlich im Busch ? Tatsaechlich nur ein paar Meter entfernt kommt eine Loewin um eine Buschecke und geht, ohne uns weiter zu beachten, quer vor dem Auto ueber die Piste um dann auf der anderen Seite wieder im Busch zu verschwinden. Vielleicht spuert auch sie eine gewissen Leere in der Magengegend. Wir sehen uns perplex an, manche Leute wollen krampfhaft Loewen sehen, und uns, ja uns laufen sie mal gerade so ueber den Weg. Christa meint, wo einer ist muessen auch noch mehr sein und so fahren wir gaaaanz langsam weiter.

Das Gelaende besteht aus niedrigen Bueschen, die ab und zu von einem kleinen Baum ueberragt werden. Niedrige Sandhuegel tauchen vereinzelt auf und geben so ein abwechslungsreiches Bild. So ein Sandhuegel ist es auch, der aus der Ferne durch seine merkwuerdige Form unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Christa hat sich das Fernglas gegriffen und versucht, trotz der holprigen Fahrt, Klarheit zu gewinnen. Jetzt hat der Beifahrer eindeutig die besseren Karten, er kann sich voll und ganz auf die Landschaft konzentrieren, waehrend die Aufmerksamkeit des Fahrers zwischen Landschaft und Piste geteilt ist, und die ist im Moment nicht einfach zu fahren. "Da vorne liegt noch einer"! Wer liegt wo, frage ich ? Na, da vorne auf dem Sandhuegel liegt noch ein Loewe. Richtig, da hat sich doch ein Loewe so richtig malerisch auf einem Sandhuegel platziert. Durch die Faerbung des Fells ist er allerdings nur bei genauem hinschauen vom Sand zu unterscheiden. Ich fahre langsam und vorsichtig naeher, bremse jetzt ab, und wir erkennen dass der Loewe auf dem Sandhuegel wohl so eine Art Waechterfunktion hat. Denn im weiteren Umkreis des Sandhuegels hat sich anscheinend eine ganze Sippe niedergelassen.

Wir zaehlen 10 Tiere, die uns allerdings anscheinend kaum beachten. Wir lassen uns aber nicht taeuschen, mit Sicherheit haben sie uns im Blickfeld. Ich verlasse die Piste und versuche in einem grossen Bogen von hinten an die Tiere heranzukommen. Es geht ueber Stock und Stein, der Wagen schlingert von einer Seite auf die andere ohne Allrad ginge hier gar nichts. Also, ganz vorsichtig von hinten Anpirschen.

Ja was ist denn das!! Beinahe haetten wir sie uebersehen! Unter einem schattenspendenden Strauch liegen junge Loewen. Die Stelle ist von der Piste aus nicht einsehbar und deshalb nur durch einen Zufall zu finden. In manchen afrikanischen Laendern wuerden sich jetzt Herden von Kleinbussen mit Touristen einfinden um diesen, sicherlich nicht alltaeglichen, Anblick zu geniessen. Dem ist hier nicht so. Hier ist naemlich keiner ausser uns beiden. Wir koennen in aller Ruhe und mit dem noetigen Abstand die Tiere beobachten.

So niedlich die jungen Loewen auch aussehten, aussteigen aus dem Auto kaeme jetzt wohl eher einem Selbstmord gleich. Wir bleiben ruhig im Auto sitzen und nachdem die grossen Tiere unser Auto ausgiebig berochen und mehrmals umgangen haben verlieren sie scheinbar das Interesse an uns, aber nur scheinbar. So vergeht gut eine halbe Stunde, aber was solls wir haben Zeit, es ist niemand da der uns draengt und ausserdem, wann bekommen wir noch einmal so einen Anblick geboten.

Immer wieder kommt ein Loewe zum Auto und macht einen Rundgang, aber nachdem sich nichts veraendert zieht er wieder ab. So, nun wird es fuer uns auch Zeit, denn wir moechten noch gerne die Elefanten sehen und die warten bestimmt nicht auf uns. Ganz langsam und vorsichtig fahren wir zurueck zur Piste, viel zu sagen gibt es im Moment nicht, denn das sind doch schon tolle Eindruecke, die uns heute morgen schon geboten werden, und das alles auf nuechternen Magen! Wenn das so weitergeht!!

