Abenteuer Botswana

Reisebericht aus einem Erdteil, in

Mail

Ja, das ist sie nun, eine Haupt-Verbindungsstrasse im Nordwesten Botswanas, genauer gesagt im Ngami Land. Damit will ich nun nicht sagen das die Strasse etwas Besonderes wäre, im Gegenteil alles wie gehabt, viel Staub und noch mehr Wellblechpiste! Die kann man normalerweise erst ab einer gewissen Fahrtgeschwindigkeit ertragen, aber im Moment schleichen wir nur dahin, dies hat aber einen bestimmten Grund, doch ich will am besten von vorne beginnen!


Es ist noch etwas kühl heute morgen, leichter Morgennebel hängt über dem Okavango und zieht durch die weiten Schilf- und Papyrusfelder. Mit einer Handpumpe haben wir gerade zwei Ersatzkanister und den Tank unseres Mitsubishi-Pajero mit Benzin aufgefüllt. Es ist zwar eine etwas mühselige Arbeit am frühen Morgen, so mit der Handpumpe, aber was tut man nicht alles! Es ist aber auch gleichzeitig eine Art Morgengymnastik zumindest für die Arme. Eigentlich hatten wir ja gestern in Bagnani, noch in Namibia, an einer normalen Tankstelle volltanken wollen aber trotz mehrerer Anläufe waren wir an den Umständen gescheitert.

Bei Mohembo hatten wir daraufhin die Grenze nach Botswana noch gerade vor Feierabend und Dunkelheit überquert und waren dann gestern, nachdem der letzte Ersatzkanister auch noch unterwegs in den Tank gekippt worden war, sozusagen mit angehaltenem Atem und ständigem Blick auf die Tankanzeige in Drotzkis Camp angekommen, Das Camp liegt am Oberlauf des Okavango, einige Kilometer südlich von Shakawe. Der Ort ist die Hauptstadt des Nordens und eine der größten Siedlungen im Ngami-Land.

Wie wir von Kasane hierhin gekommen sind und was wir unterwegs alles erlebten (z.B. mit schlafenden oder verschwundenen Tankwärtern, mißtrauischen Zollbeamten, Pisten, die in plötzlichen Unwettern zu Rutschbahnen wurden und wie die Verpflegung aus einer englischen Gulaschkanone schmeckt) ist wieder eine andere Geschichte, die auch noch zu erzählen sein wird.

Ja, und dann hatte gestern abend am Lagerfeuer Christa im Gespräch mit Murray, dem Campleiter, noch erzählt "Eigentlich wollten wir ja zu den Tsodilo Hills, die nicht allzuweit von hier in der Savanne liegen, aber dazu müssten wir hier Benzin bekommen denn wir fahren sozusagen auf dem letzten Tropfen". "Okay, klar könnt ihr hier Treibstoff bekommen, nur pumpen das müßt ihr selbst" so meint er. Nun dann, dieses Problem war also gelöst und so haben wir gerade zwei Kanister und den Tank voll gemacht, was sich im nachhinein als Glücksfall erweisen sollte. Denn, obwohl unser Ziel nur ca. 45 km entfernt ist entpuppt sich die Piste, oder soll ich besser sagen -Fahrspur-, dann später als ziemlich zeitraubend und als hochgradiger Benzinfresser. Mir hatte allerdings schon zu denken gegeben als Murray gestern abend noch meinte die Strecke sei sehr, sehr schlecht. Denn wenn er, als sozusagen Einheimischer das sagt, dann sollte doch schon etwas daran sein.

