Es ist ruhig, ungewohnt ruhig, irgend etwas stimmt nicht... - nur was ?

Ich schlage die Augen auf und dann weiß ich es ist: Es ist diese Stille -diese total ungewohnte Stille. Kein Verkehrslärm keine irgendwelchen vertrauten Geräusche von Menschen- nichts, einfach nichts! Und der, durch das geöffnete Dachfenster, sichtbare Himmel ist anscheinend auch irgendwie anders... er ist mit viel mehr Sternen übersät. Ich schaue auf die Uhr, es ist fast 4 Uhr morgens; Durch das geöffnete Fenster weht ein Lufthauch und bringt einen leichten Geruch von Natur herein der nicht so ganz genau zu definieren ist.... so irgendwie nach Wasser und Erde. Ich strecke mich im Bett und genieße einfach nur die Stille denn ich weiß, allzulange wird diese Ruhe nicht mehr anhalten. Dann werden unten am Sumpf dieMoor- u. Grasfrösche ihr allmorgendliches Konzert beginnen, und das kann schon ziemlich lautstark werden.

Als ob sie meine Gedanken gelesen hätten: Einer fängt an, erst abgehackt -vielleicht noch etwas verschlafen-und schon stimmen ein Zweiter und Dritter und wie auf Kommando ist das Konzert einer Hundertschaft in voller Lautstärke im Gange. Aus Erfahrung weiß ich das an Schlaf ist jetzt nicht mehr zu denken ist und außerdem bin ich ja auch nicht zum Schlafen hier.... Wer in der Natur etwas sehen und erleben will, der muß erfahrungsgemäß früh aufstehen.

 

Gestern bin ich hier angekommen, habe in Neustrelitz am Kreisverkehr den richtigen Abzweig Richtung Carpin-Woldegk genommen um dann nach kurzer Strecke in Zinow rechts in den Buchenwald einzutauchen. Zuerst geht es noch kurz über Kopfsteinpflaster und dann auf einen sandigen Waldweg, der aber schon nach wenigen Metern für die weitere Durchfahrt gesperrt ist. Der normale Besucher wird hier nach rechts auf einen Wanderparkplatz geleitet auf dem ein kleines Informationshäuschen steht, in dem man sich über die Geschichte und den Lebensraum -Serrahner Buchenwald- informieren kann. Ab hier beginnt ein Wanderweg auf dem der Wanderer die eben gelesenen Infos direkt in der Natur ersehen, erhören und erriechen kann.

Auf dem gesperrten Waldweg hat nur derjenige Durchfahrt der in dem kleinen Weiler Serrahn wohnt, sei es als Bewohner oder als Feriengast; dies wird auch schon mal von denNationalparkrangern kontrolliert. Da ich als Feriengast in Serrahn wohne darf ich den unbefestigten Waldweg befahren, der manchmal eine kleine Rüttelpiste darstellt und sich auf und ab, manchmal durch kleine Hohlwege, durch den wunderschönen Buchenwald schlängelt. Hier fährt wirklich nur derjenige weiter, der ganz bestimmt weiß, daß es am Ende ein Ziel gibt!

Schon wenn ich in den Buchenwald "eintauche", so will ich das wirklich nennen, überkommt mich eine innere Ruhe und Stille, jeglicher Trubel ist wie ausgeschaltet. Man hört nur noch das Rauschen der Bäume und die Stimmen der Natur (natürlich nur bei ausgeschaltetem Motor). Jetzt noch eine Kurve und dann bin ich in Serrahn, bestehend aus einer Rangerstation (dem schön restaurierten alten Forsthaus), einem Nationalpark-Besucher-Info-Zentrum (Serrahner Buchenwälder) und einem Waldbauernhaus in dem ich wohnen werde mit seiner hübschen Scheune - und das ist es auch schon!!