Es ist jetzt so gegen 7.30 Uhr und wir fahren noch einmal Richtung Fluss um evtl jetzt doch noch Elefanten zu sehen. Die Wahrscheinlichkeit ist zwar nicht besonders gross, aber wir meinen es sei noch einen zweiten Versuch wert.

Oh Wunder, da kommt uns ja tatsaechlich auch einmal ein anderes Fahrzeug entgegen und zeigt uns dass wir nicht alleine unterwegs sind. Es ist der Landrover von der Game Lodge, die innerhalb des Nat.Parks liegt. Auf der Ladefläche des Landrovers hocken 5 oder 6 Touristen die auch eine Morgenpirsch machen. Ihr Fahrer, ein Ranger der Lodge haelt neben uns an. Ein freundliches "Good Morning" und die obligatorischen Fragen wer, wo, was gesehen hat und fuer uns die Bestaetigung dass am Fluss keine Elefanten in Sicht sind. Also sagt Christa "Das Thema koennen wir fuer heute wahrscheinlich abhaken"! Aber wir haben ja noch einige Wochen vor uns.

Bevor ich es vergesse, wie vorhin schon gesagt liegt die Chobe Game Lodge innerhalb des Nat.Parks und vor einiger Zeit sind wir an der Lodge vorbeigefahren. Da hatten wir auch das Erlebnis, dass ploetzlich links aus dem Busch eine ganze Herde Warzenschweine laut quietschend quer vor unserem Auto ueber die Piste tobte. Das war gleich zu Anfang ein Wink mit dem Zaunpfahl nicht allzu schnell zu fahren.

Die Landschaft hat sich geaendert, die vereinzelten Sandhuegel sind veschwunden und niedrige Straeucher mit saftigen gruenen Blaettern praegen jetzt das Bild. Die Blaetter sind deshalb noch gruen und saftig weil es erst kurz nach der Regenzeit ist, im weiteren Verlauf des Jahres muessen die Tiere wieder naeher an den Fluss wandern um Gruenzeug zu finden, dann ist hier alles trocken und duerr. Aber jetzt ist dies der ideale Fruehstueckstisch fuer Antilopen.

Die Piste windet sich jetzt fast um jeden einzelnen Strauch und richtig da stehen sie schon, die Antilopen, um mit langen gereckten Haelsen nach dem saftigen Gruen zu schnappen. Wie sie so da stehen und mit ihren Kiefern das Gruenzeug zermahlen muss ich daran denken dass in der Lodge auch auf uns ein Fruehstuecksbueffet wartet, und wir uns so allmaehlich auf den Rueckweg machten sollten.

In der Lodge wieder angekommen steuere ich zuerst unsere Huette an und dort, dort sind tatsaechlich schon die Handwerker am Gange. Am Abend vorher hatten wir staendig Schwierigkeiten mit der Elektrik, entweder funktionierte eine Lampe oder die andere Lampe, oder der unter der Decke montierte Miefquirl (Ventilator), alles zusammen war unmoeglich und fuehrte regelmaessig zu einem Totalausfall. Christa hatte das zwar noch an der Rezeption gemeldet aber ernsthaft hatten wir waehrend unseres Hierseins nicht mehr mit einer Reparatur gerechnet, deshalb sind wir jetzt angenehm ueberrascht. Aber wie dem auch sei, ein kurzer Sprung unter die Dusche und dann zum Fruehstueck.So eine Morgenpirsch kann ungeheuren Appetit machen und deshalb lassen wir es uns bei Croissants, Spiegeleiern, Wuersten, Tee usw. gutgehen.

Ein voller Magen macht auch traege und deshalb beschliessen wir fuer ein paar Stunden jegliche Aktivitaet einzustellen, d.h. Christa schnappt sich etwas zu lesen und zieht sich in irgendeine finstere Ecke zurueck. Auch ich nehme mir meine Reiselektuere "Verheissene Erde" sowie einen Klappstuhl, decke mich an der Bar noch mit trinkbarem ein und setzte mich ans Ufer des Chobe River. Zum Lesen und Trinken bin ich dann aber gar nicht gekommen, denn ploetzlich hat mich die Muedigkeit erfasst und ohne es richtig zu wollen bin ich eingeschlafen. Eigentlich eine Schande, da sitzt man nun an einem wunderbaren Fleck der Erde und was mache ich, ich schlafe !!! Aber irgendwie ist es auch klar, die letzten 10 Tage waren so voll von neuen Eindruecken und Erlebnissen dass irgendwann der Punkt kommt wo man nicht mehr Aufnahmefaehig ist und der Geist eine Ruhepause braucht.