Während ich gerade den Ölstand des Wagens prüfe und Christa unterwegs ist um die Wasserflaschen zu füllen kommt gerade Murray vorbei, auf seinem morgendlichen Rundgang durchs Camp. "Hi, seid ihr schon startklar, dann kommt vorher noch bei mir im Office vorbei, ich habe für euch noch einen Plan gemacht, denn die Piste ist auf keiner Karte verzeichnet und ihr währet nicht die ersten, die bei den Tsodilo Hills stehen und nicht wissen wo sie was zu suchen haben". Der Ölstand scheint zu stimmen, das Kühlwasser hat den richtigen Pegel und auch sonst ist alles, von außen betrachtet, scheinbar in Ordnung. Christa ist mit den Trinkwasserkanistern auch noch nicht wieder da, also habe ich im Moment sowieso nichts besseres zu tun und gehe am besten rüber ins Office um den Plan zu holen. Da wir zur Zeit anscheinend fast die einzigen Gäste im Camp sind herrscht eine herrliche Stille, links von mir fließt leise der Okavango, dier hier auf beiden Seiten von dichten Papyrusgalerien begrenzt wird. Zwerggänse lassen sich von der Strömung des Flusses treiben während etwas weiter entfernt in der Luft ein Schreiseeadler seine Kreise zieht.

Die Tür zum Office steht weit offen, Murray sitzt hinter einem Tisch und ist offensichtlich an einer Zeichnung noch am arbeiten. Mit einem wortlosen Kopfnicken grüßt er mich und betrachtet noch einmal sein Werk. "Ja, so müßte er verständlich sein" meint er jetzt zu zu sich selbst und schiebt mir den Plan über den Tisch.

"Und denkt daran auch Streichhölzer, eure Schlafsäcke und genug Wasser mitzunehmen, denn sollte durch einen plötzlichen Wetterumschwung ein Unwetter niedergehen ist die Piste mit Sicherheit kurzzeitig unbefahrbar. Ein paar feste Kletterschuhe könnten auch nicht schaden denn die schönsten Zeichnungen erreicht man oft erst nach einigem klettern in den Felsen" meint er. "Die Einfahrt in die Piste ist aber leicht zu fiinden, Ihr fahrt einfach auf der Hauptstrasse Richtung Maun weiter, nach kurzer Zeit kommt denn ein Schild, das rechts die Einfahrt markiert". O je, mit Schildern haben wir hier schon die abenteuerlichsten Erfahrungen gemacht, erst gestern hat uns die Beschilderung bzw. Nicht-Beschilderung in Shakawe zeitweise ganz schön in die Irre geführt, also mal sehen womit uns dieses Schild überrascht?

Aus diesem Grund schleichen wir jetzt im 2. Gang über die Hauptpiste Richtung Maun, denn hier in diesem Bereich muss nach Murrays Entfernungsangabe ungefähr das Hinweisschild stehen. Im 2. Gang dahinschleichen bedeutet aber auch auf dieser Wellblechpiste gnadenlos durchgerüttelt zu werden und, um das ganz noch besonders angenehm zu gestalten, werden wir auch noch von den eigenen aufgewirbelten Sand- und Staubwolken eingeholt. Dieser Sand ist mal wieder so fein das er durch die kleinsten Öffnungen ins Auto eindringt. Trotz geschlossener Scheiben liegt schon bald wieder eine deutlich sichtbare feine Staubschicht auf dem Armaturenbrett. Sicherheitshalber halte ich noch einmal an um die Film- und Fotogeräte zusätzlich in Plastikhüllen zu stecken, denn sicher ist sicher ..................., und defekt ist defekt!!!

Christa sichtet als erste das gesuchte Schild, es steht etwas windschief rechts am Fahrbahnrand. Die Pfeilrichtung zeigt zwar nach links aber das kann ja nun unmöglich sein. Denn nach links geht es nur wieder Richtung Fluß, irgendein Witzbold hat es wahrscheinlich ganz einfach umgedreht, "Nun ja, bis jetzt sieht doch die Strecke ganz gut aus, aber warten wir einmal ab was da noch so kommt" meine ich gerade so, und trete im gleichen Augenblick auf die Bremse. Wir sehen uns an, und wo geht es hier weiter? Die Piste mündet auf einen weitläufigen Langerplatz für Strassenbaumaterial.