Hier im Waldbauernhaus bei Roman Vitt habe ich meine Ferienwohnung und werde von Roman freundlich mit einem -Hallo, da bist du ja- begrüßt, da ich schon einigemale hier war. Auf der Holzterrasse hinter dem Haus machen wir es uns erst einmal bei einer Tasse Kaffee gemütlich, worüber ich nach der langen Anfahrt auch ziemlich froh bin. Hier sitze ich nun mitten in der Natur, im größten Brutrevier von Adlern und Kranichen in Deutschland. Die Wiese zu meinen Füßen, die sich leicht abfallend hinunter an einen Bachlauf und ein Sumpfgebiet zieht, ist schon Lebensraum von Tieren. "Siehst du hier links den Baum, da 10 mtr. links" fragt mich Roman gerade, "vor ein paar Wochen da waren in der Krone vier Waschbären ganz gemütlich am Fressen, auf einmal fingen sie aufgeregt zu zetern an. Ich wußte im ersten Augenblick nicht genau warum, dann sah ich aber den Grund! Unten am Stamm hatte sich ein Marder angepirscht, der nun anfing langsam den Stamm hochzuschleichen, ihn hatten die Waschbären gesichtet und deshalb waren sie plötzlich so aufgeregt. Unbeirrt kam der der Marder immer näher, ja und dann kam plötzlich Bewegung in die Waschbären und in ganz kurzer Zeit waren waren sie vom Baum hinab im hohen Gras der Wiese verschwunden. Als ich nach kurzer Zeit noch einmal hinsah hatte es sich der Marder in der Baumkrone gemütlich gemacht". Mir fallen die Vögel auf, die immer wieder rechts von mir auf dem Baum landen um dann nach kurzer Zeit weiter nach rechts zur alten Scheune zu fliegen. "Ja, die bringen Nahrung in ihr Nest, ob aber schon junge drin sind weiß ich nicht aber eigentlich ist jetzt die Zeit" erklärt Roman. Ich muß schon genau hinsehen denn die alte Backsteinwand der Scheune ist mit grünen Rankgewächsen bewachsen und hier hinein an der Wand kann ich jetzt zwei Nester sehen. Ein Nest ist etwa 2 mtr. über dem Boden, das andere vielleicht 4 mtr. Es herrscht also reger Flugverkehr und dabei geht es sehr diszipliniert zu. Ein Vogel wartet jeweils im Baum und fliegt erst dann zum Nest wenn der andere es verlassen hat, so kann es also nie einen Verkehrsstau geben.

Hier könnte ich schon problemlos den Rest des Tages sitzenbleiben, aber es hilfst alles nichts ich muß noch auspacken und bevor die Butter in der Einkaufstüte schmilzt sollte sie doch besser vorher im Kühlschrank verstaut werden. Diverse Lebensmittel für die nächsten Tage habe ich mir noch in einem Einkaufszentrum bei Fürstenberg gekauft. So bin ich also für die nächsten Tage unabhängig und muß nicht unbedingt nur zum Einkaufen hier den Wald verlassen. "Hier hast du den Schlüssel zum -Fuchsbau-, so heißt meine Ferienwohnung- ich helfe die noch gerade dein Gepäck hochzutragen, alles weitere weißt du ja" meint Roman.

Ich mache das ins Dach eingelassene große Liegefenster auf und mein Blick geht hinaus über die Wiese und den Sumpf hinüber an den Wald. Jetzt am späten Nachmittag hat die Sonne noch eine große Kraft und die Natur ist in Ruhe; nur unten am Sumpf bewegen sich zwei Stockenten träge auf dem Wasser. Wenn ich ganz weit nach rechts sehe, kann ich den -Großen Serrahnsee- zu Teilen erkennen, der aber zu einem großen Teil unzugänglich versumpft ist und in dem in diesem Jahr, -so hat mir Roman eben noch gesagt-, vier Kranichpaare brüten.

Für heute will ich ich aber nun nichts größeres mehr machen und schnappe mir meine Wanderkarte um mir die Wanderroute nochmal anzusehen, die ich mir für den nächsten Tag vorgenommen habe. Es gibt zwei Möglichkeiten bzw. Routen- mal sehen wie morgen früh die Kondition ist!