Irgendwo hoere ich deutsche Stimmen, erst glaube ich zu traeumen und muss erst einmal kraeftig die Augen reiben um wach zu werden, aber die Stimmen bleiben! Es ist also kein Traum, da steht ein junges Paar ganz in der Naehe und unterhaelt sich auf deutsch. Aus der Unterhaltung entnehme ich, dass die beiden erst gerade angekommen sind und jetzt zum erstenmal am Ufer des Chobe stehen. Waehrend ich noch ueberlege die beiden anzusprechen, kommt Christa ueber den Rasen. Sie sieht auch noch etwas verschlafen aus und meint dass auch sie die Muedigkeit erfasst haette. Sie knuepft mit den beiden, die sich als Frank und Ulrike vorstellen, sofort ein Gespraech an und wir erfahren dass die beiden auch Einzelreisende sind und tatsaechlich eben gerade aus Windhuk/Namibia eingetroffen sind. Frank sagt:"Sagen wir mal so, wir sind von Windhuk losgefahren, und nach drei Tagen hier eingetroffen, denn bis hierhin war unsere Tour ein einziger Streß. Meine Frau war nahe daran aufzugeben und zurueckzu- fahren". Und dann erzaehlen die beiden von Ihren bisherigen Erlebnissen.

Sie hatten in weisser Voraussicht von Deutschland aus ihr Auto als Four Wheel Drive (Allradantrieb) gebucht. Als sie dann in Windhuk beim Autovermieter ihr Fahrzeug abholen wollten sei ihnen gesagt worden Sorry, aber ihr Auto in der Allradversion sei erst wieder in 5 Tagen verfuegbar sie koennten aber den gleichen Fahrzeugtyp mit Hinterachsantrieb (Toyota Hilux) sofort uebernehmen. Froh, uebehaupt noch ein Fahrzeug zu bekommen haetten sie gleich zugeschlagen und sich auf die Reise durch Namibia, ueber den Caprivi Streifen, nach Botswana gemacht. Und damit fing alles an !!

Fuer die letzten 400 km, ab dem Ort Bagnani in Namibia bis hier nach Kasane brauchten wir 2 volle Tage, sagt Frank, und dabei schwitzten wir Blut und Wasser. Christa und ich schauen uns an, denn die gleiche Strecke wollen wir auch fahren. Wir wissen wo Bagnani liegt, denn dort haben wir einen Tankstopp vorgesehen. Jetzt sind wir im eigenen Interesse neugierig und draengen Frank weiter zu erzaehlen.

Bis Bagnani sei alles wunderbar gelaufen, was auch kein Wunder sei, denn seit neuestem ist die Strasse bis dorthin asphaltiert. Ja, und dann sei das Elend in Form von endlosen Wolkenbruechen losgegangen. Die Piste besteht aus mehr oder weniger festgefahrenem Lehm und Sand, und wird regelmaessig abgeschoben, wobei die losen Sand und Lehmteile an den Pistenrand gedraengt werden. Ausserdem sei die Strecke rundgefahren d.h. die Strassenmitte liegt hoeher als die linken und rechten Strassenraender. Dadurch sei bei den starken Wolkenbruechen das Wasser zwar von der Strasse abgeflossen habe sich aber am linken und rechten Straßenrand gesammelt und dort zusammen mit dem losen Sand und Lehm einen fast undurchdringlichen Morast gebildet.

Durch die Naesse sei die Piste selbst sehr glitschig geworden, und der Toyota sei ohne Allrad nicht mehr auf der schraegen Fahrbahn zu halten gewesen. Wir sind laufend, egal ob links oder rechts, an den seitlichen Fahrbahnrand gerutscht und dort dann im Sand und Lehm Morast gelandet. Dies war das eine Problem, das andere war dass die Strecke Wasserlaeufe quert, die natuerlich bei den Regenfaellen entsprechend Wasser fuehrten. Wir mussten also vorher immer Anlauf nehmen um durchzukommen, denn einmal steckengeblieben waeren wir aus eigener Kraft nicht wieder herausgekommen. Also, schliesst Frank seinen Bericht ab: "Ohne Allrad werde ich diese Strecke nie wieder fahren" und Ulrike nickt bestaetigend dazu.