Wir hatten zwar gehört das die Strasse von Gumare nach Mohembo z. Zt, befestigt und asphaltiert wird nur, wieweit die Arbeiten inzwischen fortgeschritten waren , das hatte uns keiner genau sagen können. Aber ganz offensichtlich befanden wir uns hier auf einem Lagerplatz für diesen Strassenbau. Bisher hat Botswana im Norden nur über mehr oder minder gute Gravelroads Anschluß an das gut ausgebaute Strassennetz von Namibia. Jetzt wird eine diese wichtigen Gravelroads entlang des Okavango asphaltiert und das bedeutet dann, das von Maun aus zwei befestigte Routen Anschluß an das Namibische Strassennetz haben. Einmal die alte südliche Route über Toteng-Ghanzi-Mammuno und dann, nach Fertigstellung der neuen Strecke, die Route Toteng-Gumare-Shakawe-Bagnani-Rundu.

Wir wollen im Augenblick aber nur den Anschluß an die Strecke zu den Tsodilo Hills finden. Im Moment kurven wir zwischen hohen Geröll- und Splitthügeln umher um irgendwo die Fortsetzung der Fahrspur zu finden. Die ungefähre Richtung wissen wir ja und so fahre ich jetzt einfach den westlichen Rand des Lagerplatzes ab, denn hier müßte die Fortsetzung der Spur zu finden sein. Das fängt ja schon gut an, noch keine Stunde unterwegs und schon ist "Piste suchen" angesagt. "Hier, hier könnte es sein" meint Christa, und zeigt auf eine tiefe Fahrspur im weichen Sand. Die Spur führt hinaus in die topfflache Ebene der Kalahari, sie weist in die richtige Richtung und verliert sich in der Ferne zwischen niedrigen Sträuchern und Büschen. Bisher haben wir keine weitere Spur gefunden und bei dieser stimmt immerhin die grobe Richtung.

Schon nach kurzer Zeit merken wir es, diese Strecke hat es wirklich in sich! Von außen sah die Sandfläche glatt und fest aus, nur von einer Fahrspur durchzogen. In Wirklichkeit ist sie fast wie Puderzucker, in dem man sofort versinkt, selbst die anscheinend so feste Fahrspur gibt noch einmal nach unten nach. Ich schalte die höchste Untersetzung und zusätzlich noch die Differentialsperre an unserem Pajero ein und so mahlen wir uns mit max. 15 Std/h langsam vorwärts während unser Auto oftmals von einer Seite auf die andere schwankt. Langsam wird es auch immer wärmer und der Fahrtwind bringt bei dieser Geschwindigkeit nun auch keine besondere Abkühlung. Jetzt wird uns auch immer klarer weshalb wir immer wieder gesagt bekamen die Strecke sei sehr, sehr schlecht, sie ist es wirklich. Aber ich will nun mal alles selbst ausprobieren und testen denn erst dann, und das ist meine persönliche Meinung, kann man wirklich mitreden oder Vorschläge machen.

Die Spur schlängelt sich jetzt auf weiten Strecken zwischen halbhohen Büschen und kleinen Bäumen dahin, die Bäume sind tatsächlich noch alle grün aber das liegt wohl daran das die Regenzeit erst gerade vorbei ist. Aber was heißt vorbei, tatsächlich muß man immer noch mit heftigen Wolkenbrüchen rechnen und so ein Unwetter könnte hier in diesem tiefen Sand ein Weiterkommen erst einmal unmöglich machen. Die Büsche links und rechts sind z.T. ziemlich dicht sodaß Tiere, die sich darin aufhalten von uns nicht gesichtet werden können. Dann gibt es wiederum Streckenpassagen die nur mit lichtem Gehölz bewachsen sind und dort sehen wir jetzt auch immer wieder Antilopen. Aber eine grundsätzliche Frage steht nach wie vor im Raum, sind wir überhaupt auf der richtigen Fahrspur??