 

Eigentlich müsste ich den Fröschen ja direkt dankbar sein das sie mich so zeitig aus dem Bett geworfen haben, denn morgens so ohne weiteres auf die schnelle in die Gänge kommen, das geht gar nicht. Also erst einmal werden die großen Dach-Liegefenster geöffnet und morgenfrische Luft hereingelassen. Da es noch relativ früh ist mache ich die Fenster aber langsam und vorsichtig auf denn es kann gut sein das direkt vorne auf der Wiese oder unten am Sumpf Kraniche auf Nahrungssuche sind, denn wie gesagt:hier beginnt die Natur direkt vor der Haustüre. Heute morgen ist allerdings kein gefiederter Gast mehr da und deshalb kann ich mich den wesentlichen Dingen des Lebens (Überlebens) widmen wie z.B. Kaffee kochen und Frühstück machen. Wie gut das ich gestern in Fürstenberg alles eingekauft habe, denn auch für die Wanderung heute muß noch zu essen und trinken in den Rucksack gepackt werden. Aber wie immer morgens scheint mir die Zeit davonzulaufen und die Zeiger der Uhr nähern sich unaufhaltsam der 9.00 Uhr Marke, eigentlich einer Zeit zu der ich bereits unterwegs sein wollte, obwohl ich noch nicht so ganz genau weiß welche Wanderroute ich heute letzlich nehmen werden. Als Option habe ich eine kürzere oder längere Strecke. Da beide aber am Anfang identisch sind, habe ich noch Zeit mich für eine der beiden zu entscheiden. Jetzt noch schnell meine neuen Wanderschuhe an, die zwar eingelaufen sind, aber auf einer längeren Strecke noch nicht getestet wurden... -aber ich bin ja Optimist!

Das ist das Schöne hier, ich trete aus der Haustüre und bin schon direkt auf dem sandigen Wander- und Radweg auf dem ich, wenn ich ihn gerade weitergehen würde, auf kürzestem Weg nach Dianenhof bzw. Carpin kommen würde. Die Luft ist noch etwas frisch, aber die Sonne scheint und es riecht so richtig angenehm nach Wald. Unten am Sumpf schnattern die Stockenten und vorbei an der alten Scheune, in der Roman eine Naturfotoausstellung hat, bin ich jetzt schon sozusagen mittendrin in der Nationalpark-Kernzone und dem Weltnaturerbe Serrahner Buchenwälder!

Auf den ersten Metern ist der Rucksack noch etwas gewöhnungsbedürftig, bis auch er seine endgültige Lage auf meinem Rücken gefunden hat und die Träger über der Schulter in der richtigen Position sitzen. Aber das ist jedes Mal zu Beginn einer Tour so. Der sandige Wanderweg ist durchmischt mit dem gefallenen Laub und meine Schritte knirschen leise. Irgendwie empfinde ich mich noch als Eindringling denn um mich herum ist Natur pur. Hier links geht es jetzt ab zum Serrahner Moorsteig, aber der liegt heute nicht auf meiner Strecke und so wandere ich ersteinmal weiter geradeaus Richtung Dianenhof, wie der Wegweiser angibt. Direkt an der anderen rechten Wegseite liegen mehrere, vor langer Zeit, umgefallene Bäume die inzwischen am vermodern sind. Auf ihnen sind große, feste Schwämme gewachsen. So vom bloßen Ansehen hätte ich zuerst gedacht sie müsssten eigentlich ziemlich weich sein, da sie direkt am Weg liegen kann ich sie anfassen und bin erstaunt wie fest und hart sie sind. Um sie zu lösen würde man wohl eine Säge benötigen. Eigentlich sind für mich die ersten 1-2 Kilometer einer Strecke immer die schwersten, bis ich sozusagen eingelaufen bin, aber heute morgen geht alles sehr leicht und locker - kein Wunder bei dieser Natur...!