Christa und ich sehen uns erleichtert an, verheisst doch der Wetterbericht keinen Regen, und ausserdem sind wir Fahrzeugmaessig doch besser bestueckt, also duerfte dies fuer uns kein Problem sein. Wir Ahnungslosen, wir wissen ja noch nicht, dass der Ort Bagnani fuer uns aus einem anderen Grund in bleibender Erinnerung bleiben wird. Jetzt wollen die beiden noch wissen wie die Pisten im Chobe befahrbar sind und ich erklaere ihnen dass die Hauptstrecken gut zu befahren sind, die Landschaftlich reizvollsten, und die Pisten entlang des Flusses aber z.T. aus tiefem Sand bestehen sodass mit ihrem Auto dort kein Fortkommen ist."Wenn ihr wollt, koennt ihr ja die Pirsch heute Nachmittag in unserem Wagen mitfahren". Ulrike stimmt zu, und so verabreden wir uns fuer nach dem Tee, so gegen 16 Uhr.

Ja, das mit dem Tee ist auch so etwas das die Englaender ueberall da hinterlassen haben wo sie einmal gewesen sind. Ich finde dies ist einmal eine gute Hinterlassenschaft, so nachmitags bei einer Tasse Tee zusammenzusitzen und, um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen auch noch Teegebaeck dabei zu essen. Aber vielleicht ist dies auch schon wieder Luxus. Ich weis nicht?

Wie so oft im Urlaub haben wir das Gefuehl das die Zeit nur so fliegt. Im Handumdrehen ist es 16 Uhr und Christa draengt zum Aufbruch. "Na gut" meine ich, "geh Du mal zu Ulrike und Frank und sieh nach ob die beiden schon startklar sind, ich gehe schon zum Auto und sehe nach Wasser und Oel dort treffen wir uns dann". Hier wo es nicht an jeder Ecke eine Werkstatt gibt ist es schon wichtig den Wagen jeden Tag mal kurz durchzusehen. Bei den hiesigen Straßen bzw. Pistenverhaeltnissen wird das Material ganz schoen strapaziert. Alles ist okay, und so stehe ich jetzt herum und warte auf die drei. Wo die wohl wieder bleiben? Aber wenn man vom Teufel spricht kommt er schon um die Ecke.

Wie ja schon gesagt bis zum Gate haben wir es nicht weit. Wieder fuehrt unser Weg an der Chobe Game Lodge vorbei, in der uebrigens Liz Taylor und Richard Burton ihre zweiten Flitterwochen verbrachten. Hier passierte auch die Episode die uns gestern Abend noch erzaehlt wurde, dass bei aufgelassener Terrassentuer ein Pavian die Kulturtasche eines Gastes samt Inhalt mitnahm, sich auf das naechstgelegene Dach setzte und in aller Seelenruhe Seifenstuecke und Malariatabletten zerbroeselte, natuerlich zum allgemeinen Spass.

Halt! Stop! Seitlich von uns stehen die ersten Anilopen im Busch die sich an den Blaettern der Buesche guetlich tun. Ganz klar hier ist schon wieder der erste Halt! Aber wie der Mensch nun einmal ist auch ich muss austesten wie nahe man herankommt. Gaaaanz langsam, im Kriechtempo schleichen wir uns naeher. Irgendwann reicht es aber, das erste Tier hoert auf zu fressen und aeugt aufmerksam zu uns herueber. Wir verhalten uns ganz ruhig weil inzwischen die gesamte Herde uns in Augenschein nimmt. Alles ist eine Frage der Ausdauer. Irgendwann haben sie aber genug, vielleicht ist aber auch die Verlockung der gruenen Blätter zu gross. Jedenfalls wenden sie sich wieder angenehmeren Dingen zu und ich fahre langsam und vorsichtig rueckwarts um dann die Herde zu umgehen.