"Na toll, jetzt wird es spannend" meint Christa, da hat sich doch so eine mittelgroße Akazie quer über die Spur gelegt, gerade groß und dick genug um ein Weiterkommen unmöglich zu machen. "Nein, aufgegeben wird hier und jetzt nicht, denn wo ein Wille ist ist meistens auch ein Weg" sage ich weil, so oder so ähnlich heißt es doch! Also steigen wir erst einmal aus und versuchen zuerst die Umfahrung des Baumes zu Fuß zu erkunden. Aber sowie die Fahrspur seitlich verlassen wird sinken wir sofort bis zur halben Wadenhöhe ein. Die direkte Umfahrungsstrecke um diesen Baum herum ist ja gar nicht so weit, nur absolut nicht zu benutzen. Jetzt merken wir schnell das Sand und Sand verschieden sein können, denn es gibt durchaus Flächen die ziemlich fest sind und wahrscheinlich auch mit dem Auto befahren werden können, nur müssen wir diese Flächen finden. Christa ruft mr gerade zu "Komm mal hier rüber, hier scheint es zu gehen"! ja es stimmt hier könnte es wirklich gehen, der Boden ist ziemlich fest, aber diese Umfahrungsstrecke würde uns doch weit von der ursprünglichen Spur wegführen. Außerdem geht es durch viele Dornensträucher und aus leidvoller Erfahrung wissen wir das die heruntergefallenen Dornen eisenhart sind und problemlos einen Reifen zerstechen können. Aber zu irgend etwas müssen wir uns nun entschließen "Also versuchen wir es, aber du gehst vor dem Auto her um jeweils die Bodenbeschaffenheit zu prüften und gleichzeitig nach den heimtückischen Dornen Ausschau zu halten" sage ich zu Christa. Ganz langsam versuche ich nun seitwärts aus der Fahrspur kommen, aber hier fängt das Problem offensichtlich schon an, alle vier Reifen wühlen sich nur tiefer in den Sand und wenn ich jetzt noch mehr Gas gebe können wir gleich zu Schaufel und Sandblechen greifen.

Christa bleibt jetzt an der Fahrspur an der Stelle stehen an der die feste Sandoberfläche beginnt. Ich fahre nun langsam eine Strecke zurück um "Anlauf" zu nehmen, jetzt den 1. Gang, dann den 2. Gang und dann mit sagenhaften 20 km/h seitlich aus der Spur heraus. Das Auto schwankt zwar bedenklich als es über den hohen Spurrand gezwungen wird, aber kaum zu glauben jetzt steht es wirklich neben der Fahrspur genau wo es sein sollte, in der richtigen Richtung und auf fester Sandoberfläche. Ich reiche Christa ihren Hut aus dem Wagen, denn es ist inzwischen verdammt heiß geworden, und so in der prallen Sonne ohne Kopfbedeckung vor dem Auto herzulaufen könnte sich sehr schnell mit einem Sonnenstich rächen. Ich hatte bei einer anderen Tour im Okavango-Delta bei einer Morgenpisch einmal meinen Hut im Zelt gelassen, denn der Himmel war ja leicht bedeckt. Doch dabei hatte mich die Sonne leicht erwischt und ich durfte den Rest des Tages mit ziemlichen Kopfschmerzen im Zelt verbringen. Seit dieser Zeit bin ich in Afrika ein Hutfanatiker.

Langsam fahre ich jetzt hinter Christa her, die aufmerksam die Festigkeit des Bodens prüft und gleichzeitig nach diesen heimtückischen Dornen Ausschau hält, denn jetzt hier auch noch eine Reifenpanne nein, das muß nun nicht unbedingt sein! Aber es geht leichter als wir gedacht haben, nur ab und zu kratzt der Ast eines niedrigen Baumes oder eines Dornenstrauches mit einem häßlichen Knirschen am Auto entlang. In einem weiten Halbkreis, der uns an seinem weitesten Punkt wohl an die 400 mtr. von der Spur entfernt, kehren wir langsam an die ursprüngliche Strecke zurück. Ich schaue auf die Uhr, kaum zu glauben aber dieses simple Hinderniss hat uns glatt über 40 Minuten Zeit gekostet. Mit einem leichten Schwanken bringe ich jetzt das Auto wieder zurück in die ursprüngliche Fahrspur. "Hoffentlich hat sich das alles auch gelohnt, und wir sind in der richtigen Richtung" meine ich zu Christa, die gerade wieder ins Auto steigt, denn das wäre nun doch eine gewaltige Enttäuschung auf der falschen Spur zu sein und irgendwo im Nichts zu landen.