Die Buchen haben jetzt schon ihre frischen grünen Blätter, die mit den durch sie scheinenden Sonnenstrahlen unten am Boden ein ganz eigenes Licht erzeugen. Vielleicht inspiriert dieses Licht ja auch die Vögel, die im Moment wirklich eindrucksvoll ihre Stimmen ertönen lassen. Die Gebiet hier ist, wie Roman mir erklärt hat, eine Endmoränenlandschaft. Während der letzten Eiszeit vor 12.000 Jahren reichten Gletscher aus Skandinavien bis in die Gegend von Serrahn. Deshalb erklimmt der Wanderweg kleine Hügel, die Endmoräne oder bildet Hohlwege, immer umgeben von frischem Buchengrün. Immer wieder sind links und rechts des Wanderweges im Waldboden tiefe Krater zu sehen, die am Grund in einen kleinen Tümpel bilden, oder aber so dicht mit Sumpfgras zugewachsen sind, daß auf den ersten Blick eine Grasfläche entstanden ist. Dies ist aber trügerisch, denn in Wirklichkeit ist auch dies eine Sumpffläche in der man einfach versinken würde. An den Seiten liegen umgestürzte Bäume oder Sträucher die mit ihren Kronen bis ins Wasser oder Sumpf reichen. Wenn ich in den Wald blicke sehe ich überall gefallene Bäume, die immer noch so liegen wie sie einmal gefallen sind und sich in den verschiedensten Stadien der Zersetzung befinden. Ich weiß -auch wenn ich es nicht sehe- diese Bäume sind reich besiedelt mit ungezählten Kleinstlebewesen die dafür sorgen, daß aus den Stämmen irgendwann wieder wertvoller Humusboden wird aus dem dann wieder neue Pflanzen gedeien. Gleichzeitig sind diese Lebewesen selbst wieder ein Teil der Nahrungskette für die verschiedenen Vögel und anderer Waldbewohner. Der Wald wirkt an manchen Stellen so richtig verwunschen und mich würde es heute morgen nicht wundern, wenn hinter irgendeinem Baum Frodo oder Gandalf aus den Hobbit-Filmen hervortreten würden..... es wäre absolut passend! Irgendwie komme ich heute morgen nicht so richtig von Stelle es gibt so unendlich viel zu sehen und zu hören. Manchmal muß ich mir ins Gedächnis rufen, daß ich nicht den Weg verlasssen sollte.... und dabei ist es doch so verlockend schön zum Fotografieren. Aber dies ist natürlich in der Kernzone eines Nationalparks, die u.a. auch eine Ruhe- u. Rückzuckszone für das Wild darstellt, absolut verboten!

 

Rechter Hand öffnet sich nun der Buchenwald und ich bin am schmalen nördlichen Ende des Schweingartensees, auf dem in direkter Ufernähe einige Stockenten unterwegs sind. Und auch hier wieder nur die Stimmen der Natur und das plätschern der Wellen am Ufer wo der Wanderweg direkt entlangführt. Hier am nördlichen Ende ist der See nur einige hundert Meter schmal, erstreckt sich aber über bestimmt 2 Kilometer Länge in Richtung Süden. Seine Längsseiten sind mit dichtem Buchen- und Birkenwald bewachsen und immer wieder ragen sumpfige Nebenarme ins Land. Auch hier gilt: Alles bleibt so erhalten wie die Natur es erschafft. Im sumpfigen Uferbereich wachsen die Bäume und Sträucher auch z.T. im Wasser, und ein umgefallener Baum bleibt halt auch im Wasser liegen und wird von Enten, Kormoranen, Reihern u.v.a. als Putz- oder Schlafplatz genutzt. Aus der Ferne höre ich jetzt den trompetenden Ruf eines Kranichs, der aber schnell vom Schnattern der Enten übertönt wird.

 

So, jetzt muß ich mich entscheiden welche Strecke ich heute wanderen will. Geradeaus geht der Weg weiter Richtung Dianenhof bzw. Carpin und nach rechts Richtung Goldenbaum.Die Sonnenstrahlen auf der der Haut sind jetzt sehr angenehm, ich fühle mich gut und "eingegangen" und daher beschließe ich jetzt kurzentschlossen für heute doch die längere Wanderstrecke unter die Füße zu nehmen.

Der Bericht wird fortgesetzt!!

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Wanderung im Weltnaturerbe -Serrahner Buchenwälder-

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