"Fahren wir noch einmal zu Fluss, vielleicht sind jetzt die Elefanten da" schlaegt Christa vor. Also grobe Richtung rechts zum Wasser sage ich mir. Wie schon in einem anderen Bericht gesagt ist der Chobe Nationalpark bekannt fuer seine Elefanten, die hier in reicher Anzahl zu finden sind und erhebliche Probleme verursachen. Aber weshalb sind hier so viele Elefanten zu finden. Ein beim "Wildlife Trust" engagierter Rancher, den wir darauf ansprechen erklaert uns: Botswana hat seit Jahrzehnten keinen Buergerkrieg oder sonstige Kaempfe mitgemacht. Elefanten lieben stabile Verhaeltnisse und haben ein kollektives Langzeitgedaechnis, das sie gefaehrliche Regionen fuer lange Zeit meiden laest. Sie emigrierten z.B.aus Angola. Dort gab es im Buergerkrieg Minenfelder, die dort kaempfenden Soeldner finanzierten ihre Waffenkaeufe z.T. durch Elfenbein. Die Herden meiden Zimbabwe (Rhodesien) seit dem dortigen Buergerkrieg, der zwar schon lange vorbei ist, aber das Langzeitgedaechnis der Elefanten ist unwahrscheinlich. Ausserdem kann man dort noch heute fuer viele Dollars (10.000) einen Elefanten abschiessen. Auch im zu Namibia gehoerenden Caprivi Zipfel, am anderen Ufer des Chobe Flusses, wird auf Elefanten geschossen. Dies alles gibt es in Botswana schon lange nicht mehr, auch ausserhalb der Nationalparks. So sagt einer der es eigentlich wissen muesste !!!

Wir naehern uns nun wieder dem Fluss, die Vegetation wird reichhaltiger und neben Gebuesch wachsen nun auch immer mehr Baeume."Wie war das gestern, habt ihr da Elefanten gesehen" fragt Ulrike von hinten, bevor ich noch antworten kann kommt von Christa neben mir die trockene Antwort "Nein, gestern haben wir noch keine gesehen aber wenn wir nicht sofort anhalten haben wir gleich einen ueberfahren"!

Tatsaechlich, da vorne geht doch einer quer ueber die Piste und genau genommen hat er sogar Vorfahrt. Denn erstens haben Tiere im Busch immer Vorfahrt und ausserdem kommt dieser auch noch von rechts. Wenn es nicht gerade ein Einzelgaenger ist muesste normalerweise die Herde irgendwo hier in der Naehe sein. Also erst einmal stehenbleiben und sehen und hoeren. Aber nichts ruehrt sich, keine Bewegung ist im Busch zu bemerken. Allerdings ist das Gelaende auch ziemlich unuebersichtlich oder es ist tatsaechlich ein Einzelgaenger und die koennen oft sehr gefaehrlich werden. Nun ja, ewig wollen wir hier nicht warten und weiter gehts.

Ueberall sehen wir jetzt frische Elefantenspuren und Elefantendung. Allmaehlich habe ich das Gefuehl hinter jedem Strauch muss nun doch einer stehen, aber wieder nichts.

Was ist denn nun das schon wieder, ein Wasserturm mitten im Busch? Ganz genau, es ist ein Wasserturm. Durch die hochstehende Vegetation haetten wir fast das Serondela Camp uebersehen, wozu dieser Wasserturm gehoert. Das Camp besteht aus ein paar kleinen Rondavels fuer die Rancher und der Campsite. Es ist nicht irgendwie abgegrenzt oder geschuetzt. Ein Camp suggeriert auch ohne Zaun Sicherheit. Man sollte natuerlich ein paar Vorsichtsregeln beachten so z.B. nicht im Freien, oder bei geoeffnetem Zelt schlafen.

Bisher war die Piste "bumpy" (hart und holprig), aber jetzt kommen wir am Ufer auf einen echten Pirschweg, der nie irgendwie bearbeitet wurde. Eine holprige Fahrspur z.T. tief ausgefahren zwischen Hochufer und Fluss. Hops, und wieder ist das Auto in ein Loch in der Piste gefallen. Christa und ich haben aus den Erfahrungen von gestern gelernt und uns angeschnallt. Ulrike und Frank hinten im Auto sammeln halt noch "Erfahrung" und sind deshalb mit ihren Koepfen ziemlich heftig an das Autodach und den Scheibenrahmen gestossen. Jetzt merken sie auch, dass das Anschnallen dem eigenen Schutz dient. "Jeder sammelt so seine eigenen Erfahrungen" ist Christas Kommentar von vorne.