Hier oben, im Norden Botswanas

So hatte ich es in einem Reiseführer gelesen und während wir uns jetzt langsam aber sicher vorarbeiten gewinne ich zunehmend Respekt vor der Leistung der San. Übigens, den Namen -Buschmänner- haben sie damals von den Buren erhalten, sie selbst nennen sich -San- und deshalb will ich sie auch in meinem Bericht so nennen. Aber wie können sie hier überleben, in einem Gebiet das auf den ersten Blick, und auch auf den zweiten Blick so garnichts zum Überleben bietet. Anscheinend gibt es hier nur Hitze, Sand, Trockenheit und knochentrockene Sträucher. Die San aber, die wissen seit Generationen wo es hier in und auf der Erde Nahrung gibt. Sie kennen über 100 Arten von eßbaren Wurzeln und Gemüsen und sie kennen auch die Stellen wo offfene und geheime Quellen das lebensnotwendige Wasser ans Tageslicht bringen. Aber im Grunde brauchen wir uns nicht zu wundern denn, wenn ich den gelesenen Informationen glauben kann, leben sie schon seit mehr als 15.000 Jahren im südlichen Afrika. Als Jäger und Sammler durchstreiften die San die heutigen Länder Südafrika, Zimbabwe, Botswana und Namibia. Endlich ein Lichtblick auf unserer Strecke, im wahrsten Sinn des Wortes, im Moment haben wir nämlich anscheinend dieses große Dornen- und Strauchgebiet hinter uns gelassen und eine etwas lichtere Sandebene breitet sich vor uns aus, die nur von einzelnen niedrigen Sträuchern bewachsen ist. Irgendwie fühlen wir uns jetzt doch besser, denn immer so zwischen diesen zum Teil doch sehr dichten Büschen und Bäumen zu fahren ging auf den letzten Kilometern doch etwas aufs Gemüt. Vor allem wohl auch deshalb weil der Bewuchs manchmal bis dicht an die Fahspur heranreichte und wir auf Teilstrecken wie durch einen Tunnel gefahren sind. Aber jetzt hier, sozusagen im fast freien Gelände, wo unser Blick jetzt wieder bis zum Horizont reicht, da kann man so richtig durchatmen. Wie wir heute morgen im Camp losgefahren sind war am Himmel keine einzige Wolke zu sehen, wenn wir uns jetzt den Himmel betrachten hat sich doch eine lockere Wolkenschicht gebildet. Hoffentlich gibt es keinen Regenschauer denn das bedeutet hier in der Regel ein Unwetter, so als ob der Himmel alle Schleusen geöffnet hätte. Dafür hält es dann aber nie sehr lange an, aber die Folgen wären für uns im Moment doch etwas ungemütlich.

Ich halte an, denn jetzt können wir auch einmal vesuchen uns zu orientieren bzw. Ausschau zu halten. Nach der Kilometerangabe müßten wir uns doch allmählich in der Nähe der Tsodili Hills befinden. Nach unseren Infos sollen sie aus der flachen Sandebene unvermittelt aufragen. Da leicht rechts, ungefähr bei 2 Uhr kann ich jetzt durch das Fernglas einige Erhebungen gut erkennen. Die Fahrspur führt auch in diese Richtung, also das ganze sieht im Moment recht gut aus. "Das müßte es sein" meint Christa, "jetzt kann es nicht mehr lange dauern". Aber wie schon so oft haben wir uns anscheined in der Entfernung wieder einmal gründlich verschätzt. Die Hügel scheinen einfach nicht näher zu kommen, und weshalb bei uns der Schweiß in Strömen läuft zeigt ein Blick auf das Außenthermometer. Über 35 Grad Celsius, und natürlich kein Fahrtwind bei 10-15 Std/h. Christa reicht mir vom Rücksitz eine große Flasche Wasser -aber bitte keine aus dem Kühlbehälter, denn das würde die Schweißproduktion nur noch ankurbeln- die ich jetzt während der Fahrt gut zur Hälfte austrinke, langsam und in kleinen Schlucken, obwohl das lauwarme Wasser nicht gerade vom Feinsten schmeckt.