Diese Nebenpisten sind einfach am schoensten, find ich jedenfalls. Wenn wir Glueck haetten koennten wir sogar Bueffel am Flussufer sehen, wurde uns gesagt. Aber irgendwie sind wir bisher den Tieren kunstvoll aus dem Wege gefahren. Rechts tauchen jetzt mehrere dicke Baobab Baeume auf die, wahrscheinlich von Elefanten, bis zu einer Hoehe von ca. 3 mtr. abgeschrammt worden sind. Soweit wir bis jetzt das Flussufer ueberblicken ist kein einziges Tier zu sehen. "Also fahren wir wieder in die Baum- und Buschsavanne" sage ich, denn gerade vor mir liegt es schoenes Stueck Steilufer und mir juckt es in den Fingern gerade an dieser Stelle hochzufahren. Christa merkt was ich vorhabe und fragt nur ob die Freilaufnaben auf "Lock" und von H2 auf H4 umgehebelt sind. "Klar" sage ich und los geht es. Es geht steil bergauf durch losen Sand, die Raeder mahlen sich langsam vorwerts wie im Schneckentempo. Hier macht Offroad noch richtig Spass, vorausgesetzt man hat das richtige Fahrzeug.

Die Savanne liegt wieder vor uns und wieder sind wir auf einem Pirschweg, und jetzt sind wir erst einmal sprachlos, denn ploetzlich sind ueberall Tiere. Das ist Afrika denke ich mir. Wildtiere lassen sich halt nicht an einen bestimmten Ort bestellen so wie im Zoo, wir mussten schon etwas danach suchen. Wer diese Einstellung mitbringt kann alles moegliche erleben, wer aber meint: Hier bin ich, und wo sind jetzt die Tiere, der ist hier am falschen Ort.

So, oder so aehnlich muss es im Paradies ausgesehen haben. Vor uns laufen Paviane ueber die Fahrspur, einig tragen Babies unter dem Bauch oder auf dem Ruecken. Ein Kleines sitzt der Mutter auf dem Kopf, springt dann nach vorne herunter, um dann der Mutter wieder von hinten auf den Ruecken zu steigen.

Ja und wirklich nur ein paar Meter weiter stehen Gnus, die uns zuerst misstrauisch beaeugen, dann aber seelenruhig weiterfressen. Hier gibt es nichts zu sagen, einfach nur sehen und in sich aufnehmen.

Keiner von uns hat auf die Uhr gesehen, aber irgendwann sagt Ulrike "Gleich geht die Sonne unter". Tatsaechlich, jetzt wirds aber eng, denn bei Sonnenuntergang muss man den Nationalpark verlassen haben. Hier gelten noch die Gesetze von Sonnenauf- und Sonnenuntergang, d.h. bei Sonnenaufgang wird das Gate geoeffnet und bei Sonnenuntergang geschlossen. Heute haben wir sozusagen das Licht ausgemacht, denn im Rueckspiegel sehe ich wie abgeschossen wird

Bis zur Lodge haben wir noch etwa 1 km zu fahren aber wie ich die Lage sehe kann sich dieser km noch hinziehen. Der Weg fuehrt ueber das hohe Ufer des Chobe River, an dem viele Baeume stehen. Durch diese Baeume hindurch, die ihre Aeste wie Skelettarme gegen den Himmel strecken, sehen wir auf einen Himmel wie er nur in Afrika vorkommen kann.

Ja, und dann sitzt auf einem der Aeste auch noch ein Schreiseeadler dessen Schatten sich gegen den Himmel abzeichnet.Der Gedanke an "Out of Afrika" geht mir mir jetzt durch den Kopf.

Wir sitzen auf der Terrasse der Chobe Safari Lodge, unmittelbar am Fluss. Die letzte Woche gleitet noch einmal vorueber. Wir haben in kurzer Zeit eine Vielfalt an wilden Tieren, fremdartigen Menschen, und ein buntes Kaleidoskop an Erscheinungsformen der Natur gesehen, und dies ist erst der Anfang. Was wird die weitere Reise bringen ?

Aber eines wissen wir jetzt schon: Afrika hinterlaesst Spuren, die nicht mit dem Verstand, sondern nur mit dem Gefuehl zu begreifen sind. Es macht suechtig, man kommt nur sehr schwer davon los !!!!!