Jetzt können war aber doch die Erhebungen mit bloßem Auge deutlich sehen, die fast inselhaft aus der Ebene emporragen. Der Name "Tsodilo" stammt aus der Tawana Sprache und bedeutet wenn man bis zu den Sprachwurzeln zurückgeht soviel wie "steil". Die Spur windet sich sich jetzt auf einer Strecke von ca. 500 mtr. bergab und dann müßten wir eigentlich am Ziel sein. Wir können uns jetzt schon nach der Campzeichnung orientieren. Der höchste Berg liegt südlich von uns und wird in den Reiseführern mit einer Höhe von ca. 420 mtr. angegeben. Im Abstand von einigen hundert, bis zu tausend Meter entfernt liegen noch zwei weitere Berge. Die San haben ihnen den Namen Mann, Frau und Kind gegeben und sie bestehen vorwiegend aus Granit.

Hier ist der Sand noch einmal besonders tief und obwohl es leicht bergab geht muß ich ständig auf dem Gaspedal stehen um nicht im Sand stecken zu bleiben, ich denke bei mir das auf der Rückfahrt, dann hier bergauf, durchaus noch Freude aufkommen könnte. Aber was solls, jetzt will ich uns nicht schon damit belasten denn anscheinend haben die Götter der Tsodilo Hills vor den Preis den Schweiß gesetzt! Aus einer tiefen Sandpiste ist fast urplötzlich eine genauso schlechte Stein- und Geröllpiste geworden. "Also so geht das nicht, du mußt aussteigen und mich zwischen den Geröllbrocken hindurch losten" der Weg ist dermaßen mit Steinbrocken übesät als ob man durch einen Bachlauf fährt, wo das Wasser den Sand zwischen den Steinen allmählich ausgewaschen hat. Mehr links, jetzt rechts, stop, etwas zurück, und scharf nach rechts einschlagen, diese und ähnliche Kommandos werden mir jetzt von Christa zugerufen. Der Pajero schwankt jetzt manchmal ganz schön von einer Seite auf die andere und ich hoffe nur nicht zufälligerweise mit einem der Reifen in eine der vielen Spalten zwischen den Steinen zu geraten, den hier könnten wir uns ganz hervorragend die Reifen aufschlitzen und nur ein Errsatzrad steht zur Verfügung. Ganz abgesehen davon ist es sicherlich nicht das höchste der Gefühle hier bei diese Hitze auch noch einen Reifenwechsel vorzunehmen.

Wir steuern jetzt zielstrebig, mit Hilfe des Planes die Stelle an, die uns im Camp als guter und schattiger Platz fürs Auto empfohlen worden war. Eine Menge hoher und weitausladender Bäume stehen hier am Fuße der Felsen. Wie zu erwarten ist außer uns kein Mensch hier, und nachdem ich den Motor abgestellt habe umgibt uns eine merkwürdige Stille, die aber doch sehr angenehm ist. Hier unter den Bäumen ist es schattig und kühl im Vergleich zu draußen in der prallen Sonne. Bevor wir jetzt auf Erkundung gehen öffnen wir erst einmal die hintere Klappe des Autos, der Klapptisch und die Stühle werden hervorgeholt und aufgestellt und der Esskorb aufgemacht. Im Camp waren uns reichhaltig Sandwiches u.ä. mitgegeben worden die mit allem was schmeckt belegt waren. Seit einigen Tagen haben wir auch mehrere Behälter mit Tee dabei. "Jetzt zu einem Sandwich eine Tasse Tee, wie wäre das" meint Christa und geht zum Auto um eine Kanne zu holen. "Ja, das wäre sicherlich nicht schlecht und eine Abwechslung zu Wasser und Cola". Na toll, da haben wir die Bescherung, der Tee hat Schimmel angesetzt. Wie das, "aber natürlich ganz klar, wir hätten schwarzen Tee nehmen sollen und haben stattdessen Früchtetee genommen". Jetzt hinterher, ist man immer schlauer und so wird die Teepause halt ohne Tee gemacht.

Wir könnten hier zwar alles stehenlassen, weil hier kein Mensch ist, der etwas entwenden könnte, aber in den Felsen sind bestimmt Affen und bei deren natürlicher Neugier müssten wir dann später bei unserer Rückkehr die diversen Habseligkeiten vielleicht zwischen den Felsen zusammensuchen. Also besser alles zusammenpacken und wieder im Auto verstauen. Außerdem sollten wir jetzt vielleicht besser unsere festen Schuhe anziehen, denn das ganze sieht doch nach einer Kletterpartie in den Felsen aus und in hohen, festen Wanderschuhen hat man einfach mehr Halt für die Füße und Gelenke.

Anhand der Zeichnung können wir uns gut orientieren und haben bald die erste Felsmalerei erreicht d.h. wir stehen vor einem dichten Strauch- und Buschwerk das den Fuß eines Felsens bedeckt. "Dahinter soll also eine Zeichnung sein, und wie kommen wir durch die dichten Büsche ohne uns alles zu zerreißen?", vorsichtig, Ast um Ast nach hinten biegend und dann festhaltend für den Nachkommenden, kriechen wir durchs Gesträuch. Hin und wieder bleibt man an einer Dorne hängen und wenn man Glück hat kann der Nachkriechende einen wieder loshaken. Es geht zwar besser als es vorher ausgesehen hatte aber trotzdem, ich hoffe nicht jede Malerei oder Zeichnung nur durch kriechen durch Dornengestrüpp zu erreichen.

Es ist schon ein seltsames Gefühl im Angesicht dieser uralten Felsmalereien. Angeblich gibt es diesem Gebiet an über 250 Stellen mehr als 2000 Malereien und Zeichnungen. Selbst die heute hier in der Nähe lebenden San wissen nicht mehr wer die Künstler waren, die auf diese Art und Weise Szenen und Eindrücke aus ihrem Leben festgehalten haben.

Für uns Laien sieht erst einmal alles gleich aus, aber es gibt Unterschiede, sogar sehr deutliche aber dies stellen wir erst im Laufe unserer weiteren Exkursion fest. Wir finden Malereien, die in roter Farbe angebracht wurden, meist Tiere und hierbei kommt sehr oft das Motiv der Giraffe vor. Desweiteren sehen wir zweibeinige Silhouetten von Tieren. Diese ganzen Malerein werden den San zugeschrieben und zählen zu den ältesten.

Aber es gibt auch Zeichnungen die den schwarzen Stämmen zugeschrieben werden. Diese sind sehr oft in weißer Farbe ausgeführt und zeigen Pferde und Ziegen, aber auch Menschen werden dargestellt. Wir finden auch schattierte und mehrfarbige Zeichnungen, die aber, wenn ich dem vorher konsultierten Reiseführer glauben kann, wesentlich jüngeren Datums sind. Aber wie wir jetzt immer wieder feststellen haben diese Malereien doch einige Gemeinsamkeiten. Sie erzählen immer Geschichten aus dem Leben dieser Menschen und von Dingen die ihnen damals wichtig waren, sie sind immer an geschützten Stellen, z. B. Felsüberhängen, angebracht und auch das Steinmaterial, auf das die Farbe aufgetragen wurde, scheint nach unserem momentanen Eindruck immer der gleiche rötliche Stein zu sein.

Es war doch gut die festen Wandeschuhe angezogen zu haben, man hat einfach mehr Trittsicherheit auf den Steinen und zwischen den Felsen. "Das ist doch eine Schinderei" schimpft Christa, und droht damit sich einfach auf den nächstbesten Felsen zu setzten und keinen Schritt mehr weiterzugehen. Gut, verstehen kann ich es ja, denn gerade haben wir uns wieder einmal eine kleine Felswand hochgearbeitet und der Schweiß fließt in Strömen, aber die Götter haben nunmal den Schweiß vor den Preis gesetzt.

Dank der Handzeichnung wissen wir aber doch ziemlich genau das dies alles nicht umsonst ist. Ich kann jedem nur empfehlen sich vorher genau zu informieren wo es etwas zu sehen gibt, denn sonst so einfach auf Verdacht zwischen den Felsen herum zu klettern kann ein ziemlich mühsames und frustrierendes Geschäft werden und ein Erfolg ist nicht garantiert. "Jetzt gehe ich erst einmal keinen Schritt mehr weiter" höre ich erneuten Protest, "Okay, hier ist ja auch ein guter Platz zum Rasten und die Rucksäcke haben wir ja nun auch nicht nur zum Spaß mitgenommen.

Im Schatten eines großen Felsüberhanges beäugt von neugierigen Giraffen- und Büffelbildern an den Felsen schmecken die restlichen Sandwiches noch einmal so gut. Ich denke daran, das hier auf diesem Platz schon vor tausenden von Jahren Menschen gewesen sind die damals vielleicht noch mit Rauchzeichen über große Entfernungen Informationen ausgetauscht haben. Sie beherrschten noch die Technik wie man mit einem Stab aus einem ganz speziellen Holz Feuer entfachen konnte. Ihre Nachfahren, die San hier in der Kalahari beherrschen dies Kunst noch heute. Alsso diese Menschen von damals konnten sicher nicht ahnen das ihre Zeichnungen vom Leben und Jagen der Sippe hier auf diesen Felsen irgendwann einmal der Schlüssel und der Beweis ihrer Existenz sein würden.

"Wieviel Uhr ist es übehaupt", diese Frage schreckt mich hoch und reißt mich aus meinen Grübeleien. Die Zeit ist anscheinend wie im Fluge vorübergegangen denn es ist schon über 16 Uhr. "Du, wir sind schon über 5 Stunden hier unterwegs und sollten uns schleunigst auf den Rückweg zum Auto machen wenn wir noch vor Dunkelheit wieder bei Drotzkys im Camp ankommen wollen". Als Alternative würde sich sonst nur noch eine Übenachtung in einer der vorhandenen Höhlen anbieten, aber so ohne allen Grund wollen wir das dann doch nicht ausprobieren. Obwohl, reizen würde es mich schon!

Eilig, aber trotzdem vorsichtig klettern wir jetzt wieder bergab und sind nach einiger Zeit froh als der Wagen wieder in Sicht kommt. Der gewaltige, weit ausladende Affenbrotbaum, unter dem wir unser Auto abgestellt hatten hat inzwischen auch Besuch bekommen. Eine große Herde Affen turnt über seine Äste und veranstaltet einen Höllenlärm. Es war also garnicht so falsch unseren Tisch samt Tassen und ähnlichem wieder im Auto zu verstauen, denn wir hätten mit Sicherheit nichts mehr hier gefunden und alle Einzelteile suchen müssen. "Also für heute sind wir nicht mehr Salonfähig" meint Christa trocken, und sie hat wirklich recht wenn ich uns so ansehe, ziemlich verschwitzt, und die Kleidung ist auch stellenweise etwas abgerissen. Zusätzlich haben die Dornen an den Sträuchern auf unserer Haut deutliche Spuren hinterlassen. Also der Abend im Camp ist auf jeden Fall gerettet.................mit Nähfaden und Jod.

Aber, um meinen Gedanken von vorhin auf den Felsen noch einmal aufzugreifen und zu Ende zu denken, diese Felsmalereien sind der Beweis der Existenz ihrer Erschaffer aber, was wird in tausenden von Jahren einmal der Beweis von unserer Existenz sein!!!